Bentley Mulsanne im Fahrbericht Bentley Mulsanne

10.08.2011

Selbst im noblen Mulsanne ist der schönste Platz hinterm Volant – das ist bei Bentley seit über 80 Jahren Tradition

Eckdaten
PS-kW513 PS (377 kW)
AntriebHinterrad, 8-Stufen-Automatik
0-100 km/h5.3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit296 km/h
Preis289.170,00€

Man muss tief in der Historie dieser Marke graben, um ihn wirklich zu verstehen, diesen Bentley. Oder sich im Fond hinten links – denn dieser Neuer Bentley Mulsanne in Pebble Beach vorgestellt ist ein Rechtslenker – niederlassen und sich von Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen durch Schottland chauffieren lassen. Der erzählt ebenso unterhaltsam wie kenntnisreich von der Übernahme durch Rolls-Royce 1931 und wie die Bentley-Modelle immer mehr zu reinen Rolls-Ablegern wurden. Erst als der Vickers-Konzern ab 1980 das Sagen hatte, nahmen die Bentley wieder Fahrt auf. Der Mulsanne von 1980, die Bentley- Version des Rolls-Royce Silver Spirit, wurde zum ersten Erfolgsmodell seit Jahrzehnten. Vor allem der preiswertere Eight und die späteren Turbo-Versionen trafen den Nerv der Bentley-Freunde. Bald überflügelten die Bentley-Verkäufe die Rolls-Royce-Stückzahlen.

 

V8 MIT 512 PS UND 1020 Nm

Nun sitzen wir im neuen Mulsanne von 2010 und gleiten über schottischen Landstraßen. Dr. Paefgen weiß über die Fahrwerksabstimmung der Luftfederung, die Phasenverstellung der einzelnen Nockenwelle im V8 und das optionale Naim-Audiosystem mindestens so viel wie über die historischen Modelle des W.O. Bentley.

Aber weil dieser Bentley nun mal ein Bentley ist und damit ein Fahrer- und kein Chaffeursauto, befindet sich der aufregendste Platz vorn rechts. Die ersten Kilometer erfordern volle Konzentration. Ein zwei Meter breites, 5,6 Meter langes und 2,6 Tonnen schweres Schiff auf der falschen Straßenseite über enge schottische Landstraßen zu pilotieren, ist auf Anhieb nicht so ganz einfach. Auch wenn man nicht jede Sekunde darüber nachdenkt, dass man gerade den Gegenwert eines Einfamilienhauses zwischen entgegenkommenden Bussen und heimtückischen Bordsteinen durchpfeilt.

Erst danach öffnen sich die Sinne für die Feinheiten des neuen Topmodells der Marke mit dem geflügelten B. Genau, das B auf der Haube: Es ist nur optional erhältlich, ist aber eine gute Peilhilfe, weil es genau die Mitte der Motorhaube und damit den linken Fahrbahnrand aus der Fahrerperspektive markiert. So mit Fahrschulwissen gerüstet, gewinnt die Fahrt im Mulsanne rasant an Leichtigkeit. Der 6 3/4-Liter-V8, wie der Motor in nobler Tradition heißt, hängt unauffällig, aber sehr aufmerksam am Gas. Er basiert auf dem alten Alu-V8, der seit den 60ern diversen Rolls- und Bentley-Modellen als Antrieb dient, ist aber so gründlich überarbeitet, dass man gern von einem neuen Triebwerk sprechen kann. Seine Nockenwelle trägt er immer noch unten im V. Und auf die Frage, wieso man nicht auf obenliegende Nockenwellen umgestellt habe, sagt Entwicklungschef Ulrich Eichhorn nur: „Wozu?“

Der Mann hat zweifellos Recht. Der Doppelturbo-Achtzylinder schüttelt seine 1020 Nm Drehmoment schon knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl so lässig von der Kurbelwelle, dass sich die Frage nach schnelleren Gaswechseln und höheren Drehzahlen gar nicht erst stellt. Wenn man das Gaspedal in der Auslegware versenkt, zeigt der Bentley seine zweite Natur: Er soll in 5,3 Sekunden auf 100 km/h preschen und wird, wenn man den Fuß lange genug unten lässt, 296 km/h schnell. Wenn es mal nicht so pressiert, ist der Achtzylinder bemüht, etwas Sprit und Kohlendioxid zu sparen: Vier Zylinder werden bei Teillast per Zylinderabschaltung stillgelegt. Dennoch ist der Bentley natürlich kein Sparwunder, aber 16,9 Liter pro 100 km und entsprechend 393 g CO2/km sind nicht ganz so schlecht.

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Was der Mulsanne noch zu bieten hat? Eine Menge. Das samtig ansprechende Luftfahrwerk, die ebenso direkte wie zielgenaue Lenkung. Und natürlich ein Interieur, wie es so handwerklich perfekt und unprätentiös stilvoll kaum ein anderer Automobilhersteller hinbekommt. Was natürlich auch den Preis verständlicher erscheinen lässt. Denn wer einmal gesehen hat, wie in Crewe Leder und Holz verarbeitet werden, glaubt gern, dass es fast 200 Stunden dauert, einen Mulsanne einzurichten. Und ein fertiges Auto dann mindestens 289 170 Euro kostet.

Nach dem Preis fragen richtige Bentley-Boys nicht. Das war schon so, als sie ihre Bestellungen noch beim Chef W.O. Bentley persönlich aufgaben. Schade, dass das nicht mehr geht. Aber womöglich muss man Franz-Josef Paefgen nur mal fragen.
Heinrich Lingner

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8-Zylinder, 2-Ventiler, Biturbo
Hubraum6750
Leistung
kW/PS
1/Min

377/513
4200 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
1020
1750 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe8-Stufen-Automatik
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: innenbelüftete Scheiben
Bereifungv: 265/45 ZR 20
h: 265/45 ZR 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)2585
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)5.3
Höchstgeschwindigkeit (km/h)296
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch16.9l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)393

Tags:
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