Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Good Vibrations

Good Vibrations

Exakt 100 CLK verwandelt AMG in einen echten Rennwagen. Glück hat, wer ihn nicht verpasst

Eckdaten
PS-kW582 PS (428 kW)
AntriebHeckantrieb, 5 Gang Automatik
0-100 km/h4.10 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit320 km/h
Preis236.060,00 €

Was geht denn hier ab? Ungläubig staunende Passanten, sobald der stimmgewaltige Mercedes CLK mit aggressiver Beplankung und riesigem Heckspoiler in der Stadt auftaucht. Aber wen wunderts: Auch wir haben uns erst einmal die Augen gerieben, als der Silberling auf dem Testwagenparkplatz eintraf. Einhellige Meinung: Der sieht ja rattenscharf aus. Aber das ist doch wohl kein Mercedes? So viel Mut zur Sportlichkeit hatte den Stuttgartern bislang niemand zugetraut. Da steht doch tatsächlich ein CLK mit aufgesetzten Kotflügeln, einem fast bis auf den Boden reichenden Frontspoiler, der zudem nur aus Lüftungsschlitzen zu bestehen scheint, und einem Leitwerk auf dem Kofferraumdeckel, das sonst nur im Rennsport Verwendung findet. Sportreifen von Dunlop und Seitenschweller runden das Bild ab. So wie er da vor uns kauert, hinterlässt er den Eindruck, als wolle er seine zur Schau gestellte Kraft jeden Moment freisetzen und den Asphalt aufreißen. Nichts wie den Schlüssel ergattern und den Innenraum entern. Das heißt: Möglichst gelenkig über die hohen Seitenbacken der Vollschalensitze schwingen und das Schirrzeug der Sechspunktgurte erst einmal über die diversen Begrenzungen des Gestühls legen. Bewundernder Rundumblick: Kohlefaser, wohin das Auge auch sieht. Aufgelockert wird das dunkel glänzende Material lediglich durch einige wenige Aluminiumeinlagen in der Mittelkonsole und die strahlend weiß hinterlegten Instrumente. Der Tacho reicht bis 360 km/h, der Drehzahlmesser läuft als digitales Leuchtband außen um das Zentral-Display - und dann gibt es noch zwei Rundinstrumente, die den Piloten über Wasser- und Öltemperatur informieren. Der schmale Streifen mit den Leuchtbalken für den Tankinhalt geht dabei quasi unter. Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht, ganz so, wie man es aus echten Rennwagen kennt. Zudem sind rechts und links hinter dem Kranz Wippen angebracht, mit denen geschaltet wird. An Stelle eines großen Wählhebels auf der Mittelkonsole ragt ein kleiner silberner Knauf aus der Kulisse und suggeriert bereits im Stand mehr Sportlichkeit, als man von einer Wandlerautomatik üblicherweise erwartet. Gut, genug gesehen. Jetzt heißt es anschnallen und den in der Mittelkonsole angebrachten Startknopf drücken. Der V8 mit seinen 582 PS erwacht tief knurrend zum Leben. Ein kurzer Tritt aufs Gaspedal, und aus dem dumpfen Sound eines ausgewachsenen Raubtieres wird der schrille Schrei eines Halbstarken. Wählhebel auf manuell, mit dem rechten Zeige- oder Mittelfinger kurz an der Wippe ziehen, und mit einem leichten Ruck rastet die erste Fahrstufe ein. Vorsichtig das Gaspedal niederdrücken - schon springt der DTM wie ein unruhiges Wildpferd nach vorn. Mit etwas Übung rollt der Über-CLK aber auch sanft los, wobei er leise grummelt. Dieser Ton zeugt aber eher von seinem Unwillen über eine zu verhaltene Gangart als von der Freude, sich endlich austoben zu können. Einige Kilometer später - nachdem wir schmerzhaft gelernt haben, erhöhten Kanaldeckeln auszuweichen, um den Frontspoiler nicht zu beschädigen, die Sportreifen ihre Betriebstemperatur erreicht haben und das notwendige Vertrauen in die Bedienung von Schaltung und Gaspedal hergestellt ist - darf der CLK zeigen, was er drauf hat. Das Gaspedal durchtreten und ab! Das darf doch nicht wahr sein, wie dieses Coupé noch vorn schnellt. In Windeseile zeigt der Tacho 100 km/h an. Gut, dass der digitale Tacho in der Mitte mitläuft. Bei dieser Beschleunigungsorgie bleibt kaum Zeit, auf die schlecht ablesbare Tachoskala zu schauen. Wer nicht rechtzeitig an der rechten Wippe zieht, um den nächsten Gang einzulegen, wird durch den komplett rot erleuchteten Tacho dazu aufgefordert. Dabei funktionieren die Gangwechsel so schnell und knackig, dass niemand auf die Idee kommen würde, eine Automatik zu bedienen. Das Ende der Geraden naht: bremsen und zurückschalten. Mit hörbaren Zwischengasstößen sucht das elektronische Management die ideale Drehzahl zum Gangwechsel. Puh: Das ist kein aufgebrezeltes Coupé, das ist ein reinrassiger Rennwagen. Dies belegen auch die Messwerte: 0 auf 100 km/h in 4,1 Sekunden, 0 auf 200 km/h in 12,0 Sekunden, eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h und standfeste Bremsen, die das Fahrzeug aus Tempo 100 nach lediglich 32,5 Metern zum Stillstand bringen. Da schwappt einem der Gehirnschmalz schon ab und an hin und her. Für eine solche Leistungsentfaltung ist der von etlichen Mercedes-Typen bekannte Kompressor-V8 zuständig. Klassisches Tuning verändert die Charakteristik des Antriebs jedoch gänzlich: Dazu gehören eine schärfere Auslassnockenwelle, ein auf 0,85 bar erhöhter Ladedruck, eine überarbeitete Auspuffanlage und ein Fächerkrümmer. Die größte Leidenschaft des DTM AMG ist aber kurviges Geläuf. Das Gewindefahrwerk scheint mit allen Widrigkeiten fertig zu werden, und die Lenkung arbeitet so direkt und feinfühlig, wie es besser nicht geht. Wer es darauf anlegt, kann Kurventempi erzielen, die sich jeder Vorstellungskraft für ein Straßenauto entziehen. Aber Vorsicht: Wenn die Reifen doch einmal ihre Haftung verlieren, bricht das Heck bei abgeschaltetem ESP heftig aus. Es stabilisiert sich zwar schnell wieder, weil die elektronischen Helfer nie ganz deaktiviert sind, aber dieser kurze Moment könnte schon zu viel gewesen sein. Wer es ruhiger angehen lassen will, kann zudem auf die gute Abstimmung bauen, die Bodenwellen gekonnt wegbügelt. Bei niedrigen Drehzahlen dringen jedoch Schwingungen bis in den Innenraum: Die wo so schön hat geprickelt in mein Bauchnabel. Ganze 100 Stück werden gebaut - viel zu wenig. Aber vielleicht kann man ja auch eine ähnliche C-Klasse entwickeln. Kunden mit dem nötigen Kleingeld gibts bestimmt genug. Also: Liebe Mercedes-Entscheider, baut uns noch so ein scharfes Auto.

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Mercedes CLK DTM AMG

PS/KW 582/428

0-100 km/h in 4.10s

Heckantrieb, 5 Gang Automatik

Spitze 320 km/h

Preis 236.060,00 €