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Opel Agila 1.2 im Einzeltest

Deutsche Welle

Der neue Agila wirkt, als käme er direkt aus der Welt des Comics. Doch der deutsche Zwilling des Suzuki Splash ist ein ernsthafter Microvan

Eckdaten
PS-kW86 PS (63 kW)
AntriebVorderrad, 5 Gang manuell
0-100 km/h11.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
Preis13.700,00 €

Vor allem Kinder drehen sich um. Schmal und hoch kommt der Agila daher mit Scheinwerfern, die fast so überzeichnet wirken wie die Augen japanischer Manga-Figuren. Vergessen ist der mickrige Vorgänger im Kasten-Design, der wie das aktuelle Modell in Kooperation mit Suzuki entstand. Der neue Opel Agila, dessen japanischer Zwilling eindeutig inspirierter nach Badespaß klingend Splash heißt, macht formal die Welle.

Dieses positive Gefühl hält auch nach dem Öffnen der Türen an. Das blendende Blau, das sich im Testwagen über die Mittelbahnen der straff gepolsterten Sitze ergießt, muss man nicht mögen – man muss es aber auch nicht wählen, denn zum Glück gibt es ganz ohne Aufpreis auch gedeckte Farben. Doch das Platzangebot ist für ein nur 3,74 Meter kurzes Autos sehr ansehnlich, wobei es auch hinten wenig Grund zum Jammern gibt. Hier finden sich zwei vollwertige Plätze mit hoch genug reichenden Kopfstützen.

Bitte Ellbogen anlegen

Auf kurzen Strecken darf sogar noch jemand in die Mitte, wenn er verspricht, die Ellbogen anzulegen und nicht zu tief einzuatmen. Verschiebbare Sitze zur Vergrößerung des Beinraumes gibt es allerdings nicht – hier siegte der kaufmännische Rotstift.

Andererseits ist der Kofferraum ja ohnehin nicht der Größte: 225 Liter misst er im Normalfall, bei geklappten Rücksitzlehnen steigt der Wert auf 1050 Liter. Praktisch ist ein ausreichend großes Fach unter dem Ladeboden, das für 84 Euro durch eine Faltbox komplettiert werden kann. Verzurrösen gibt es, etwas kleinlich, für 36 Euro, ein Gepäckraumtrennnetz gar nicht.

Der Fahrer kann sich seinen Platz mittels Sitz- und Lenksäulenhöheneinstellung ausreichend auf Maß schneidern und genießt eine gute Rundumsicht. Wo der Agila vorn endet, ist jedoch allenfalls zu ahnen. Das ist beim Rangieren keine Freude und erfordert vorsichtiges Vortasten, das in der Regel aber mit Erkenntnisgewinn belohnt wird: Tatsächlich, er ist kürzer, als du denkst.

Ebenfalls nicht rundum geglückt: die unpraktisch schmalen Ablagen in den vorderen Türen, die beim Ein- und Aussteigen störend kleinen Ausschnitte der hinteren Türen, der bei jedem Gangwechsel klackende und gelegentlich störrische Schalthebel sowie der Piepton der Blinker. Er klingt so penetrant infantil wie die Hilfeschreie eines geknebelten Pokemons. Alle nicht-blinkenden Agila-Fahrer hätten Generalamnestie verdient.

Flott und wendig

Dafür ist vom Motor, einem 1,2-Liter-Vierzylinder von Suzuki, nicht allzu viel Unerfreuliches zu hören. Wer den Vierventiler bis über 6000 Touren auswringt, wird zwar mit angestrengtem Brummen bestraft, ist aber auch in nur 11,5 Sekunden auf 100 km/h und über dieser Marke nicht gerade rasant, aber doch flott unterwegs. Bei mittleren Drehzahlen läuft das Triebwerk unauffällig ruhig, aber auch – das dünne 114-Newtonmeter-Drehmoment lässt es ahnen – ohne große Ambitionen. Kein Grund für Stolz ist der Verbrauch: 7,7 Liter waren es auf der genormten Testrunde – 2,2 Liter über dem EU-Mix.

Einen Orden für mustergültigen Federungskomfort hat sich der Agila ebenfalls nicht verdient. Vor allem Fugen und kurze Wellen lassen ihn hoppelig wirken und so straff, als wolle er einen Sportwagen imitieren. Andererseits fördert diese Auslegung das Vergnügen in Kurven, die der Kleine zwar mit spürbarer Seitenneigung, aber willig absolviert. Und schlecht für die Fahrsicherheit ist sie auch nicht: Wer zu optimistisch in Kurven sticht, wird mit berechenbarem Untersteuern konfrontiert, das das ESP im Zweifelsfall souverän korrigiert. Gute Dienste leistet die Fahrdynamikregelung auch bei Vollbremsungen, die mit klassenüblichen Ergebnissen unter 40 Metern absolviert werden. Denn hierbei wird die Hinterachse so stark entlastet, dass der Agila gehörig ins Taumeln geraten kann.

ESP kostet allerdings extra – ebenso wie Kopfairbags. Das treibt den Preis des Opel Agila 1.2 Edition deutlich über 14000 Euro. Nicht eben günstig, zumal der Suzuki Splash ausstattungsbereinigt einige hundert Euro weniger kostet.

Fazit

Der Agila ist ein sympathischer Kerl. Seine Bauweise beschert ihm erstaunlich viel Platz, die Verarbeitung wirkt solide, die Ausstattung ist üppig, und die Unterhaltskosten sind erträglich. Er taugt zu mehr als nur zum Einkaufen, denn er ist auch reisetauglich. Man muss ihn sich allerdings leisten wollen, denn der baugleiche Suzuki Splash ist billiger.

Michael Harnischfeger

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Bilder: Opel Agila 1.2

Opel Agila 1.2

PS/KW 86/63

0-100 km/h in 11.50s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 175 km/h

Preis 13.700,00 €