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Test - Renault Laguna 2.0 dCi

Mehrwert-Strategie

Mit dem neuen Laguna konzentriert sich Renault auf das Wesentliche: Mehr Qualität und hoher Gebrauchswert statt kühner Design-Eskapaden

Eckdaten
PS-kW150 PS (110 kW)
AntriebFrontantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h9.40 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Preis25.650,00 €

In ihr jüngstes Produkt setzen die Renault-Strategen viel Vertrauen. Der neue Laguna ist der erste – bis auf weiteres auch einzige – Renault mit einer Drei-Jahres-Garantie, begrenzt auf 150.000 Kilometer. Damit untermauern die Franzosen ihren ehrgeizigen Anspruch, mit dem Laguna unter den Top Drei der Mittelklasse zu landen, was Zuverlässigkeit und Kundenzufriedenheit betrifft.

Ob der Laguna tatsächlich das Zeug dazu hat, wird sich noch zeigen. Doch zumindest das erste Testexemplar – ein Laguna 2.0 dCi mit 150 PS – hinterlässt qualitativ einen durchweg positiven Eindruck. Hier klappert und knistert nichts, Hauben und Türen schließen passgenau mit sattem Klang. Sauber gefertigte Verkleidungen aus griffsymphatischen Materialen schaffen auch innen auf Anhieb viel Vertrauen. Nur der sich in der Scheibe spiegelnde Armaturenträger irritiert den Fahrer. Vorn hat man viel Platz auf großzügig dimensionierten Sitzen, die allerdings etwas mehr Schenkelauflage bieten könnten.

Das Lenkrad ist weit in zwei Richtungen verstellbar, sodass Fahrer nahezu jeder Statur eine passende Sitzposition finden. Dass man den Laguna innen nicht komplett neu erfunden hat, werden Umsteiger vom alten auf das neue Modell dankend zur Kenntnis nehmen, zumal der Vorgänger in der Bedienung einen guten Standard gesetzt hat. Auch mit dem aufpreispflichtigen, schnell kalkulierenden Navigationssystem (ab 1400 Euro) kommt man leicht zurecht, ohne sich in ein verschachteltes, integriertes Fahrzeug-Bedienungsmenü vertiefen zu müssen. Auf den ersten Blick gut gelöst scheint auch die Gestaltung der Tastatur für die Klimaautomatik (Serie ab Ausstattung Dynamique). Nur das Display ist zu klein und lässt sich kaum ablesen. Ebenfalls störend sind die recht langen Wege des zwar leichtgängig geführten, aber ziemlich klobigen Schalthebels.

Etwas knapp im Fond

Bei der Neugestaltung des Laguna setzten die Designer eher auf die konservative Linie. Doch besonders im Fond hätten die Karosserieschneider ruhig etwas großzügiger zu Werke gehen können. Großgewachsenen mangelt es an Kopffreiheit, für die Beine bleibt aber genügend Raum. So richtig bequem reist es sich hier dennoch nicht. Der Abstand der Sitzfläche vom Boden ist etwas zu klein, sodass die Oberschenkel nur wenig Unterstützung finden. Voll urlaubstauglich ist dagegen der über die breite Heckklappe optimal erreichbare Kofferraum, der 462 Liter fasst und sich nach Umklappen der geteilten Fondlehnen auf 1337 Liter erweitern lässt.

Da kann man sich die 1000 Euro Aufpreis für den Kombi Grandtour (maximal 1593 Liter Laderaum; ab 19. Januar beim Händler) schon fast sparen und bereits ab 19. Oktober zur Limousine greifen. Und die dürfte die potenziellen Kunden bereits auf der ersten Probefahrt nachhaltig überzeugen. Besonders der kultivierte Lauf des Zweiliter-Diesels in Verbindung mit der komfortablen Federung und den sehr gut gedämpften Abrollgeräuschen werden auch Kilometerfresser zu schätzen wissen. Doch der Laguna kann auch anders. Im Verein mit dem duchzugsstarken, drehfreudigen Selbstzünder lässt sich der Franzose sehr flink und agil durchs Kurvengeschlängel dirigieren.

Okay, ein wenig mehr Rückmeldung am Volant wäre schon wünschenswert, dennoch ist der Fortschritt zum eher watteweich abgestimmten Vorgänger deutlich spürbar. Dabei hat sich am Prinzip der Radführung (McPherson vorn, Verbundlenkerachse hinten) wie auch an der Bodengruppe nicht viel geändert, wohl aber an der Feinabstimmung, unter anderem mit verstärkten Stabilisatoren und direkter übersetzter Lenkung. Auch in puncto passiver wie aktiver Sicherheit spielt der Laguna in der ersten Liga. Neu sind der Brems-assistent, der schon Druck aufbaut, sobald der Fahrer abrupt vom Gas geht, sowie ein fein regelndes ESP der jüngsten Generation. So bringen den Laguna auch provokante Fahrmanöver kaum aus der Ruhe.

Lastwechselreaktionen sind ihm nahezu fremd, und die konstant fest zupackenden, leistungsfähigen Bremsen schaffen Vertrauen. Eine moderate Preisgestaltung (als 1,6-Liter-Benziner mit 110 PS ab 21300 Euro) und die umfassende Ausstattung (Klimaanlage, ESP, Fensterheber, Radio/CD) machen den Franzosen attraktiv.

Der Laguna 2.0 (140 PS, 22900 Euro) und der 2.0 Turbo inklusive Automatik (170 PS, 26850 Euro) komplettieren das Benziner-Angebot. Der 3,5-Liter-V6 (230 PS) kommt, wie der neue 3,0-Liter-V6-Diesel (über 220 PS), erst im Dezember 2008. Zum Marktstart am 19. Oktober sind der 1.5 dCi (110 PS, 22750 Euro) sowie ein 2.0 dCi mit 131 PS für 24750 Euro zu haben. Den getesteten Laguna 2.0 dCi mit 150 PS gibt es dann ebenfalls für 25650 Euro, mit Automatik für 28300 Euro.

Mit dem kraftvoll-kultivierten, rußgefilterten 150-PS-Diesel ist der Laguna rundum empfehlenswert, auch wenn der Testverbrauch mit 8,4 Liter auf 100 Kilometer etwas hoch liegt. Welche dauerhaften Werte sonst noch im Laguna stecken, wird sich zeigen.

Fazit

Basierend auf der Plattform des Vorgängers, ist Renault mit dem Laguna Nummer drei ein ungleich besseres Auto gelungen. Innen hat der Franzose nur geringfügig an Raum gewonnen, qualitative Fortschritte sind aber eindeutig spürbar. Auch beim Abroll-, Geräusch- und Federungskomfort hat der Mittelklasse-Renault zugelegt, ohne die Fahrdynamik zu vernachlässigen. Der kultivierte und durchzugsstarke 150 PS-Diesel rundet das positive Ergebnis ab, auch wenn der Verbrauch niedriger und die Schaltung besser sein könnte.

Jürgen Voigt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Renault Laguna 2.0 dCi

PS/KW 150/110

0-100 km/h in 9.40s

Frontantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 210 km/h

Preis 25.650,00 €