Ratgeber-Versicherung: Kfz-Versicherung für Elektroautos Kfz-Versicherer müssen sich auf E-Mobilität einstellen

19.09.2014

Die Zahl der Neuzulassungen bei Elektroautos ist weiterhin recht verhalten: Woran es liegt und warum sich Kfz-Versicherer trotzdem auf die neue Art des Antriebs einstellen müssen

Bis jetzt ist noch nicht viel von den hohen Zielen der Bundesregierung auf deutschen Straßen zu sehen: Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million Autos mit E-Motor auf heimischem Asphalt unterwegs sein. Doch die vor knapp zwei Jahren von der Kanzlerin formulierte Vorgabe wirkt im Moment eher unrealistisch, sind es doch nur noch sechs Jahre bis zum Stichtag.

Die Steigerungsraten von Neuzulassungen bei Elektroautos sind zwar imposant anzusehen, aber in den fixen Zahlen wirkt die aktuelle Menge der Gesamtzulassungen eher ernüchternd. Betrachtet man das Jahr 2009, waren in der Bundesrepublik gerade einmal 162 Kraftfahrzeuge mit Elektromotor zugelassen.

Im Jahr 2013 brachten hingegen bereits über 6.000 umweltfreundliche Autos Ihre Besitzer ans Ziel. Anfang 2014 waren es immerhin schon 12.156 Zulassungen. Doch selbst bei dieser Steigerungsrate dürfte es schwierig werden, die Millionengrenze zu knacken, sind weltweit doch erst 405.000 reine E-Mobile zugelassen. Im Verhältnis zu den circa 43 Millionen zugelassenen Kfz in Deutschland erscheinen die gut 12.000 akkubetriebenen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Besonderheiten bei der Versicherung marginal, aber wichtig


Die Kosten für eine Kfz-Versicherung setzen sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Die drei wichtigsten sogenannten „Klassen" sind hierbei die Typklassen, die Regionalklassen sowie die Schadenfreiheitsklassen. Je nachdem, wie ein Modell bewertet wird, errechnet sich der Beitrag. Die Bewertung von Elektroautos ist aufgrund von geringen Erfahrungswerten noch Neuland und weniger gut einstufbar als bei etablierten Baureihen. Die Tendenz für den Verbraucher entwickelt sich aber durchaus in eine positive Richtung.

Der Opel Ampera beispielsweise erhielt eine recht moderate Einstufung. Dies mag daran liegen, dass Halter von Elektrofahrzeugen, genau wie die eines Hybridautos, keine Raser oder anderweitig auffallende Verkehrsteilnehmer sind, sondern recht durchschnittlich agierende Fahrer. Die ähnliche Einstufung bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass sich über die Versicherung hier wenig oder kein Geld einsparen lässt. Die einzige Möglichkeit, die Prämie für ein E-Mobil zu drücken, führt über das Herz des Autos, den Akku. Läuft die ladbare Antriebsquelle über einen Leasingvertrag beim Händler, kann sie aus der Versicherung ausgenommen werden und führt so zur Verminderung der Prämie, da hiermit der größte technische Risikofaktor für einen Defekt ausgeschlossen ist.

Einen für die Versicherer negativen Punkt könnte die geringe Geräuschentwicklung der Motoren darstellen. Wenn andere Verkehrsteilnehmer das Fahrzeug schlechter wahrnehmen, steigt schließlich das Risiko für Unfälle. Positiv einzustufen hingegen ist, das Elektroautos mehrheitlich im Stadtverkehr unterwegs sind, in dem eher kleinere Unfälle passieren und schwere Schäden seltener sind als beim Fernverkehr. Die Aufgabe der Versicherer besteht nun in der Erhebung von Daten, um zukünftige E-Autofahrer fair und realistisch einstufen zu können. Je nach Entwicklung könnte es dann auch aus versicherungstechnischen Gründen lukrativer werden, ein E-Mobil zu fahren.

 

Hoher Kaufpreis und wenig staatliche Förderung vs. Steuerersparnis und geringere Betriebskosten


Zwar gibt es große Ziele, was die Nutzung von strombetriebenen Autos angeht, um diese aber zu erreichen, braucht es in Deutschland eindeutig mehr Anreize für Privatkäufer. Der Großteil der angemeldeten Elektrofahrzeuge steht im Fuhrpark von Firmen. Das Problem liegt in den immer noch sehr hohen Anschaffungskosten und der geringen staatlichen Förderung. Bei einem Neupreis von 38.000 Euro für den genannten Opel sind aktuell ungefähr 1.000 Euro Förderung nur ein kleiner Anreiz umzusteigen. Die Förderung ist zudem abhängig vom Bundesland und nicht überall verfügbar.

In anderen Ländern wie etwa Frankreich, Norwegen und den USA werden die Prämien überregional ausgeschüttet und liegen zwischen stattlichen 5.000 und 7.500 Euro. Experten und Industrie sehen hier nachholbedarf und fordern mehr staatliche Förderung in Deutschland. Momentan stehen den höheren Kosten in der Anschaffung eine sehr niedrige Kfz-Steuer und geringere Betriebskosten gegenüber. Für den ersten Punkt greift eine weitere staatliche Förderung: Autos mit geringen Emissionswerten werden steuerlich bevorteilt.

Die Steuer wird in Bezug zu den vorhandenen PS des Kraftfahrzeugs gesetzt – die Pferdestärken jedoch, die ein Elektromotor produziert, werden nicht berechnet. Somit geht die steuerliche Belastung gegen Null. Neben einem etwaigen Batterieleasing besteht der einzige laufende Posten aus den Kosten für die Versicherung. Der Verbraucher kann also bei der Abwägung zwischen Voll- und Teilkaskoversicherung – die Unterschiede werden hier erklärt – erwägen, die gesparte Summe in einen Rundumschutz zu investieren. Die niedrigen Betriebskosten resultieren offensichtlich aus der Art des Antriebs. Ein Mittelklasse-Elektroauto verbraucht 18 bis 20 kWh Strom auf 100 km und erzeugt dadurch Kosten von ungefähr fünf Euro.

Ein vergleichbarer Benziner verbraucht auf die gleiche Distanz Kraftstoff im Wert von ungefähr sieben Euro (beide Werte gemessen an aktuell durchschnittlichen Strom- und Benzinkosten). Bei einer Fahrleistung von 30.000 Kilometern/Jahr spart man so ganze 1.500 € an Kraftstoffkosten. Durch nicht vorhandene, wartungsintensive Bauteile wie Kupplung und Auspuffanlage sowie einen wegfallenden Ölwechsel, fallen auch die Werkstattkosten recht gering aus.

Aufgrund der vielfältigen finanziellen Vorteile eines Elektroautos lässt sich momentan nur schwer gegen den hohen Anschaffungspreis argumentieren. Man kann dennoch davon ausgehen, dass es im Jahr 2020 keine sechsstellige Anzahl an Elektroautos auf deutschen Straßen geben wird, sich aber die Entwicklung der letzten Jahre fortsetzen wird.

Bildrechte: Flickr Prise type 1 Opel AMPERA Raphael Desrosiers
CC 2.0 BY Bestimmte Rechte vorbehalten

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