Duell der Praktiker Duell der Praktiker

12.01.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Flexibler Innenraum und hoher Nutzwert: Die Stärken von Mercedes B-Klasse und VW Golf Plus liegen eindeutig in ihrer Vielseitigkeit, ohne dabei übertriebene Van-Designelemente zu übernehmen. Wie sich die beiden Kompaktklasse-Modelle im Test schlagen, klärt unser Vergleich.

Sie lassen sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Gemeint sind die beiden Crossover-Modelle Mercedes B-Klasse und VW Golf Plus. Letzterer füllt die Lücke zwischen dem herkömmlichen Golf und dem Kompaktvan Touran. Geht es nach den Marketingstrategen von Mercedes, kann man auch die B-Klasse nicht so recht der gewöhnlichen Kompaktklasse zuordnen. Aus diesem Grund tauften sie ihr Auto vollmundig "Compact Sports Tourer". Beide Hersteller wollen mit gutem Raumangebot und weiteren funktionellen Ideen universell nutzbare Allround-Fahrzeuge anbieten, dabei aber den Bus-Charakter eines Vans vermeiden. Die Testkandidaten treten in den 115 PS starken Benzinversionen an. Mercedes B 170 oder VW Golf Plus 1.6 FSI – welcher erfüllt die Alltagsaufgabe am besten?

 

Karosserie

Obwohl die B-Klasse den Golf Plus in allen Außenabmessungen übertrifft, kehren sich die Vorzeichen innen um. So finden die Passagiere im VW vorn ein luftigeres Raumangebot vor mit mehr Bewegungsfreiheit für Kopf und Schultern. Zwar herrscht auch im Mercedes kein Platzmangel, doch geht es beengter zu. Schuld daran ist vor allem das massiv bauende Cockpit, das zusammen mit der ausladenden Mittelkonsole weit in den Innenraum hineinragt. Zusätzlich bietet die Armauflage zwischen den Vordersitzen wenig Spielraum für die Ellenbogen. Im Fond hat der Mercedes dagegen Vorteile, wenn auch die starken Dacheinzüge subjektiv ein eingeschränktes Raumgefühl vermitteln. Bei der Variabilität trumpft der Golf Plus mit einer asymmetrisch geteilten Rückbank auf, deren Teile sich einzeln um bis zu 16 Zentimeter in Längsrichtung verschieben und zusammenklappen lassen. Wird allerdings der doppelte Gepäckraumboden für 154 Euro nicht gleich mitbestellt, entsteht beim Umklappen eine unpraktische Stufe. Die B-Klasse hat nicht nur die geteilte Rückbank, sondern auch einen auf zwei Ebenen einstellbaren Ladeboden an Bord. Doch findet man hier, wenn auch nur in kleinerer Form, ebenfalls eine störende Stufe vor. Bis unter das Dach schluckt der Golf Plus 1450 Liter Ladevolumen, die B-Klasse 1645 Liter. Darüber hinaus ermöglicht das optional erhältliche Easy-Vario-System (298 Euro) beim Schwaben den Ausbau des umklappbaren Beifahrersitzes und der Sitzbank im Fond. So sammelt die B-Klasse fleißig Punkte, zumal dann der Stauraum auf stattliche 2245 Liter Volumen wächst. Unverschämt ist hingegen die weitere Aufpreispolitik. So lässt sich das Lenkrad lediglich in der Höhe einstellen, die axiale Einstellmöglichkeit kostet 161 Euro extra. Auch für Kopfairbags verlangt Mercedes immer noch unzeitgemäße 268 Euro. Wie es besser geht, beweist der VW. Hier gibt es beide Extras serienmäßig.

KarosserieMax. PunkteVW Golf Plus 1.6 FSIMercedes B 170
Raumangebot vorn1007371
Raumangebot hinten1006267
Übersichtlichkeit704542
Bedienung/ Funktion1009292
Kofferraumvolumen1003757
Variabilität1004550
Zuladung/ Anhängelast803228
Sicherheit1509086
Qualität/ Verarbeitung200186185
Kapitelbewertung1000662678

 

Fahrkomfort

Bleiben wir an Bord und überprüfen den Sitzkomfort. Die straffen Polster im Mercedes offerieren einen guten Seitenhalt, allerdings auch wenig Oberschenkelauflage. Zudem sorgt der hoch liegende Boden in Sandwich-Bauweise für eine ungewohnte Sitzposition mit fast ausgestreckten Beinen. Das ist auf Dauer ermüdend. Angenehmer reist man im VW, dessen ebenfalls straffes Mobiliar neben guter Schenkelauflage eine entspanntere Haltung ermöglicht. Gleiches gilt für die zweite Reihe. Hier trägt die hoch positionierte Rückbank samt integrierter Lehneneinstellung zum bequemen Reisen bei, während es im Mercedes wiederum an Beinauflage mangelt. Deutlich mehr überzeugt der Schwabe beim Federungskomfort. Sein Fahrwerk federt geschmeidig, filtert Querfugen wie Bodenwellen gekonnt und begeistert mit sehr leisen Abrollgeräuschen. Mit einer maximalen Zuladung von 427 Kilo neigt die B-Klasse allerdings auf derben Unebenheiten zum Durchschlagen. Diese Tendenz zeigt auch der VW, der bis zu 494 Kilogramm mitnimmt und recht stramm und stellenweise hölzern federt. Zwar hat der Wolfsburger – beladen wie unbeladen – geringere Komfortreserven, doch legt er selbst auf schlechten Wegen wesentlich weniger Wankbewegungen an den Tag.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf Plus 1.6 FSIMercedes B 170
Sitzkomfort vorn150127120
Sitzkomfort hinten1007563
Ergonomie150132130
Innengeräusche502324
Geräuscheindruck1006560
Klimatisierung502434
Federung leer200136144
Federung beladen200132138
Kapitelbewertung1000714713

 

Motor und Getriebe

Exakt 115 PS leistet sowohl der Mercedes B 170 als auch der VW Golf Plus 1.6 FSI. Während die Stuttgarter auf herkömmliche Zweiventil-Technik vertrauen, setzen die Wolfsburger beim Antrieb auf Vierventiler mit Benzin-Direkteinspritzung. Das spezielle Verbrennungsprinzip soll zusammen mit dem hohen Verdichtungsverhältnis von 12,0:1 für einen höheren Wirkungsgrad bei gleichzeitig niedrigem Verbrauch dienen. Im Fall des 1,6-Liter-FSI geht die Rechnung sogar auf. Dank seiner präzisen Sechsgangschaltung mit passender Getriebeabstufung gibt sich der Motor lebhafter als das etwas hubraumstärkere Triebwerk im Mercedes. Selbst hohe Drehzahlen scheut der laufruhige FSI nicht, diese benötigt er allerdings auch zur Leistungsbereitschaft. Der B 170 glänzt dagegen mit einer gleichmäßigen, wenn auch unspektakulären Kraftabgabe. Dafür kann er wiederum sehr schaltfaul gefahren werden. Das ist auch gut so, denn die Fünfgang-Box arbeitet etwas knochig. Zwar können beide Motoren aus den 1,4 Tonnen schweren Testwagen keine Temperamentbündel machen, doch reichen die Sprintwerte (0 bis 100 km/h) von 10,9 (VW) und 11,7 Sekunden (Mercedes) vollkommen aus, um zügig im Verkehr mitzuschwimmen. Die hohen Karosserieformen mit ihren großen Stirnflächen fordern allerdings deutliche Kompromisse beim Verbrauch: Der liegt sowohl bei der B-Klasse mit 9,6 Litern als auch beim Golf Plus mit 8,9 Litern recht hoch.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf Plus 1.6 FSIMercedes B 170
Beschleunigung150126118
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1505954
Getriebeabstufung1008482
Kraftentfaltung502018
Laufkultur1006865
Verbrauch325176168
Reichweite25109
Kapitelbewertung1000543514

 

Fahrdynamik

Sportfahrzeuge sucht man in diesem Segment eher vergebens. Trotzdem müssen auch diese Autos ein Höchstmaß an aktiver Sicherheit bieten. Dabei zeigen sich schon auf den ersten Metern einer kurvenreichen Strecke Unterschiede. So arbeitet die elektro-mechanische Servolenkung im Mercedes zwar mit großen Lenkwinkeln, folgt aber ihrem Auftrag präzise. Noch etwas exakter setzt die nach dem gleichen Prinzip funktionierende Lenkung im Golf Plus die Lenkbefehle um. Der VW fährt sich überraschend agil und erreicht auf dem Handlingparcours wie auch bei der Hatz um die Slalompylonen die schnellsten Zeiten. Kurven nimmt er nahezu neutral bis leicht untersteuernd und bleibt selbst bei ausgeschaltetem ESP absolut gutmütig. Das ESP des Mercedes ist dagegen nicht abschaltbar und hält ihn sicher auf Kurs. Hat die B-Klasse ihren Grenzbereich erreicht, bremst das System sanft ein und gewährt viele Freiheiten. Dafür könnte der Warmbremswert (38,4 Meter) besser sein. Der VW dagegen kommt bei den Vollbremsungen aus 100 km/h – kalt wie warm – nach gut 36 Metern zum Stillstand.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf Plus 1.6 FSIMercedes B 170
Handling1505448
Slalom1004235
Lenkung1007775
Geradeauslauf503937
Bremsdosierung301916
Bremsweg kalt1508791
Bremsweg warm1509066
Traktion1003836
Fahrsicherheit150141138
Wendekreis20157
Kapitelbewertung1000602549

 

Umwelt und Kosten

Mit der zum Januar eintretenden Mehrwertsteuererhöhung kostet der Golf Plus 1.6 FSI in der Basisversion 20184 Euro, der B 170 gleich 24455 Euro – stolze 4271 Euro mehr. Das bedeutet aber nicht, dass der hohe Preis auf eine wesentlich bessere Ausstattung schließen lässt. Im Gegenteil, denn bis auf die in der B-Klasse vorhandene Klimaanlage liegen beide bei der AZ-Normausstattung gleichauf. Ein anderes Bild zeichnet sich beim Wiederverkauf ab. Während das Duo prozentual dichtauf liegt, wird der nominell zu erwartende Wertverlust für den Mercedes – bedingt durch den teuren Anschaffungspreis – natürlich höher prognostiziert. Auch in den weiteren Disziplinen schneidet der VW besser ab und glänzt mit günstigeren Kosten für Wartung, Versicherung, Kraftstoff und Kfz-Steuer.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf Plus 1.6 FSIMercedes B 170
Bewerteter Preis675257221
Wertverlust502724
Ausstattung2576
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502827
Werkstattkosten201614
Steuer1099
Versicherung403534
Kraftstoff553634
Emissionswerte258686
Kapitelbewertung1000501455

 

Fazit

Der VW Golf Plus spielt mit seinen guten Allroundeigenschaften die Rolle des vielseitigen Transporters und gewinnt verdient. Besonders hervorzuheben sind das agile und narrensichere Fahrverhalten sowie der drehfreudige Benzin-Direkteinspritzer. Außerdem bleiben bei dem preisgünstigen Wolfsburger auch die Unterhaltskosten in einem überschaubaren Rahmen. Die Stärke der teuren Mercedes B-Klasse liegt vor allem in ihrer hohen Variabilität. Ein weiteres Argument ist der angenehme Federungskomfort. Das reicht aber nicht, um den VW zu schlagen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf Plus 1.6 FSIMercedes B 170
Summe500030222909
Platzierung12

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