VW Golf Variant 1.4 TSI im Einzeltest

Der Kombi Golf

Kompaktklasse-Kombis sind stets zu Diensten – sowohl den Außendienstlern der Telekommunikationsfirmen, der Getränkehersteller als auch Familienvätern, die zwischen Kita, Büro und Wochenend-Camping unterwegs sind

Eckdaten
PS-kW140 PS (103 kW)
AntriebFrontantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h9.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
Preis22.700,00 €

Dies schlägt sich, aller Van-Euphorie zum Trotz, in den Verkaufszahlen nieder. So konnte beispielsweise Opel vom aktuellen Astra Caravan bisher europaweit fast 330.000 Exemplare absetzen.

Bei VW glaubte man, das Segment der variablen Nutzfahrzeuge hauptsächlich mit Touran und Golf Plus abdecken zu können. Das Kombi-Terrain behandelten die Wolfsburger deshalb stiefmütterlich und bauten den bereits 1999 erschienenen, aber inzwischen angestaubten Golf IV Variant noch bis ins vergangene Jahr weiter. Seit Anfang Juni stellen die Niedersachsen ihrem aktuellen Kompakten nun den passenden Kombi zur Seite, der in den Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Sportline angeboten wird. Offenbar ein weiser Entschluss – bis jetzt gibt es bereits über 10000 Vorbestellungen.

Der auf der Bodengruppe des Jetta basierende VW Golf Variant wird im mexikanischen Puebla gebaut. Hinsichtlich seiner Eigenschaften erfüllt er aber europäische Ansprüche. So lässt das Platzangebot vorn wie hinten für diese Fahrzeugklasse keine Wünsche offen. Saubere Passungen und die Abwesenheit von Klapper- und Knistergeräuschen auf schlechten Straßen deuten darauf hin, dass die Wolfsburger Qualitätsvorgaben in Mexiko inzwischen offenbar eins zu eins umgesetzt werden.

Gegenüber dem Vorgänger ist der Neue 15,9 Zentimeter länger, hat 6,3 Zentimeter mehr Radstand und bietet zwischen 505 und 1495 Liter Gepäckraumvolumen (Golf IV Variant: 460 bis 1470 Liter). Weitere 55 Liter offerieren zwei Staufächer unter dem Ladeboden, die wertvolles Ladegut vor fremden Blicken schützen. Für noch mehr Stauvolumen steht auf Wunsch ein umklappbarer Beifahrersitz zur Verfügung (159 Euro bei Ausstattung Trendline, Serie bei Comfortline). Mit seinem Kofferraumvolumen bleibt der Golf Variant jedoch hinter seinem Konzern-Konkurrenten Skoda Octavia Combi zurück, der 580 bis 1620 Liter bietet. Dafür liefert VW gegen Aufpreis (1130 Euro) ein 1,36 mal 0,87 Meter messendes Panorama-Schiebedach aus Glas.

Die Motorenpalette besteht zunächst aus dem 1,6-Liter-Benziner mit 102 PS (ab 18875 Euro), dem 1,4 Liter großen „Twincharger“ mit Turbo- und Kompressoraufladung (TSI) in zwei Leistungsstufen mit 140 und 170 PS sowie den bekannten TDI mit 105 und 140 Diesel-PS. Zu den Benzinern gesellen sich im dritten Quartal dieses Jahres ein 1,4-Liter-Sauger mit 80 PS und eine reine Turboversion des TSI-Triebwerks mit 122 PS, die mit einem neuen, siebenstufigen Direktschaltgetriebe (DSG) gekoppelt werden kann.

Wer nicht als Vielfahrer auf Dieselaggregate abonniert ist, dürfte mit dem aufgeladenen, 140 PS starken TSI-Motor gut bedient sein. Er tritt aus dem Drehzahlkeller ebenso wie aus mittleren Drehzahlen energisch an. Dies ist seinem mustergültigen Drehmomentverlauf zu verdanken: Das maximale Drehmoment von 220 Newtonmeter liegt zwischen 1500/min und 4000/min an. Auch im oberen Drehzahldrittel glänzt der Motor mit Drehfreude, ohne dass es dabei an Laufruhe fehlt. Dass die Aufladung gekonnt abgestimmt ist, fällt auf der Autobahn auf, etwa wenn der Fahrer auch oberhalb der 160-km/h-Marke noch deutlich spürbare Beschleunigung feststellt und kaum glauben kann, dass hier nur 1,4 Liter Hubraum befeuert werden. Auch das Getriebe lässt weder in der Abstimmung noch in der Schaltpräzision Wünsche offen. Mit seinen Fahrleistungen (Sprint von null auf 100 km/h in 9,5 Sekunden, 205 km/h Spitze) empfiehlt sich der Golf Variant auch für Langstrecken. Der Testverbrauch von exakt neun Liter Super bleibt dabei im Rahmen. Wer Volllastetappen meidet, kommt auch mit einem Liter weniger aus, auf der Landstraße steht sogar eine sieben vor dem Komma.

Zum angenehmen Aufenthalt an Bord trägt der insgesamt gute Fahrkomfort bei. Trotz der montierten 17-Zoll-Räder samt Reifen im Format 225/45 R 17, die nur im Paket mit einem Sportfahrwerk und 15 Millimeter tiefer gelegter Karosserie erhältlich sind (ab 1057 Euro), glänzt die straffe Feder-Dämpfer-Abstimmung mit einem erstaunlich hohen Absorptionsvermögen. Speziell die Hinterachse filtert beispielsweise Anregungen von Kanaldeckeln oder Fahrbahnkanten weit geschmeidiger weg, als dies bei manch anderem Kombi-Konkurrenten der Fall ist, wo die Achse wegen der hohen Zuladungskapazität beim Fahren mit geringer Zuladung überdämpft wirkt und deshalb mitunter kräftige Schläge austeilt. Kleine Mängel: Folgen mehrere kurze Bodenwellen aufeinander, federt das Fahrzeugheck des Golf Variant zuweilen stark ein, und auch die Abrollgeräusche sind – speziell bei hohen Geschwindigkeiten – zu präsent.

Beeindruckend ist das hohe Fahrsicherheitspotenzial des kompakten Kombis. Zwar ist er beim Einlenken nicht ganz so agil wie die Kurzheck-Versionen, hat aber dank des Sportfahrwerks deutlich weniger Seitenneigung und stellt als moderater Untersteuerer seinen Fahrer nie vor Probleme. Auch die Tendenz zu Lastwechselreaktionen ist gering. Darüber hinaus hält sich für alle Fälle das serienmäßige elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) bereit. Die respektablen Bremsen (Kaltbremswert aus 100 km/h: 37,2 Meter, Warmbremswert 37,5 Meter) sowie die exakte Lenkung runden das positive Bild ab.

Damit wurde letztlich gut, was lange währte, auch wenn das Vergnügen nicht gerade billig ist. So sind 22700 Euro Basispreis für die getestete und erst ab der „Comfortline“-Aussttattung erhältliche TSI-Version kein Pappenstiel. Zwar gibt es beispielsweise bereits eine Klimaanlage, eine Geschwindigkeitsregelanlage und einen Bordcomputer serienmäßig, ein CD-Radio lässt sich VW aber ebenso extra bezahlen wie Nebelscheinwerfer oder eine Netztrennwand zum Schutz vor nach vorn fliegenden Gepäckstücken beim Bremsen.

Fazit

Es fällt nicht schwer, dem VW Golf Variant der nunmehr dritten Generation eine erfolgreiche Karriere und seinen Konkurrenten einen harten Gegner vorherzusagen. Er überzeugt als überaus ausgewogenes und funktionales Auto, das zudem einen hochwertigen Qualitätseindruck hinterlässt. Der kultivierte TSI-Motor ist für all jene eine Alternative, für die sich der Diesel nicht rechnet, die aber dennoch auf Durchzugskraft nicht verzichten wollen. Auch der Fahrkomfort wird, von geringfügigen Schwächen abgesehen, selbst hohen Ansprüchen gerecht. Das alles hat, wie bei VW üblich, seinen Preis. Dennoch steht außer Frage, dass die Wolfsburger mit einem solchen Kompaktklasse-Kombi schon viel früher hätten Geld verdienen können.

Elmar Siepen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW Golf Variant 1.4 TSI im Test

VW Golf Golf Variant 1.4 TSI

PS/KW 140/103

0-100 km/h in 9.50s

Frontantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 205 km/h

Preis 22.700,00 €