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Begehrt und verehrt

Begehrt und verehrt

Neben Leistung und Fahrspaß baut Ford beim GT auf den legendären Ruf des GT 40 aus den 60er-Jahren. Ob sich der Kampf um eines der wenigen für Deutschland bestimmten Exemplare lohnt, zeigt ein direkter Vergleich mit dem Lamborghini Gallardo

Eckdaten
PS-kW549 PS (404 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h3.80 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit255 km/h
Preis150.000,00 €

Den Lamborghini Gallardo kennen wir jetzt schon seit über einem Jahr. Seine Karosserie ist windschlüpfig, keilförmig, kantig und entspricht damit den generellen Vorstellungen, wie ein moderner Sportwagen heutzutage auszusehen hat. Bei ihm mussten die Verantwortlichen auch nicht Traditionen mit ins Kalkül ziehen - sie verfügten über viel Spielraum bei der Interpretation eines rassigen Zweisitzers. Bezüglich des Ford GT hatten es die Designer nicht so leicht. In ihrem Lastenheft tauchte immer wieder der legendäre Ford GT 40 auf, der in den 60er-Jahren auf der Straße und als viermaliger Le Mans-Sieger Kultstatus erzielte. Die grandiose Silhouette des GT 40 musste also beibehalten, die Proportionen jedoch verfeinert und heutigen Vorstellungen angepasst werden. Was dabei in den so genannten Living Legend Design Studios in Dearborn entwickelt wurde, braucht sich vor dem Original GT 40 nicht zu verstecken. Hier passt alles. Allein der optische Auftritt des neuen GT ist mindestens genauso aufregend wie der seines berühmten Vorfahren. Ein langer vordere Überhang, gerundete Kotflügel, weit in das Dach gezogene Türen, das niedrige Heck mit den großen, runden Rücklichtern und dem Entenschwanz-Spoiler sprechen für sich. Die Proportionen stimmen, obwohl die Karosserie in allen Dimensionen gewachsen ist. Dieser Zuwachs kommt den Insassen zugute. Anders als früher herrscht nicht mehr das Gefühl, von Getriebe und Motor bedrängt zu werden, der GT bietet ausreichende Platzverhältnisse für nahezu alle Körpergrößen. Das Innenraumdesign stellt eine moderne Interpretation des Vorgängers dar. Die Schalensitze sind bequem und weit geschnitten und eher für einen Langstrecken-Trip denn für eine Fahrt auf der Rennstrecke gedacht. Doch die sieben Rundinstrumente vor dem Fahrer zeigen ein klares Bekenntnis zur sportlichen Gangart. So sitzt zum Beispiel nicht etwa der Tacho, sondern der Drehzahlmesser direkt im Blickwinkel des Fahrers. Fünf Aluminium-Kippschalter im Armaturenbrett sowie der Startknopf auf dem Mitteltunnel unterstreichen das sportliche Flair. Der Lamborghini Gallardo zeigt hier etwas mehr Zurückhaltung. Klar gegliederte Instrumente sowie logisch platzierte Schalter und Hebel lassen keine Zweifel bei der Bedienung aufkommen. Die Handschrift von Audi ist deutlich zu erkennen und für einen Traumwagen etwas zu bieder und schmucklos ausgefallen. Die Platzverhältnisse entsprechen in etwa denen des Ford, obwohl der Lambo kürzer und schmaler ausfällt. Dafür geriet sein Mitteltunnel nicht so voluminös wie der des GT. Der V10-Zylinder des Gallardo erwacht durch einen Dreh am Zündschlüssel mit einem heiseren Schrei zum Leben, der V8 des GT wird dagegen per Knopfdruck gestartet. Dies geschieht völlig unspektakulär: Kein Schreien, kein Fauchen, nichts - der V8 läuft einfach völlig ruhig vor sich hin, im Leerlauf mit niedrigen 700 Umdrehungen. Doch der Schein trügt. Hinter dem harmlosen Sound versteckt sich die gebündelte Kraft von 550 PS aus 5,4 Liter Hubraum, die bei 5250 Umdrehungen anliegen. Damit der GT die angepeilte Leistung auch erreicht, sitzt zwischen den Zylinderreihen ein Kompressor, der von der Kurbelwelle angetrieben wird. Wer das Spiel mit Kupplung und Gaspedal richtig beherrscht, kann den Ford mit diesem Triebwerk in nur 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen, die 200-km/h-Marke nach 12,6 Sekunden durcheilen und eine Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h erzielen. Die Schwierigkeit beim Anfahren besteht allerdings darin, einerseits die Kupplung nicht rutschen zu lassen, da sie sonst verbrennt, andererseits auch nicht zu viel Gas zu geben, da sich durch den Verzicht von Traktionshilfen und ESP ansonsten die hilflos durchdrehenden Hinterräder im Format 315/40 ZR 19 in Rauch auflösen - für Beobachter sicherlich ein beglückender Auftritt, für den örtlichen Reifenhändler allerdings auch. Mit solchen Problemen muss der Gallardo-Pilot nicht kämpfen. Dem Zehnzylindertriebwerk mit 500 PS und 510 Newtonmeter Drehmoment stehen Allradantrieb und ESP zur Seite. Zudem wird unser Testfahrzeug sequenziell über Wippen, also ohne Kupplungspedal geschaltet (E-Gear). So ausgerüstet katapultiert der Lambo-Pilot seine Flunder in 4,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 und in 13,9 Sekunden auf 200 km/h. Höchstgeschwindigkeit: 309 km/h. Dabei schreit der Gallardo seine Lebensfreude in die Landschaft, dass es eine Lust ist, ihn fahren zu hören. Auch der GT erhebt mit zunehmender Drehzahl seine Stimme, jedoch eher dumpf und gediegen. Im Innenraum ist davon leider überhaupt nichts zu hören - schade. Sportwagenfahrer wollen ihre Boliden schließlich nicht nur spüren, sondern auch hören. Der GT erweist sich als erstaunlich handlich und gutmütig. Aber er kann auch anders. Der hoch angesiedelte Grenzbereich vermittelt dem Fahrer eine gefährliche Sicherheit. Wird er überschritten, bricht das Heck heftig aus und verlangt dem Piloten höchstes fahrerisches Geschick und schnellste Reaktionen ab, um den Mittelmotor-Renner wieder abzufangen. Natürlich lässt sich dieser Effekt auch mittels Gaspedaleinsatz kontrolliert erreichen. Drifts in allen Winkeln sind möglich - ein absoluter Spaß für jeden, der dies im Griff hat. Obwohl der Lambo ebenfalls mit Mittelmotor bestückt ist, präsentiert er sich wesentlich braver. Dank Allradantrieb bleibt er nahezu immer neutral und geht im Grenzbereich eher zum Untersteuern über. Nur mit heftig provozierten Lastwechseln ist das Heck zum Ausschwenken zu bewegen. Erstaunlich, wie komfortabel der Ford ausgelegt ist. Im Gegensatz zu seinem italienischen Konkurrenten bügelt er Bodenwellen, zumindest lange, problemlos aus, und auch eine gewisse Seitenneigung in Kurven deutet auf eine weichere Abstimmung hin. Im Vergleich mit dem GT zählt der Gallardo schon fast zur Massenware. Ganze 4500 GT werden gebaut, 101 davon kommen nach Europa, nur 14 davon sind für Deutschland bestimmt. Wer einen ergattern möchte, muss sich in eine Warteliste eintragen. Der Gallardo ist auf keinen Fall schlechter als der Ford - es fehlt ihm allerdings der historische Hintergrund.

Fazit

Leider ist der Ford GT nur einem ganz kleinen Kreis von Interessenten vorbehalten. Er vermittelt genau das, was sich die Ford-Mannen von ihm versprechen: Tradition, Faszination und auf den heutigen Stand ge-brachte Fahrdynamik. Der Gallardo wirkt dagegen wie aus einer fernen Zukunft. Er bietet und kann alles, was ein Sportwagen heute können muss. Nur ist er noch keine Legende.

SWimmelbuecker

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Ford GT

PS/KW 549/404

0-100 km/h in 3.80s

Heckantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 255 km/h

Preis 150.000,00 €