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Daewoo Lacetti 1.6 SX

Preiswert?

Er trägt zwar einen italienischen Anzug, lässt aber ein wenig das südländische Temperament vermissen. Gut ausgestattet und preislich attraktiv wird der Koreaner dennoch seine Käufer finden

Eckdaten
PS-kW109 PS (80 kW)
AntriebFrontantrieb, 5 Gang Automatik
0-100 km/h11.70 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit187 km/h
Preis14.550,00 €

Keine Frage optisch macht dieser Koreaner einiges her: keine Spur von fernöstlichem Einheitslook. Doch Moment, gab es da nicht diesen Daewoo Nexia, mit dem alles anfing? Nein, bitte nicht daran erinnern, schallt das Protestgeschrei aus Seoul bis in europäische Gefilde. Lacetti heißt er, der Neue und ist das jüngste Designer-Kind von Giorgetto Giugiaro. Das ist jener in Ehren ergraute italienische Künstler, der anno 1974 bereits den allerersten Golf zeichnete. Auch Daewoo Matiz und Kalos tragen die Züge des Meisters. Und tatsächlich wer sich dem Lacetti von schräg hinten nähert, erkennt bevorzugt aus diesem Blickwinkel frische, unverbrauchte, ja sportliche Züge. Ein bisschen Alfa 147 schwingt da mit, auch ein Schuss Seat Leon, sogar ein Hauch Audi A3. 4,30 Meter weiter vorn bekennt sich der Koreaner zu seinen Wurzeln und blickt den Betrachter aus harmonisch geschwungenen Mandelaugen an. Hält dieser positive Eindruck auch nach dem Öffnen der serienmäßigen fünf Türen an? Ja und nein. Beginnen wir mit einem Ja, der Ausstattung zum Beispiel. Diese darf getrost als rund bezeichnet werden, denn in der von uns getesteten 1.6-SX-Variante mit 109 PS zählen Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Seiten-Airbags, fernbediente Zentralverriegelung, Isofix-Kindersitzbefestigung und ein Kassetten-Radio zum Serienumfang. Leider fehlen aber die anderswo obligatorischen Kopf-Airbags und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Beide Sicherheits-Details gibt es selbst optional nicht, hier hinkt das Designerstück dem Klassenstandard hinterher. Ein Ja, aber gebührt dem Innenraum. Dank des Radstands von 2,60 Metern finden alle Passagiere ausreichende Platzverhältnisse vor, allerdings geriet der Kofferraum mit 245 Litern (VDA-Norm) etwas knapp. VW Golf und Opel Astra kontern hier mit 350 und 380 Litern. Das klar gegliederte, schnörkellose Cockpit wartet mit Details wie Luftaustrittsdüsen a la Audi TT und einer aluminiumfarbenen Querspange auf. Bedienung und Anordnung aller Tasten, Schalter und Drehgriffe werfen keine Probleme auf, die Instrumente lassen sich bestens ablesen. Somit verdient die Ergonomie zu Recht das Prädikat tadellos. Hierzu passt das in Höhe und Körperabstand einstellbare Lenkrad, das wie der Schaltknauf in Leder gefasst ist. Apropos Schaltung: Diese gibt sich im Fahrbetrieb zwar ausreichend exakt, doch hinterlässt sie mit zu langen Wegen und knochig-mechanischem Anschlag einen zwiespältigen Eindruck. Auf dem Papier ein modernes Aggregat, wirkt der Motor in der Praxis etwas zugeschnürt. Zwar verfügt das 1,6-Liter-Triebwerk dank zweier oben liegender Nockenwellen, Vierventiltechnik und Schaltsaugrohr über zeitgemäße Antriebstechnik, doch sollte Daewoo versuchen, die Fahrleistungen noch zu verbessern und den Verbrauch etwas zu senken. Mit einem Wert von 9,1 Liter Super/100 km liegt der 1.6er zwar noch im Rahmen der Kompaktlimousinen, doch zeigt die anvisierte Konkurrenz a la VW Golf und Opel Astra, dass es besser geht. Der Mehrverbrauch lässt sich angesichts des Minderpreises dieses Fahrzeugs ein ähnlich ausgestatteter, 105 PS starker Opel Astra 1.6 kostet immerhin über 3300 Euro mehr verschmerzen, doch stellt der Daewoo in ökologischer Hinsicht kein Ruhmesblatt dar. Der nur nach Schadstoffklasse Euro 3 eingestufte Vierzylinder gibt sich in der Praxis etwas schlapp und verlangt zum bissigeren Antritt nach höheren Drehzahlen. Dann ermahnt der Antrieb den Fahrer mit einer anschwellenden Geräuschkulisse zu gemäßigterer (und dann auch kraftstoffsparender) Fahrweise. Auch leichte Brumm- und Dröhnfrequenzen bei hohem Tempo klassifizieren den Lacetti nicht zum Autobahn-König. Wechseln wir die Bühne und beleuchten die fahrdynamischen Qualitäten. Hier kann der Lacetti dem Wettbewerb Paroli bieten. Die Lenkung vermittelt ausreichenden Fahrbahnkontakt, in Kurven schiebt der Daewoo harmlos und gut kontrollierbar über die Vorderräder und beruhigt die Insassen mit untadeligem Eigenlenkverhalten. Mangels ESP können provozierte Lastwechsel das Heck ansatzweise zum Schwenk animieren - kritisch ist dies aber nie. Federungs- und Abrollkomfort erreichen ein hohes Niveau. Hier schlägt die Stunde des Lacetti. Wer mit dem Koreaner reisen statt rasen möchte, ist gut bedient. Jetzt wird auch klar, warum Daewoo in Sachen Zulassungszahlen prozentual die am stärksten wachsende Marke hierzulande ist. Wer ein preisgünstiges Auto ohne Hightech-Schnickschnack möchte, kann mit dem Lacetti, der über die Opel-Händler vertrieben und von ihnen gewartet wird, gut leben. Schließlich kann und will nicht jeder Premium bezahlen. Die mit angenehm langen Sitzflächen versehenen Vordersitze erfreuen übrigens durch straffe Polsterung und gute Einstellmöglichkeiten. Allerdings mangelt es ihnen ein wenig an Seitenhalt.

Fazit

In puncto Motor und Sicherheitsausstattung kann der Lacetti nicht recht überzeugen. Dafür glänzt er mit einem sehr guten Abroll- und Federungskomfort. Wenn die Koreaner ihrem gut verarbeiteten und ergonomisch ansprechenden Kompakten einen besseren Antrieb und ESP sowie Kopf-Airbags zumindest gegen Aufpreis spendierten, wäre der Lacetti noch mehr seinen Preis wert.

Dirk Vincken

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Daewoo Lacetti 1.6 SX

PS/KW 109/80

0-100 km/h in 11.70s

Frontantrieb, 5 Gang Automatik

Spitze 187 km/h

Preis 14.550,00 €