Batterietechnik bei Tesla, Mercedes, BMW & Opel Brandgefährlich?

09.11.2013

Immer wieder tauchen Horror-Bilder von einem brennenden Elektroauto auf. Doch wie gefährlich ist die neue Batterietechnik wirklich?

Elektroautos sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Dieses Mal gab ein YouTube-Video dazu Anlass. In den USA brannte ein Tesla Model S lichterloh. Das fing ein Trucker-Fahrer mit der Handykamera ein und stellte sein Filmchen ins Internet. Und das sorgte für Furore. Schon wenige Stunden später rutschte die Tesla-Aktie in den Keller, und das Unternehmen verlor – zumindest kurzzeitig – zwölf Prozent seines Börsenwertes, immerhin drei Milliarden US-Dollar.

Zu Recht? Wohl kaum, aber es zeigt, wie sensibel der Markt reagiert, wenn es um die Sicherheit bei Zukunftstechnologien geht. Denn als Ursache galt hier die hohe Entzündlichkeit der Lithium-Ionen-Batterien, die bei modernen Elektroautos als Energiespeicher dienen. Über das, was wirklich passiert ist, klärt Tesla auf: Ein Tesla Model S rollte mit hohem Tempo über ein Metallteil, das kurz zuvor ein Schrott-Truck verloren haben musste. Durch die winklige Form des Eisenblechs entstand eine so starke Hebelwirkung, dass es sich mit einer Spitzenkraft, die einem Druck von 25 Tonnen entsprach, von unten ins Fahrzeug bohrte. Dabei riss es ein 7,5 Zentimeter großes Loch in den Fahrzeugboden und beschädigte die dort platzierte Batterie. Glück im Unglück: Der Fahrer konnte das Auto abstellen und aussteigen – ihm passierte nichts. Doch die Brisanz dieses Falls: Alle modernen Elektroautos speichern ihren Strom in Li-Io-Akkus. Sind also alle Elektroautos rollende Bomben? Gewiss nicht, aber die Energiespeicher sind nicht ganz ungefährlich. Denn hier lauert ein prinzipbedingter Nachteil: Lithium ist ein hochreaktives Alkalimetall, dass bei starker Erwärmung sogar brandgefährlich ist. Als Auslöser reicht schon ein Kurzschluss durch Zusammendrücken der Zellen oder Eindringen von Fremdkörpern.

 

GUT GESCHÜTZTER PLATZ IM AUTO?

Das wissen die Autobauer nur zu gut und nutzen für ihre Batterie-Packs unterschiedlichste Schutzsysteme. Diese reichen von einer thermischen Kontrolle samt aktiver Kühlung sowie einer Lade- und Entlade-Überwachung jeder einzelnen Zelle bis zur Panzerung der Batterien gegen äußere Einflüsse. Chevrolet und Opel integrieren bei ihren Modellen Volt und Ampera die Hochvolt-Batterie an den besonders geschützten Stellen im Mitteltunnel und vor der Hinterachse. Der Spezialstahl des Mitteltunnels und eine Stahl-Trägerplatte schützen die Batterie rundherum. Im Jahr2012 – kurz vor der ersten Auslieferung des Opel Ampera – wurde noch einmal an der Karosseriestruktur und den zusätzlichen Batterie-Sensoren nachgebessert. Das forderte die Straßenverkehrsbehörde der USA ein, weil es in einem Fall mit einem Chevrolet Volt Probleme gab: Erst Tage später nach einem schweren Seitencrash kam es in diesem Fall zum Batteriebrand. Beim BMW i3 sollen crashaktive Strukturen aus Aluminium an Vorder- und Hinterwagen die Batteriemodule schützen. Auch Nissan, Renault und VW platzieren ihre Stahlblechummantelten Lithium-Ionen-Batterien gut geschützt vor der Hinterachse ihrer Autos.

Tesla setzt dagegen auf ein eigenes Konzept und spricht vom Skatebord-Chassis. Im großflächigen Sandwichboden sind die einzelnen Batteriemodule untergebracht und von unten nur durch ein Blech geschützt. Damit entsteht eine große Angriffsfläche für mögliche Einschläge. Mercedes nutzt bei der B-Klasse Electric Drive genau diese Tesla-Batterie. Allerdings ist sie hier anders gepackt und aufwendiger geschützt als beim Model S. Doch bei allen Vorsichtsmaßnahmen bleibt immer ein Restrisiko. Aber auch Autos mit Verbrennungsmotor sind vor einem Brand nicht gefeit. Umfangreiche Versuchsreihen der DEKRA belegen, dass Elektrofahrzeuge mit Li-Io-Batterien im Brandfall mindestens genauso sicher wie Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb sind. Und die gespeicherte Energiemenge in einer Hochvoltbatterie ist derzeit noch deutlich geringer als die im Kraftstofftank.

Holger Ippen

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