Drei deutsche Oberklasse-Kombis im Test Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse

15.12.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Diese noblen Oberklasse-Frachter zählen zu den derzeit größten und feinsten Kombi-Modellen auf dem Markt. Wir testen die Versionen mit gut 200 PS starken Dieseln und Automatik

Einen großen Kombi von Audi, BMW oder Mercedes kauft man sicherlich nicht unbedingt allein, um sperrige Gepäckstücke zu transportieren. Neben dem großzügigen Raumangebot sorgen der gehobene Komfort, die ansprechende Fahrdynamik und nicht zuletzt ein Maximum an Sicherheitsfeatures dafür, dass die drei großen Kombis als repräsentative Reisefahrzeuge mit ausgesprochen vielseitigen Talenten eingesetzt werden – von denen, die es sich leisten können.

 

Karosserie

Doch bevor wir uns dem Kostenkapitel widmen, zollen wir in erster Linie einmal dem Raumangebot des Mercedes unseren Respekt: Mit einem Frachtabteil von mindestens 695 Liter Volumen, das sich durch Umklappen der Rückbank sogar auf 1950 erweitern lässt, trumpft das Mercedes E-Klasse T-Modell souverän auf. Noch dazu lässt sich der Stauraum hervorragend nutzen, ist glattflächig und vollkommen eben. Feste Zurrösen und andere Details wie die Steckdose, das automatische Rollo oder das solide Trennnetz unterstreichen den Nutzwert zusätzlich. Außerdem punktet der Benz mit der niedrigsten Ladekante und der höchsten Zuladung. Der Neuling von Audi zählt zwar seinerseits auch zu den Raumriesen, muss im Ernstfall aber zwei Koffer zurücklassen (maximal 1680 Liter). Trotz optionaler Luftfederung rundum hat er zudem eine geringere Zuladung und darf 300 Kilogramm weniger an den Haken nehmen. Der BMW 5er Touring kann zwar glatte zwei Tonnen ziehen, doch Zuladung und Stauvolumen fallen noch ein wenig bescheidener aus.

Ein kleines Auto ist der 525d deswegen beileibe nicht. Vorn und hinten unterscheidet sich das großzügig bemessene Platzangebot der Kontrahenten nur in Nuancen. Ein erneuter Vorteil des T-Modells ist jedoch die gegen Aufpreis erhältliche dritte Sitzreihe, die ihm wichtige Punkte in der Rubrik Variabilität einbringt. Der 5er gefällt mit einer dreiteilig umlegbaren Rückbank sowie dem separat zu öffnenden Heckfenster. Der Audi A6 Avant begeistert mit einem berührungslosen Öffnen der Heckklappe: Ein angedeuteter Tritt mit der Fußspitze unter den Heckschweller – und die Kofferraumklappe öffnet sich automatisch. Das ist nicht nur ungemein praktisch, wenn man gerade alle Hände voll hat, sondern auch ziemlich cool.

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Ein absolut gutes Gefühl erzeugt überdies das extrem umfangreiche Angebot an serienmäßigen und aufpreispflichtigen Sicherheits-Techniken. Kaum eine andere Fahrzeuggattung kann momentan ein derartig breit gefächertes Spektrum an aktiven und passiven Elementen auffahren. Neben Airbags, Notlaufreifen, Pre-Crash-Sensorik und neuesten Licht-Systemen stehen Assistenten für alle Einsatzbereiche zur Verfügung: Aktive Abstandsregelungen mit Auffahrwarnung (Audi und Mercedes inklusive selbstständiger Notbremsung), Spurwechselund Spurhalte-Systeme, Head-up-Displays oder Tempolimit-Erkennung sowie Nachtsichtgeräte samt Personenerkennung gehören fast schon zum guten Ton, ziehen aber teils happige Aufpreise nach sich. Die wesentlichen Elemente sind indes durchweg Standard.

KarosserieMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TDIBMW 525d TouringMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCY T-Modell
Raumangebot vorn100888888
Raumangebot hinten100888990
Übersichtlichkeit70363739
Bedienung/ Funktion100828580
Kofferraumvolumen100605979
Variabilität100364349
Zuladung/ Anhängelast80404145
Sicherheit150120110122
Qualität/ Verarbeitung200190185182
Kapitelbewertung1000740737774

 

Fahrkomfort

Normalerweise ist Komfort eine klare Mercedes-Domäne. Auch das Fahrwerks-Set-up des Test-Kombis hinterlässt auf den Rüttel- und Schlechtwegestrecken sowie im Verlauf der gesamten Testprozedur einen ausgesprochen harmonischen Eindruck. Jedoch rückt ihm der BMW 5er Touring, ausgerüstet mit optionalen adaptiven Dämpfern und Luftfederung an der Vorderachse (hinten Serie bei BMW und Mercedes), dicht auf den Pelz. Besonders bei kleinen Unebenheiten spricht der Münchener sensibler an und schlägt dennoch selbst auf derben Bodenwellen sowie bei voller Zuladung nicht durch. Ferner besticht der BMW-Testwagen mit den aufpreispflichtigen Komfortsitzen, die sich nahezu perfekt an jede beliebige Statur anpassen lassen sowie Komfort und Seitenhalt trefflich miteinander verquicken. Das gelingt den komfortbetonten Sesseln im Benz (mit optionalen Multikontursitzen ausgestattet) nicht ganz so überzeugend. Zumal die Sitzposition im T-Modell für Großgewachsene stets eine Spur zu hoch ausfällt.

Ähnliches gilt für den Audi A6 Avant, der ebenfalls mit aufpreispflichtigen Komfortsitzen zum Test anrollt. Seine Polsterung erweist sich zudem besonders auf der Rückbank als spürbar fester, worunter auch der Seitenhalt leidet. Auch das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und Luftfedern (beides optional) wirkt in Kombination mit den montierten 19-Zoll-Rädern erheblich straffer, was zu Abzügen im Federungskomfort führt. Dafür brilliert der V6-Diesel mit einem angenehm zurückhaltenden Arbeitsgeräusch. Die Vierzylinder von BMW und Mercedes sind da wesentlich präsenter. Vor allem der recht brummige Mercedes erinnert oft an die hell-elfenbeinfarbigen Artgenossen, die vor dem Hauptbahnhof auf Passagiere warten. Lästige Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten und eine auf schlechten Straßen in den Dichtungen reibende Fahrertür trüben das sonst gewohnte Bild von der soliden Mercedes E-Klasse.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TDIBMW 525d TouringMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCY T-Modell
Sitzkomfort vorn150124134126
Sitzkomfort hinten100788582
Ergonomie150118121120
Innengeräusche50383740
Geräuscheindruck100807875
Klimatisierung50474646
Federung leer200144152155
Federung beladen200141147151
Kapitelbewertung1000770800795

 

Motor und Getriebe

Was dem Mercedes 250 CDI an Umgangsformen fehlt, gleicht er mit Kraft und Sparsamkeit wieder aus: Mit durchschnittlich 7,1 Litern auf 100 km schneidet die E-Klasse im Verbrauchstest unter realen Bedingungen am besten ab – trotz des nominell höchsten EU-Norm-Wertes. Zu den weiteren Vorzügen des doppelt aufgeladenen 2,1 Liter großen Vierzylinder-Diesels zählt das höchste Drehmoment von stattlichen 500 Nm. Kraft aus dem Keller ist die Paradedisziplin des 250er.

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Hohe Drehzahlen und ein spontanes Ansprechverhalten liegen indes eher dem neuerdings nur noch vierzylindrigen BMW 525d. Auch er wird von zwei Turboladern mit Frischluft versorgt und erzielt einen Testverbrauch von 7,3 Litern. Dank 450 Nm wirkt er selbst im unmittelbaren Vergleich alles andere als zahnlos gegenüber dem Rivalen aus Stuttgart, zieht aber dennoch spürbar verhaltener an als der Mercedes. Seine forscheren Fahrleistung wiederum verdankt der BMW neben seinem Leistungsplus von 14 PS gegenüber den Wettbewerbern zu einem guten Teil auch der Automatik von ZF, die ihre acht Fahrstufen im Regelfall blitzschnell sortiert und beinahe ruckfrei wechselt.

Noch geschmeidiger agiert nur die stufenlose Automatik an Bord des Audi A6 Avant. Der 3.0 TDI leitet sein Drehmoment von maximal 400 Nm über eine Multitronic an die Vorderräder. Abgesehen von einer dezenten Anfahrschwäche und einem etwas zögerlich ansprechenden Start-Stopp-System überzeugt der Antrieb des Audi mit einer optimalen Spreizung und tatsächlich unmerklichen „Schaltvorgängen“. Wer sich partout nicht mit dem gelegentlich ungewohnten Geräuschbild anfreunden mag – abfallende oder konstante Drehzahl während der Beschleunigungsphase –, kann auch manuell acht programmierte Schaltstufen abrufen. Notwendig ist das aber nur in Ausnahmefällen.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TDIBMW 525d TouringMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCY T-Modell
Beschleunigung150117122119
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150757877
Getriebeabstufung100949389
Kraftentfaltung50323535
Laufkultur100807573
Verbrauch325232243247
Reichweite25181920
Kapitelbewertung1000648665660

 

Fahrdynamik

Selbst auf der Handlingstrecke gibt sich die Multitronic des Audi A6 Avant keine Blöße und hält den Sechszylinder jederzeit im optimalen Drehzahlbereich. Die hervorragende Rundenzeit indes geht hauptsächlich auf das Konto der äußerst griffigen Bridgestone-Pneus im mächtigen 19-Zoll-Format (255/40, 2500 Euro). Traktionsprobleme sind dem Fronttriebler ebenso fremd wie tückische Reaktionen. Vielmehr fegt der Audi wie an der Schnur gezogen ungerührt um jede Kurve und kündigt das Ende seines sehr hoch angesiedelten Grenzbereichs mit gutmütigem Untersteuern an. Milde Lastwechselreaktionen helfen, den Kombi selbst in Extremsituationen auf Kurs zu halten. Abgerundet wird die beeindruckende Vorstellung durch die kürzesten Bremswege im Testfeld.

Der BMW 5er Touring, der sonst meist den Titel des sportlichsten Autos für sich reklamiert, muss angesichts des bescheidenen Reifenformats (225/55 R 17) trotz Integral-Aktivlenkung die Waffen strecken. Zwar verhilft ihm die Allrad-Lenkung mit variabler Lenkübersetzung zu einem überaus agilen Einlenkverhalten, was sich auch im guten Slalom-Ergebnis niederschlägt, doch abseits der Rundstrecke wirkt der Touring häufig eine Spur zu nervös. Auch der ansonsten stoische Geradeauslauf des 5er konnte uns in dieser Konfiguration nicht restlos überzeugen. Dafür glänzt der BMW einmal mehr mit sehr gut dosierbaren und selbst bei härtesten Belastungen kaum nachlassenden Bremsen.
Das Mercedes E-Klasse T-Modell absolviert alle Prüfungen brav, geduldig und sicher, enthält sich jedoch jeglichen sportlichen Ehrgeizes. Safety first lautet seine Devise – akzeptiert.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TDIBMW 525d TouringMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCY T-Modell
Handling150787364
Slalom100787656
Lenkung100878581
Geradeauslauf50413941
Bremsdosierung30202117
Bremsweg kalt150988991
Bremsweg warm1501109997
Traktion100474948
Fahrsicherheit150137125130
Wendekreis206810
Kapitelbewertung1000702664635

 

Umwelt und Kosten

Dass die deutschen Premiumhersteller nicht mit Discounttarifen locken, ist bekannt. Dafür bekommen die Kunden in jedem Fall ein qualitativ hochwertiges Auto. Dennoch erscheinen rund 50.000 Euro Einstandspreis sehr selbstbewusst – zumal die Aufpreislisten schier endlos sind. Der Audi ist unterm Strich zwar der günstigste Wagen, aber keinesfalls billig.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TDIBMW 525d TouringMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCY T-Modell
Bewerteter Preis675121114112
Wertverlust50131312
Ausstattung25161515
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282027
Werkstattkosten20151514
Steuer10788
Versicherung40272520
Kraftstoff55394041
Emissionswerte25848888
Kapitelbewertung1000350338337

 

Fazit

Sieger nach Punkten wird der Audi A6 Avant 3.0 TDI. Doch der BMW 525d Touring und auch das Mercedes E 250 CDI T-Modell folgen in so geringem Abstand, dass bereits kleine Änderungen in der Testwagen-Konfiguration das Ranking auf den Kopf stellen könnten. Egal für welchen Kombi man sich also entscheidet, man trifft in jedem Fall eine gute, wenngleich teure Wahl. Der Audi lockt mit sechs Zylindern und der erstklassigen Multitronic, während der Mercedes mit klassischen Kombi-Tugenden begeistert. Der BMW überzeugt – je nach Ausstattung – in der Rolle des Fahraktivisten oder des Reisebegleiters.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TDIBMW 525d TouringMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCY T-Modell
Summe5000321032043201
Platzierung123

Tags:
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