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Chrysler 300C Touring 5.7 HEMI AWD

Gelungene Architektur

Trotz seiner Größe imponiert der amerikanische Riese mit einer kraftvoll-dynamischen Silhouette. Doch auch seine inneren Werte überzeugen.

Eckdaten
PS-kW340 PS (250 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 5 Gang Automatik
0-100 km/h6.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preis54.750,00 €

Amerika ist bekannt fürs Klotzen statt Kleckern. Ob beim Auto oder beim Hausbau, stets wollen die Amerikaner hoch hinaus oder größer sein als andere. Das Empire State oder das Chrysler Building stehen dafür genauso wie die Lincoln-Town-Cars und die großen Bigblock-V8-Motoren. Auch der neue Chrysler 300C HEMI Touring entstammt dieser Philosophie. Der Chrysler Touring ist ein mächtiges Auto. Mit einer Länge von über fünf Metern und einer Breite von knapp 1,90 Metern fällt das Auto wahrlich aus dem Rahmen - und auf. Dieser Auffälligkeitsfaktor könnte bei einem Ferrari oder Lamborghini kaum größer sein. Egal wo man auftaucht, die Passanten drehen die Köpfe, an den Tankstellen hagelt es Fragen und es kommt zu Massenaufläufen. Das Design mit einem Monument von Kühlergrill und der lang gezogenen und nach hinten abfallenden Dachlinie, das dem mächtigen Auto etwas Katzenhaftes verleiht, kommt an. Doch beim Chrysler stimmt nicht nur die Show, sondern auch die Performance. Und das ist für amerikanische Limousinen durchaus neu. Angetrieben wird der 300C von einem 5,7 Liter großen HEMI-V8-Motor. HEMI steht dabei für in die Kolbenböden eingelassene Brennräume. 340 PS bei 5000 Umdrehungen mobilisiert das Aggregat und hält dabei ein maximales Drehmoment von 525 Newtonmetern bei 4000 Umdrehungen bereit. Wer dabei den richtigen Dialog mit dem Gaspedal pflegt, treibt die fast 2,1 Tonnen schwere Limousine mächtig vorwärts. In 6,2 Sekunden prescht der amerikanische Station Wagon von null auf 100 km/h. Erst bei 250 km/h endet der Vortrieb, elektronisch abgeregelt. So mancher BMW 7er- oder S-Klasse-Fahrer reibt sich verwundert die Augen, dass der Amerikaner nicht nur auf der Geraden schnell, sondern auch in Kurven äußerst flink unterwegs ist. Dafür sorgt ein Fahrwerk, das eindeutig auf die Bedürfnisse der europäischen Kundschaft abgestimmt ist. Das Klischee von Starrachse und Blattfedern hat hier ausgedient. Vorn verfügt der Chrysler über Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern und McPherson-Federbeinen, hinten kommt eine Mehrlenkerachse mit Querstabilisator und Schraubenfedern zum Einsatz. Die Komponenten stammen zum Teil aus der E-Klasse. Für gute Traktion sorgt beim AWD der permanente Allradantrieb. Die Zahnstangenlenkung allerdings ist nicht für flotten Fahrstil gedacht. Die Auslegung wirkt immer noch amerikanisch und um die Mittellage sehr unpräzise. Auch die Größe des Lenkrads erinnert eher an die eines Truck-Volants. Dennoch kann man mit dem Chrysler durchaus sportlich unterwegs sein. Dazu passen auch die Bremsen, die in Dosierbarkeit und Verzögerung überzeugen. Das Raumangebot korrespondiert mit der äußeren Größe, sodass auch großgewachsene Personen auf den vorderen und hinteren Plätzen gut untergebracht sind. Die Sitze erweisen sich auch auf längeren Stecken als bequem und ermüdungsfrei. Raum für Verbesserung bietet dagegen der Fahrkomfort. Bei kurz aufeinander folgenden Unebenheiten neigt das Fahrwerk zum Stuckern. Den Abrollkomfort charakterisiert hier eine gewisse Härte. Möglicherweise ist der Touring für höhere Beladung ausgelegt. Mit zunehmender Geschwindigkeit besonders auf langen Bodenwellen zeigt sich der Chrysler aber von seiner komfortablen Seite. In der Verarbeitung erinnert der Chrysler an die deutsch-amerikanische Freundschaft: Sie ist besser geworden, aber noch nicht so richtig liebevoll. Insgesamt wirkt der Chrysler zwar solide verarbeitet, doch das triste Grau der Oberflächen lässt wenig Emotionen aufkommen. Gelungen sind dagegen die weißen Zifferblätter der Instrumente, die nachts grün illuminiert sind. Doch die Blechstanzungen der vorderen Kotflügeleinfassungen um die Leuchten und so manche billig und lieblos verarbeitete Plastikblende stören das Bild. Allein Knister- und Klappergeräusche gibt es beim Chrysler nicht. Und immerhin setzt der 300C trotz seines tristen Ambientes einige edle Akzente. Teile des Lenkrads, der Schaltknauf und die inneren Türgriffe sind mit Schildpatt verziert. Die Außenspiegel und die äußeren Türgriffe sind verchromt. Auch die umfangreiche Serienausstattung kann überzeugen. Ledersitze inklusive Sitzheizung vorn, DVD-Navigationssystem mit integriertem Radio und Sechsfach-CD-Wechsler, Tempomat, Metalliclackierung, 18-Zoll-Leichtmetallräder, Xenon-Scheinwerfer mit Reinigungsanlage sowie Windowbags vorn und hinten stellen nur einen kleinen Teil der kompletten Serienausstattung dar. Zum Preis von 54.750 Euro (ohne Allrad: 52.450 Euro) gibt es jedenfalls von einem deutschen Hersteller keinen V8 mit vergleichbaren Dimensionen und dieser Ausstattungsgüte. Fast hätte man vergessen, dass man in einem amerikanischen Auto sitzt, wenn da nicht die ungehobelten Trinksitten wären, die man möglicherweise bei einem texanischen Barkeeper toleriert, aber nicht bei einem modernen V8. 17,3 Liter auf 100 Kilometern sind einfach zu viel des Guten. Und das vor dem Hintergrund, dass der Motor sogar über eine Zylinderabschaltung (Multi Displacement System, MDS) verfügt. Vier Zylinder werden im Teillastbereich abge-schaltet. Der Übergang ist für den Fahrer nicht spürbar. Ein BMW 745i, der auf ähnlichem Leistungsniveau liegt, genehmigte sich im Test 13,7 Liter - allerdings Super Plus. Der Chrysler begnügt sich mit Super. Aber vielleicht wäre der Chrysler sonst auch zu europäisch. Volker Koerdt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Chrysler 300C Touring 5,7 HEMI AWD

PS/KW 340/250

0-100 km/h in 6.20s

Allradantrieb, permanent, 5 Gang Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 54.750,00 €