Alfa Romeo 159 Sportwagon 2.4 JTDm 20V im Einzeltest

Dressman in Aktion

Dieser Alfa Romeo wäre kein typischer Italiener, wenn ihm gutes Aussehen nicht wichtig wäre. Der 159 Sportwagon ist zwar ein Kombi, doch Eleganz und Dynamik zählen hier mehr

Eckdaten
PS-kW200 PS (147 kW)
AntriebFrontantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h8.60 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit228 km/h
Preis33.150,00 €

Das ist einer für den Laufsteg. Musik bitte, kurze Drehung, mal zwei Meter nach links, nun die kurze Drehung, schöner Abgang. Achten Sie auf das Hinterteil, meine Damen. Und jetzt der Beifall, bitte. Ja, der Alfa Romeo 159 Sportwagon ist der Dressman unter den Kombis, und manche Liebhaber der Marke sagen, damit sei der wahre Zweck dieses Autos bereits erfüllt. Doch dann kommen die Leute mit dem Bandmaß und fragen nach schnöden Alltagsqualitäten. Schon wird alles etwas schwieriger. Zum Kofferraum also, zur praktischen Seite eines Kombis. Ein Blick ins Datenblatt, ein Blick in die Messergebnisse und die Rundumschau im Innenraum klären schnell auf: Maximal 1235 Liter Ladevolumen fasst der 4,66 Meter lange schöne Italiener, das reicht allemal fürs feine Ledergepäck, die Chianti-Kartons und auch die Sporttaschen der ganzen Familie. Allerdings bieten gängige normale Mittelklasse-Kombis bis zu 50 Prozent mehr Volumen. Zum Beispiel der Opel Vectra Caravan: 1850 Liter. Und leider lässt sich schweres Gepäck nur mit Mühe über die 76 Zentimeter hohe und dahinter gut 20 Zentimeter tiefe Ladekante ins außerdem recht schmal geschnittene Heckabteil des Alfa wuchten. Alfisti wird das natürlich nicht übermäßig stören, zumal sich der Sportwagon genauso schnittig fährt, wie er aussieht. Speziell auf kurvigen Straßen fühlt er sich richtig wohl. Seine Lenkung, angenehm im Rückstellmoment und präzise in der Umsetzung, bereitet da die erwartete Freude. Lediglich die Lenkwinkel selbst könnten etwas kleiner ausfallen. Das Fahrwerk überzeugt mit nur geringer Untersteuertendenz, bei bewusst eingeleiteten Lastwechseln fallen die Reaktionen des Autos moderat und jederzeit - auch mit ausgeschaltetem ESP - beherrschbar aus. Die Abstimmung von Federn und Dämpfern bezeichnen wir als straff, aber keineswegs unkomfortabel. Mal abgesehen von einer gewissen Neigung zum Stuckern auf kurzen Bodendellen. Straff sind auch die vielfältig einstellbaren Vordersitze, sie bieten aber gerade für größer Gewachsene keine wirklich zufrieden stellende Sitzposition, weil hier die Sitzfläche vorn zu früh abfällt. Auch dürfte der Seitenhalt der Feauteuils etwas deutlicher ausfallen. Und bei der Verarbeitung im Innenraum muss man einige Zugeständnisse machen: Die im Testwagen zu nachlässig eingepassten Kunststoffteile, leicht versetzt eingebaute Alu-Blenden und nicht ganz ebenflächig montierte Schalter lassen erkennen, dass der angestrebte hohe Serien-Qualitätsstandard hier noch nicht erreicht war. Insgesamt aber vermittelt die verwindungssteife Karosserie jederzeit einen soliden Eindruck. Allerdings auch einen schweren. Kein Wunder, mit dem Leergewicht von 1,7 Tonnen übertrifft der Sportwagon den größeren Opel Vectra 1.9 CDTI um 52 Kilo. Die optische Leichtigkeit des Alfa findet in der Substanz also nicht statt. Dennoch hatte der mit einem 2,4 Liter großen Dieselmotor ausgestattete Testwagen mit der Massenträgheit leichtes Spiel. Von einer leichten Anfahrschwäche abgesehen, wuchtet der 200 PS starke Fünfzylinder den Alfa kraftvoll nach vorn. Unter 2000 Touren tut sich noch nicht viel, doch darüber geht mächtig die Post ab. Erst oberhalb von 4000 /min kündigt sich das baldige Ende des Drehzahlbands an. Und so vergehen auch nur 8,6 Sekunden, bis Tempo 100 anliegt. Apropos 8,6, das ist auch der Testverbrauch in Litern. 33150 Euro kostet der Sportwagon 2.4 JTDM in der Grundausstattung Progressive, die bereits Klimaanlage, Lederlenkrad und 16 Zoll große Leichtmetallräder beinhaltet. Dirk Vincken

Fazit

Echte Alfisti werden sich weder vom knapp geschnittenen Ladeabteil oder der noch verbesserungswürdigen Verarbeitung abschrecken lassen. Das haben sie noch nie getan.Aber auch alle anderen potenziellen Käufer bekommen mit dem neuen Alfa-Kombi ein stilistisch äußerst gelungenes und fahrdynamisch tadelloses Fahrzeug, das viel Spaß bereiten kann. Lenkung, Motor und Fahrwerk verraten, dass die Italiener ernst zu nehmende Autos zu bauen verstehen. Und wer bei einem Kombi Wert auf Schönheit legt, wird den Alfa Romeo 159 Sportwagon immer in seine engere Wahl ziehen.

Dirk Vincken

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Alfa Romeo 159 Sportwagon 2.4 JTDm 20V

Alfa Romeo 159 Sportwagon 2.4 JTDm 20V

PS/KW 200/147

0-100 km/h in 8.60s

Frontantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 228 km/h

Preis 33.150,00 €