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Audi A4 2.0 TFSI

Bayern-Kurier

Mit aufgefrischter Optik, verbessertem Fahrwerk und einem 200 PS starken 2,0-Liter-Turbo mit Benzindirekteinspritzung ist der neue A4 deutlich dynamischer

Eckdaten
PS-kW200 PS (147 kW)
AntriebFrontantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h7.40 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit241 km/h
Preis30.400,00 €

Was bei Menschen immer populärer wird, ist bei Automobilen längst die Regel: eine Attraktivitätssteigerung im fortgeschrittenen Alter. Während Menschen wegen störender Hautfältchen den Gang zum Schönheitschirurgen antreten, ist es in Bezug auf Automobile die Furcht vor sinkenden Verkaufszahlen, die zu Falten bei den Verantwortlichen führen können. Dies legt eine Auffrischung des Autos in optischer und technischer Hinsicht nahe. Zwar hat sich der bereits im Jahre 2000 eingeführte A4 stets gut verkauft im vergangenen Jahr reichte es gar für den fünften Platz in der Zulassungsstatistik. Mit gut 65000 Zulassungen blieb die A4-Baureihe in diesem Jahr aber bislang knapp hinter der Premium-Konkurrenz in Gestalt der Mercedes C-Klasse mit 77000 und des 3er-BMW mit 73500 Zulassungen. Das Facelift für das Modelljahr 2005 könnte die Verhältnisse zu Gunsten des Audi ändern. Dabei sind es weniger die neuen Front- und Heckpartien, die im Straßenbild nun deutlich ausdrucksstärker als das eher nüchterne Design des Vorgängers hervorstechen. Viel intensiver beeindruckt das Fahrgefühl, das aus den umfangreichen Modifikationen unter dem Blech resultiert. So macht der neue, 200 PS starke 2,0-Liter-Turbo-FSI aus dem A4 in dieser Leistungsklasse eine Limousine mit hohem Spaßpotenzial. Bereits bei 1800/min liegt das maximale Drehmoment von 280 Nm an - und bleibt bis 5000/min bestehen. In der Praxis tritt der Vierzylinder ab der 2000/min-Marke derart kräftig an, dass man sich am Steuer eines TDI wähnt. Aber dort, wo dem Selbstzünder für gewöhnlich die Puste ausgeht, nämlich knapp oberhalb der 4000/ min-Marke, zündet der Turbo die zweite Stufe und dreht der kontinuierlichen Einlassnockenwellenverstellung sei Dank noch lebhafter hoch. Erst bei 6900/min rennt er in den Drehzahlbegrenzer. Trotz zweier Ausgleichswellen ist der Vierventiler kein Ausbund an Laufkultur. Zwar bleiben lästige Dröhnfrequenzen aus, jedoch lässt das Aggregat über das gesamte Drehzahlband einen brummigen, gleichsam aber sportlich klingenden Ton verlaufen. Und stets dringen feine Vibrationen bis ins Lenkrad durch. Das breite nutzbare Drehzahlband ermöglicht es, den Schalthebel über weite Strecken ruhen zu lassen und auf der Drehmomentwoge zu gleiten. Ohnehin glänzt das Sechsgang-Getriebe zwar mit einer stets passenden Abstufung, die Schaltführung birgt aber noch Verbesserungspotenzial. Speziell das schnelle Herunterschalten vom fünften in den vierten Gang klappt nicht immer auf Anhieb. Die Fahrleistungen stehen demgegenüber außer Zweifel: Nach nur 7,4 Sekunden knackt der Bayer die 100-km/h-Marke, und erst bei 241 km/h ist das Beschleunigungspotenzial erschöpft. Auf der Verbrauchsrunde konnte der Benzindirekteinspritzer seine theoretischen Verbrauchsvorteile nicht herausstellen. So flossen auf 100 Kilometern 10,8 Liter des teuren Super Plus durch die Einspritzdüsen. Im Überlandverkehr aber, wo der Motor ausschließlich im Teillastbereich arbeitet, signalisiert der Bordcomputer Werte unter acht Litern. Tadellos verrichten die Bremsen ihren Dienst: Selbst mit heißer Anlage steht der A4 aus 100 km/h nach nur 36 Metern (Kaltbremswert: 36,5 Meter). Das Pedalgefühl mit klarem Druckpunkt sowie die Dosierbarkeit lassen keine Wünsche offen. Ausgesprochen harmonisch gerieten überdies Lenkung und Fahrwerk. Abgesehen von einer etwas gewöhnungsbedürftigen Leichtgängigkeit bei niedrigen Tempi überzeugt die Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten mit hinreichender Präzision und gutem Fahrbahnkontakt. Die Modifikationen am Fahrwerk Lager- und Stoßdämpfer-Dimensionierung stammen vom Audi A6, Trapezlenker und Radträger hinten sowie Spurstangen vorn vom Audi S4 schlagen sich in äußerst agilen, ja geradezu sportlich anmutenden Handlingseigenschaften nieder. Gesegnet mit spontanem Einlenkverhalten, umrundet der Bayer Kurven neutral, bevor das einsetzende Untersteuern vom ESP abgefangen wird. Ein gut kontrollierbar eindrehendes Heck beim Gaslupfen unterstreicht den Eindruck der Agilität. Sowohl die Seitenneigung bei Kurvenfahrt als auch die Neigung zu Pumpbewegungen der Karosserie auf welliger Fahrbahn fallen deutlich geringer aus als beim Vorgängermodell. In Sachen Federungskomfort entpuppt sich der A4 keineswegs als Sänfte. Dennoch gefällt die Feder-Dämpfer-Abstimmung mit einer Straffheit, die dem Leistungsvermögen der Limousine angepasst ist und lediglich bei groben Straßenunebenheiten schwächelt. Die Karosserie wirkt solide, und die Verarbeitung steht in der Tradition der bekannt hohen Audi-Qualität. Die Insassen sind gewohnt komfortabel untergebracht, wenngleich auch die Platzverhältnisse keineswegs üppig ausfallen ganz im Gegensatz zur Preisgestaltung. So kostet der Audi A4 mit 2,0-Liter-TFSI-Motor 30400 Euro. Darin enthalten sind zwar schon Details wie zum Beispiel Alu-Räder, Klimaautomatik, ESP und Kopf-Airbags, ein CD-Radio kostet aber immerhin 750 Euro Aufpreis. Mit weiteren Extras sind 40000 Euro schnell erreicht. Die neue Dynamik hat also ihren Preis.

Fazit

Während sich ein Facelift in vielen Fällen auf oberflächliche optische Retuschen beschränkt, haben die Audi-Ingenieure dem A4 eine intensive Frischzellenkur verpasst, die den Charakter der Mittelklasse-Limousine neu definiert. Zur bekannten Solidität des Vorgängers gesellt sich nunmehr ein gerütteltes Maß an Fahrdynamik hinzu. Die mäßige Motorlaufkultur geht da als Schönheitsfehler durch.

Elmar Siepen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Audi A4 2.0 TFSI

PS/KW 200/147

0-100 km/h in 7.40s

Frontantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 241 km/h

Preis 30.400,00 €