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Maserati Quattroporte Automatica

Automatisch gut

Italienisch klingt einfach besser. Das galt für die Opernkomponisten des Barock, die ja für ihre Libretti nicht von ungefähr die italienische Sprache bevorzugten, und es gilt genau so für die Autobauer.

Eckdaten
PS-kW400 PS (294 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang Automatik
0-100 km/h6.00 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit270 km/h
Preis112.060,00 €

Bei Maserati etwa reicht es, ein Auto einfach nach der Zahl seiner Türen zu benennen: Quattroporte. Da schwingt schon ab Werk italienische Lebensart, Coolness und Modeneser Handwerks-Tradition mit, ganz ohne Marketing- und Namensfindungsagentur. Und das Beste daran: Maserati benutzt diesen Namen schon seit 1963 für seine viertürigen Produkte.

Nicht jedes Auto mit diesem Namen war freilich ein großer Wurf. Es gibt zum Beispiel gute Gründe, vom Kauf eines der 13 um 1974 gebauten Quattroporte II abzusehen. Die Verbindung einer Bertone-Karosserie, die wie eine misslungene Designstudie zum 5er-BMW der Baureihe E12 aussieht, mit der Plattform des Citroën SM samt Hydropneumatik und Frontantrieb ist nur etwas für wirkliche Hardcore-Maseratisten. Viel leichter fällt es dagegen, dem aktuellen Quattroporte zu verfallen.

Man muss dazu noch nicht einmal besonders exzentrisch oder italophil sein. Obwohl es natürlich hilft, sich mit dem ein oder anderen ungewöhnlichen Detail des wahrscheinlich schönsten Maserati seit dem legendären Ghibli anzufreunden – etwa den psychedelischen Farben des Navi-Displays, die auch auf einem Jefferson Airplane-Plattencover gut ausgesehen hätten, oder der eigenwilligen Zusammenstellung von hellem Holz, hellem Leder und düsterem Kunststoff im Quattroporte-Interieur.

Eine Eigenart aber, nämlich das ruppige Schaltverhalten des automatisierten DuoSelect-Getriebes, gehört jetzt nicht mehr dazu. Denn seit die Wahl des richtigen Ganges optional (ohne Aufpreis) einer Wandlerautomatik von ZF obliegt, fühlen sich auch komfortverwöhnte Insassen im Quattroporte wohl. Rund 90 Prozent der Käufer, so schätzt man bei Maserati, werden die Automatikversion ordern – was man schon nach kurzer Bekanntschaft mit ihr gern glaubt. Die unterschiedlichen Fahrprogramme lassen sich über Knöpfe im Lenkrad anwählen, die Schaltpaddel gibt es allerdings nur gegen Aufpreis (955 Euro, serienmäßig bei Sport GT).

Schade, denn gerade die manuelle Betätigung der Automatik bringt in der Zweitonnen-Limousine höchsten Fahrspaß, zumal das Komfortprogramm die Schaltstufen etwas zögerlich, die Sportstufe dagegen eine Spur zu hektisch wechselt. Eine sehr schnelle Luxuslimousine ist der Quattroporte jedoch auch, wenn man den Schalthebel einfach auf D schiebt und Vollgas gibt. Der 400 PS starke Maserati verfehlte zwar die Werksangabe von 0 auf 100 km/h (6,0 statt 5,6 Sekunden), doch Sound und Laufkultur des Achtzylinders lassen solch kleinliche Zahlenhuberei schnell vergessen.

Etwas Großzügigkeit ist auch beim Tanken des Quattroporte angesagt. Zwar liegt der Normverbrauch der Automatikversion rund einen Liter unter dem des DuoSelect (14,7 und 15,9 Liter Super Plus), doch unter 18 Litern kommt man selten weg. Da schluckt so mancher Interessent. Aber schließlich hat auch Fangio nicht nach dem Verbrauch gefragt, als er 1957 am Nürburgring in seinem Maserati 250 F die Ferrari bügelte.
Heinrich Lingner

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Maserati Quattroporte Automatica

PS/KW 400/294

0-100 km/h in 6.00s

Hinterrad, 6 Gang Automatik

Spitze 270 km/h

Preis 112.060,00 €