Erster Test - Neuer Opel Astra gegen VW Golf Opel Astra 2.0 CDTI Ecotec gegen VW Golf GTD

02.11.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Als Rebell aus Rüsselsheim soll der neue Astra den Wolfsburger Kompakt-König vom Thron stoßen. Hat der Opel das Zeug zum Machtwechsel?

Das Duell ist so alt wie die Kompaktklasse selbst. Als der VW Golf 1974 erschien, hieß der Gegner aus dem Hause Opel noch Kadett C und hatte Hinterradantrieb. Quermotor und angetriebene Vorderräder gab es erst ab 1979 mit der D-Version. Der Namenswechsel in der Kompaktklasse erfolgte 1991 mit dem Erscheinen des ersten Opel Astra.

Sowohl Kadett als auch Astra wurden zwar millionenfach verkauft, erreichten in Deutschland aber nie ganz die Verkaufszahlen des niedersächsischen Rivalen. Nun steht die vierte Astra-Generation am Start. Sie hat im Vergleich zum Vorgänger eine breitere Spur – vorn plus 56 Millimeter, hinten plus 70 Millimeter. Auch der Radstand legte um 71 Millimeter zu. Der Neue wirkt so modern und wertig wie nie zuvor, bereit zum Blitzangriff auf den Golf.

 

Karosserie

Vorn hält der Astra durchaus ähnlich großzügige Platzverhältnisse bereit wie der Golf. Im Fond dagegen beeinträchtigt die coupéhafte Dachlinie die seitliche Kopffreiheit großgewachsener Passagiere. Außerdem lässt sich der Opel-Fond wegen der relativ kleinen Türausschnitte etwas beschwerlicher erreichen als die Rückbank des Golf.

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Apropos Rückbank: Sie ist bei beiden Kandidaten asymmetrisch teilbar. Der Wolfsburger besitzt jedoch keine durchgängig ebene Ladefläche, während diese im Astra mit der Montage des „FlexFloor“-Gepäckraumbodens (Serie ab Ausstattung „Sport“) in der zweiten von drei Höhenstufen möglich ist. Auch in der Testwagenzuladung übertrifft der Astra mit 535 Kilogramm den Golf, der nur 500 Kilogramm verträgt.

Bei der Bedienung gibt es kaum Kritik. Der Golf operiert auf hohem Niveau, während beim Astra die Instrumente schlechter ablesbar sind und die Sitzlehneneinstellung etwas fummelig ist. In der Sicherheitsausstattung fehlen dem Astra auf den Golf zehn Punkte, weil unter anderem keine hinteren Seitenairbags lieferbar sind, dafür kontert der Opel mit einem optionalen Spurassistenten inklusive Verkehrszeichenerkennung per Frontkamera.

Zwar wirkt der neue Astra hochwertig, die Material- und Verarbeitungsqualität des Testwagens aus der Vorserie fällt aber hier und da noch hinter die des Golf-Testexemplars zurück. Da bleibt für die Serienfahrzeuge noch Verbesserungsspielraum, den die Opelaner sicher nutzen werden.

KarosserieMax. PunkteVW Golf GTDOpel Astra 2.0 CDTI Ecotec
Raumangebot vorn1007070
Raumangebot hinten1005755
Übersichtlichkeit703834
Bedienung/ Funktion1009085
Kofferraumvolumen1003032
Variabilität1003033
Zuladung/ Anhängelast803638
Sicherheit1509585
Qualität/ Verarbeitung200185178
Kapitelbewertung1000631610

 

Fahrkomfort

Dank FlexRide-Fahrwerk (930 Euro) mit adaptiven Dämpfern und den Wahlmodi „Sport“, „Normal“ sowie „Tour“ bügelt der Astra Bodenwellen, Schlaglöcher und Querfugen im komfortorientierten „Tour“-Modus deutlich besser glatt als der zum Karosseriezittern neigende Golf.

Da hilft auch die adaptive Fahrwerksregelung DCC des VW, die mit Sport“, „Comfort“ und „Normal“ ebenfalls drei Wahlmodi umfasst und 945 Euro kostet, nicht viel. Der Grund hierfür dürfte in der deutlich strafferen Grundabstimmung des serienmäßigen Sportfahrwerks der getesteten GTD-Version zu suchen sein. Dazu gehört auch eine um 15 Millimeter tiefergelegte Karosserie. So rollt der neue Astra nicht nur besser ab als der Golf, sondern auch als sein Vorgänger – der neuen Verbundlenkerachse mit Wattgestänge sei Dank.

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Abgesehen von der etwas hart ausgefallenen Polsterung und einer wenig konturierten Sitzlehne hinten gibt es auch beim Opel-Sitzkomfort wenig zu klagen. Dennoch reist man auf den Golf-Sesseln etwas bequemer. Auch in ergonomischer Hinsicht bleibt der VW das Maß der Dinge. So bergen beispielsweise die vielen Tasten in der Opel-Mittelkonsole Verwechselungsgefahr. Ein Multifunktionsknopf ermöglicht durch Drehen und Drücken das Ansteuern von Menüpunkten wie etwa das Navigationssystem.

Doch um die Menüpunkte auszuwählen, muss man den Außenring des Knopfes drücken – unpraktisch.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf GTDOpel Astra 2.0 CDTI Ecotec
Sitzkomfort vorn150141135
Sitzkomfort hinten1007064
Ergonomie150132125
Innengeräusche503235
Geräuscheindruck1006163
Klimatisierung503733
Federung leer200130138
Federung beladen200125138
Kapitelbewertung1000728731

 

Motor und Getriebe

Im Astra verrichtet der aus dem Insignia bekannte Zweiliter-Common-Rail-Diesel mit 160 PS seinen Dienst, während im Golf ein hubraumgleicher, aber zehn PS stärkerer Common-Rail-Diesel für Vortrieb sorgt. Dank Overboost-Technik liefert das Opel-Aggregat kurzzeitig 380 Nm Drehmoment, während es der Golf bei 350 bewenden lässt. In den Fahrleistungen liegt der Golf jedoch deutlich vor dem Astra: 7,8 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h und 220 km/h Höchstgeschwindigkeit sprechen für sich. Die Opel-Werte: null auf 100 km/h in 9,0 Sekunden, die Spitze liegt bei 209 km/h.

Zudem reagiert der Golf etwas spritziger auf Gaspedalbefehle. Bei Bedarf schaltet das optionale Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) blitzschnell zurück. Die neue Sechsgangautomatik des Opel lässt sich bei zügiger Gangart mitunter zu viel Zeit für den Wechsel in die passende Fahrstufe, und bei gemäßigter Fahrweise sind leichte Schaltrucke spürbar.

Da entpuppt sich das VW-DSG als deutlich komfortabler. Doch ist es der Opel, der mit weicherem Verbrennungsgeräusch punktet. Im Testverbrauch fällt er aber mit 7,4 Liter Diesel klar hinter den Golf zurück, der 6,9 Liter verlangt.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf GTDOpel Astra 2.0 CDTI Ecotec
Beschleunigung150118109
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1506860
Getriebeabstufung1009080
Kraftentfaltung503532
Laufkultur1005153
Verbrauch325253241
Reichweite251514
Kapitelbewertung1000630589

 

Fahrdynamik

Auf dem Handling-Parcours gibt sich der Astra im „Sport“-Modus des „FlexRide“-Fahrwerks sehr agil. Mit geschärftem Ansprechverhalten von Motor und Lenkung umrundet er im Grenzbereich leicht untersteuernd den Kurs. Zwar spricht die Lenkung feinfühliger als die seines Vorgängers an, dürfte aber etwas mehr Fahrbahnkontakt vermitteln. Diese Übung beherrscht der Golf eindeutig besser. Auch setzt der Wolfsburger Lenkbefehle zackiger um und untersteuert an der
Reifenhaftgrenze etwas weniger als der Rüsselsheimer.

Beachtlich ist der Traktionsvorsprung, den der Golf GTD dank seines perfekt funktionierenden elektronischen Sperrdifferenzials XDS gegenüber dem Astra herausfährt. Dennoch hat auch der Opel ein hohes Fahrsicherheitspotenzial.

Obwohl seine Bremse etwas schlechter zu dosieren ist als die des Wolfsburgers, schafft der Rüsselsheimer die kürzeren Bremswege. Mit kalter Bremse steht er aus Tempo 100 schon nach 35,8 Metern (Golf: 36,1 Meter), mit warmer Anlage sogar schon nach 35,5 Metern. Der Golf benötig hier 36,7 Meter.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf GTDOpel Astra 2.0 CDTI Ecotec
Handling1508572
Slalom1006465
Lenkung1008582
Geradeauslauf504141
Bremsdosierung302018
Bremsweg kalt1508992
Bremsweg warm1508395
Traktion1003937
Fahrsicherheit150133130
Wendekreis20169
Kapitelbewertung1000655641

 

Umwelt und Kosten

Beim Grundpreis holt der Opel dank seines um über 4500 Euro niedrigeren Basistarifs kräftig Punkte. Da ist es durchaus zu verschmerzen, dass bei ihm Leichtmetallfelgen nicht serienmäßig sind wie beim Golf, sondern mit 900 Euro in der Aufpreisliste stehen.

Auch beim Wertverlust schneidet der Astra besser ab. Die Werkstattkosten für Wartung und Verschleißreparaturen schätzt der ADAC auf durchschnittlich 590 Euro pro Jahr bei vierjähriger Haltedauer und 80.000 km, während für den Golf nur 420 Euro zu berappen sind. Erfreulich: Die Versicherungseinstufungen und damit die Kosten fallen beim Opel zwischen drei und fünf Kaskoklassen niedriger aus als beim Golf.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf GTDOpel Astra 2.0 CDTI Ecotec
Bewerteter Preis675187214
Wertverlust502022
Ausstattung252011
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502818
Werkstattkosten201614
Steuer1087
Versicherung403235
Kraftstoff554140
Emissionswerte258688
Kapitelbewertung1000438449

 

Fazit

Kompliment nach Rüsselheim: Die Opelaner haben den besten Astra gebaut, den es je gab. Vor allem der Komfort und die faire Preisgestaltung überzeugen. Dass der Golf ihm nur knapp davonfährt, liegt an dessen stärkerem Motor und seiner exzellenten Fahrdynamik.

Eigenschaften, die in der getesteten GTD-Version aber auch teuer bezahlt werden wollen. Der geringe Punkteabstand schließt nicht aus, dass ein Test mit anderen Motorversionen anders ausgehen kann. Der Kampf um die Macht in der Kompaktklasse geht also weiter.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf GTDOpel Astra 2.0 CDTI Ecotec
Summe500030823020
Platzierung12

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