Auto Einzeltest Lotus Evora
Der neue Sportwagen Lotus Evora im Einzeltest
Lotus Evora
Aus AUTO ZEITUNG 1 / 2010
Der neue Evora kommt mit Servolenkung, mehr Gewicht und auf Wunsch sogar mit Tempomat. Wirft Lotus damit die klassischen Sportwagen-Tugenden des spartanischen Leichtbaus über Bord?
| Eckdaten | |
|---|---|
| PS-KW: | 280 PS (206 kW) |
| Antrieb: | Hinterrad, 6 Gang manuell |
| 0-100 km/h: | 5.10 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit: | 261 km/h |
| Preis: | 59990 € |
Die Marke Lotus steht für Leichtgewicht und erstklassige Fahrwerke, eine Verbindung, die – das schätzen Kenner – in superber Fahrdynamik aufgeht und die eine der Konstanten der jüngeren Autohistorie ist. Und dann das: Unsere Messwaage vermeldet exakt 1401 Kilogramm Leergewicht für den vollgetankten Mittelmotor-Evora, so viel wie für einen gut ausgestatteten VW Golf. Das klingt nach Verrat am Erbe des Lotus-Gründers Colin Chapman, dem Leichtbau über alles ging.
Doch immerhin ist der neue Lotus Evora als 2+2-Sitzer ausgelegt, und die Kunststoffkarosserie spannt sich mit 4,34 Metern deutlich länger über das Alu-Chassis als etwa die des Lotus Elise (3,79 Meter). Die beiden hinteren Einzelsitze (Aufpreis: 3510 Euro) kann man aber allenfalls Vorschulkindern zumuten. Gewichtsfördernd dürfte auch der 280 PS starke 3,5-Liter- V6 von Toyota sein. Allerdings liegt das Leistungsgewicht trotzdem bei fünf Kilogramm pro PS und damit auf dem Niveau eines Porsche Cayman.
DEUTLICH MEHR KOMFORT
Und die gewachsenen Abmessungen haben durchaus Vorteile. Die Türausschnitte sind etwas größer als bei Elise und Co., und so erfordert der Zustieg zum engen Innenraum weniger Kunstturnerfähigkeiten. Hat man es sich einmal in den perfekt geschneiderten Schalensitzen bequem gemacht, fällt der Blick auf das schön verarbeitete Leder auf dem Armaturenbrett.
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Auch das übrige Interieur attestiert der kleinen Manufaktur im südostenglischen Hethel einen deutlichen Qualitätsfortschritt. Britische Schrulligkeiten bleiben aber Tradition, wie die Deaktivierung der Wegfahrsperre per Knopfdruck oder zahlreiche verdeckte Bedientasten. Auch das Radio-Navigationssystem vom Zulieferer Alpine ist kein Muster an Nutzerfreundlichkeit.
Im Leerlauf schafft der V6 eine derart unspektakuläre Geräuschkulisse, dass man sich am Steuer einer Mittelklasse-Limousine wähnt. Der Motor schiebt dann zwar ordentlich vorwärts, ein sportwagentypischer Biss fehlt ihm aber. Daran ändert auch die Sport-Taste, die das Ansprechverhalten schärfen soll, nur wenig.
Ab 3000 /min wechselt das Aggregat seine Tonlage, kräftiger Schub stellt sich erst 1000 Touren später ein, bevor bei 6600 /min drei rote Leuchten im Drehzahlmesser flackern und kurz vor Einsatz des Drehzahlbegrenzers zum Gangwechsel auffordern. Bei gedrückter Sporttaste sind 400 /min mehr drin. Nur 5,1 Sekunden von null auf 100 km/h und 261 km/h Spitze sind mehr als genug, der Verbrauch von 12,1 Liter Super auf 100 km ist klassenüblich.
Das Sportgetriebe mit kürzer übersetztem fünften und sechsten Gang (1800 Euro) benötigt hohe Handkräfte, schaltet aber präzise.
Die ersten Meter zeigen, dass der Evora zu einer gewissen Kultiviertheit gefunden hat. Man hört nicht mehr jedes einzelne Steinchen im Radkasten prasseln wie bei Elise und Exige, Wind-, Abroll- und Motorgeräusche sind besser gedämmt. Zwar bietet der Brite sportwagentypische Straffheit, federt aber recht sensibel an, was vor allem dem Langstreckenkomfort zugute kommt.
HOHE FAHRDYNAMIK
So wie man bei eiskaltem Rotwein vergeblich aufs Buket wartet, kann der Lotus Evora im tristen Stadt- oder Überlandverkehr seine Talente kaum entfalten. Erst auf kuvenreichen Landstraßen zeigen sich wieder die bekannten Lotus-Tugenden: das zackige Einlenken, das immens hohe Querbeschleunigungspotenzial, die superben Vierkolbenbremsen mit glasklarem Druckpunkt.
Der Lotus Evora bietet eine hohe Fahrsicherheit, den Rettungsanker ESP gibt es aber erst 2010. Bis dahin muss eine Antriebsschlupfregelung reichen.
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Die Lenkwinkel könnten etwas kleiner sein, dafür ist die Lenkung weniger stoßempfindlich als bei den anderen Modellen des Hauses. So bleibt die Erkenntnis, dass dieser Evora kein Verrat an Chapmans Erbe, sondern eine zeitgenössische Neuinterpretation des Sportwagenthemas ist.
Fazit - Elmar Siepen
Wir geben Entwarnung. Wer befürchtet, dass sich Lotus mit dem Evora in die Schlange der Boulevard-Criuser einreiht, wird angenehm enttäuscht. Der Evora ist nach wie vor ein echter Sportwagen mit hohem fahrdynamischen Potenzial. Dem Motor täte allerdings etwas mehr Sportsgeist gut.
Dass der Evora komfortabler als die anderen Modelle ist, fördert seine Alltagstauglichkeit. Allerdings haben die Briten auch beim Preis einen kräftigen Satz nach vorn gemacht – nicht nur deshalb wird dieser Lotus exklusiv bleiben.















































