Drei Mal Porsche 911

29.09.2008

Der sechsfache deutsche Rallye-Meister Matthias Kahle fährt drei 911 Rallye-Porsche. Seine Meinung zu den Rennwagen aus drei Jahrzehnten

Die Unterschiede könnten nicht größer sein, staunt Matthias Kahle nach der Fahrt im Porsche 911 RS 2.7 von 1973. Der sechsfache Deutsche Rallye-Meister ist in die Eifel gekommen, um neben seinem eigenen Porsche GT3 Rallye noch zwei historische Neunelfer zu Fahrt. Nur zum Spaß, wie er versichert.

Der steht ihm immer noch im Gesicht geschrieben, als er seinem Helm langsam abschnallt. Kein Wunder. Das Fahrt ist sehr aufwendig restauriert worden und weitgehend original. Der heutige Eigner Uwe Kurzenberger bekam 1990 einen Tipp von einem Bekannten, dass das originale Kühne & Nagel-Rennauto im Norden Kenias steht – allerdings in einem sehr schlechten Zustand. 1973 fuhr mit dem Auto Björn Waldegard die Afrika-Rallye, bei der er wegen eines Aufhängungsschadens ausfiel. Bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland steuert Lokalmatador Leo Kinnunen den Porsche aufs Treppchen. 1975 war Porsche deshalb ermuntert genug, zum zweiten Mal nach Afrika zu reisen und den höher gelegten Elfer einzusetzen. Der Erfolg blieb aus, als Pilot Edgar Hermann mit Motorschaden liegen blieb.

Was in Afrika blieb, war auch der Porsche – für 15 lange Jahre. Dann kam Kurzenberger und baute den Porsche in nur zwei Jahren wieder auf. Allerdings nicht um das Auto ins Museum zu stellen, sondern um damit zügig zu fahren. Wie kaum ein zweiter Rennwagen ist der 911 im Originalzustand. Fürs Museum ist der Porsche zu schade, das Auto ist als Rennwagen gebaut worden und muss auch als solches auch eingesetzt werden, sagt Kurzenberg. Für fünf bis zehn Rallyes im Jahr sind sich er, seine Lebensgefährtin Gabriele Mahler und der Safari-Porsche nicht zu schade. Häufig trifft man das Trio bei Rennen der Slowly Sideways-Truppe oder historischen Rennveranstaltungen.

Mit 220 PS steht der Luftboxer mit 2,7-Liter-Hubraum noch heute ordentlich im Futter und treibt die für einen Elfer ungewohnt hohe Karosserie zügig an. Der Boxer röchelt seine luftgetrocknete Stimme vor sich hin und die fünf Gänge des manuellen Getriebes sind schnell durchgeschaltet. Kurzenberger hat damit kein Problem, Rallye-Profi Kahle ist jedoch ein sequentielles Getriebe gewöhnt und flucht Beim Fahren sucht man mehr die Gänge als die Ideallinie. Das kostet Zeit.

Die wir aber haben. Mit einem Ruck an der noch unten liegenden Handbremse wird der Stuttgarter kurz angestellt, um gleichzeitig mit viel Gas das Heck in die gewünschte Position zu bringen – Driften im Oldtimer ist eine ganze besondere Art des Fahrens - pur, nackt, ehrlich.

Was 80 zusätzliche PS in einem Porsche 911er ausmachen, erfahren wir kurze Zeit später im roten SC RS Bastos. Das Gruppe-B-Fahrzeug hat Besitzer Achim Welteke vor vier Jahren gekauft und vollständig restauriert und nach dem Vorbild des Snijers-Porsche von 1984 gebaut, der 1984 vier EM-Rallyes gewann.

Das Auto ist zwar nicht das originale Rennauto, was aber kaum ein Zaungast erkennt. Es wird auch völlig egal, als der 3,0-Liter-Boxer angelassen wird. Mit dem besten Sound des Trios röchelt der Elfer im Stand den Sound der Fahrt, bis Kahle hinter dem Lenkrad Platz nimmt. Na, dann wollen wir mal, grinst er und wärmt die Reifen kurz im Zick-Zack-Kurs auf. Das Fahrwerk ist schon deutlich besser abgestimmt als beim RS 2.7 und die Bremsen gehen sensationell, sagt der Rallye-Meister. Auch liegt der Handbremshebel schön neben dem Lenkrad. Aber das Suchen nach den Gängen und die schwergängige Lenkung ist nicht meine Sache. Das Fünfgang-Getriebe wird dennoch zügig bedient, damit die Drehzahl nicht unter dem Drehmomentmaximum von 250 Newtonmeter bei 6500 /min fällt – nur so hat der Porsche genug Power um schnell auf den kleinen Eifel-Sträßchen zu brettern. Nicht nur auf den Geraden tritt Kahle beherzt auf die stehenden Pedale und quetscht damit 300 PS aus dem Luftboxer. Mit einem Gesamtgewicht von 960 Kilogramm springt der rote Renner über eine Kuppe und setzt hart auf. Kahle grinst. Wahnsinn, was das Auto noch alles kann. Die Bremsen sind wirklich eine Wucht.

Doch so richtig wohl fühlt sich der Görlitzer nur in seinem eigenen Porsche 911 GT3 Rallye. Das Auto ist extra auf mich abgestimmt, ich sitze hier deutlich besser als in den beiden anderen Porsche, die Lenkung geht leichter und präziser und das Schalten ist durch das sequentielle Getriebe sehr einfach. Bei der Demonstrationsfahrt wird deutlich, dass der 996-Porsche Kahles Zuhause ist. Kurven werden enger geschnitten, Drifts sauberer eingeführt und das Anbremsen beginnt später. Nicht hektisch, sondern sehr kontrolliert und wie aus einem Guss. Der Rallye-Meister fährt wie auf Schienen durch die Rallye-Shake-down-Strecke. Mit 380 PS ist der GT3 ausreichend motorisiert, das geradverzahnte sequentielle Getriebe schaltet schnell und präzise und die 380 Newtonmeter Drehmoment sorgen für genügend Kraft bei 5000 /min. Besonders auf Asphalt ist der Porsche mit seinem Heckantrieb schnell und kann mit den Allradern problemlos mithalten.

Warum ausgerechnet Porsche und nicht Mitsubishi oder Subaru? Der Porsche macht mehr Fahrt, nicht nur mir, sondern auch den Zuschauern, sagt Kahle. In der nächsten Kurven bestätigen das die Fans – Standing Ovations. Außerdem sehe man, so Kahle, auf den deutschen Rallyes schon genügend von den Allrad-Fahrzeugen. Ein bisschen Abwechslung könne nie schaden. Aber es ist auch eine Herausforderung. Durch den Heckantrieb ist die Vorderachse leichter und ich muss die Kurven anders anfahren und einlenken. Die Umstellung ist enorm.

Vielleicht braucht Kahle das nicht mehr lange. Denn nächstes Jahr geht es für ihn sehr wahrscheinlich in einem Skoda Fabia Super 2000 wieder mit Allrad über die deutschen Rallye-Pisten.
hob

AUTO ZEITUNG

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