Dodge Challenger: Sportwagen im Retro-Design Der Show-Master

20.06.2011

Der Chrysler-Konzern ist bekannt dafür, Show-Prototypen ohne viel Aufhebens in aufregende Serienautos zu verwandeln. Viper, Prowler, PT Cruiser und Crossfire sind nur ein paar Beispiele

Eckdaten
PS-kW426 PS (313 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h4.5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit280 km/h
Preis36.000,00€

Der Puls der Motor-City Detroit im US-Staat Michigan, der Heimat der drei großen US-Hersteller, schlägt am lautesten an der Woodward Avenue. Die schnurgerade, vielspurige Straße verbindet Downtown Detroit mit den nördlichen Vorortsiedlungen voller typisch amerikanischer Einfamilienhäuser, Tankstellen, Schnellrestaurants, Gebrauchtwagenhändler und Ersatzteilläden.

In den 50er- und 60er-Jahren diente die Woodward Avenue nebenbei als Dragstrip für all jene Heißsporne, die ihre Hot Rods und Muscle Cars gern bei Ampelduellen erprobten. Das ist natürlich längst verboten, aber der Mythos Woodward ist immer noch so lebendig, dass ein alljährliches Revival über eine Million Besucher und hunderttausende Oldtimer anzieht. Die richtige Straße also für eine erste Ausfahrt mit dem Dodge Challenger. Nein, kein alter Challlenger, keines jener Muscle Cars von 1970, die mit bis zu 7,2 Liter Hubraum und abenteuerlichen SAE-PS-Zahlen die Konkurrenz einschüchterten. Kein Challenger, wie ihn Barry Newman im Kult-Roadmovie Fluchtpunkt San Francisco von 1971 gegen zwei Bulldozer feuerte.

Dieser Challenger ist so neu, dass es ihn erst in zwei Jahren zu kaufen geben wird. Erdacht und entworfen in der kalifornischen Chrysler-Design-Dependance nördlich von San Diego. Michael Castiglione und Alan Barrington, verantwortlich für Exterieur und Interieur des Challenger, haben ihren Job offenbar gut gemacht. Selbst auf der Woodward Avenue im wohlhabenden Vorort Birmingham, wo zur frühen Abendstunden mehr Bentley und Porsche promenieren als Chevy und Ford, fällt der orange Dodge fast so auf wie ein UFO.

Hochgereckte Daumen, applaudierende Handbewegungen bei jedem Ampelstopp. Wo hast du den denn gekauft?, ruft ein Mädchen durch das geöffnete Fenster eines älteren Grand Cherokee und zückt das Mobiltelefon, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Ein schöneres Kompliment kann es für die kalifornischen Designer kaum geben. Wir hatten einen 70er- und einen 73er-Challenger im Studio stehen, damit wir auf die richtigen Ideen kommen, erzählt Barrington und erläutert, welche Details des Innenraums den Zeitsprung aus dem Original in den aktuellen Prototypen schafften. Ein Hurst-Schalthebel ist für mich im Muscle Car einfach Pflicht, und auch die vier Rundinstrumente habe ich aus dem 70er-Modell übernommen. Der Clou der ungewöhnlichen Instrumenteneinheit: Sie soll beim Draufschauen an eine Zylinderbank mit demontiertem Kopf erinnern, bei dem man durch die Zylinder auf die Kolbenböden blickt. Okay Alan, wir denken daran.

Mit dem Schalthebel inklusive Hurst-Schriftzug kann man sich leichter anfreunden. Das Sechsgang-Getriebe gibt sich zwar knochig, die Gänge rasten nur ein, wenn man den dicken Griff nachdrücklich in die vorgesehene Schaltebene drückt, aber das hier ist ein handgearbeiteter Prototyp, dem man solche kleinen Schwächen nachsehen sollte. Überhaupt ist so viel mechanische Rückmeldung bei modernen Autos eher unüblich. Die Schaltvorgänge erinnern ein wenig an alte Ferrari und Alfa Romeo, was an sich keine so schlechte Referenz für ein über 400 PS starkes Sportcoupé ist.

Die Quelle der Power sitzt eingezwängt zwischen Federbeindomen und Stehblechen und verbirgt sich unter einem dicken Luftsammler. Der Luftfilterdeckel fehlt, seine Funktion übernimmt die Motorhaube, die Ansaugluft strömt durch zwei Schlitze in der Haube durch den offenen Filter in den Luftsammler – ganz wie bei den Ramair-Muscle Cars von Chrysler in den 70ern. Nur dass es hier zwischen Motorhaubenschlitzen und Einlassventilen keine vier dicken Holley-Vergaser gibt, sondern eine moderne Einspritzanlage, die vermutlich zur Steuerung der Motorfunktionen über mehr Rechnerkapazität verfügt als damals die amerikanische Mondlandefähre. Sie macht ihre Sache jedenfalls recht gut. Der Hemi-Achtzylinder in SRT-Ausführung mit 6,1 Liter Hubraum und 425 PS hängt so gut am Gas und gibt sich so manierlich, als sei dies ein Großserienprodukt, das täglich hundertfach von den Fließbändern rollt. Dabei donnert der V8 schon bei Leerlaufdrehzahl viel versprechend aus den vier dicken, eckigen Endrohren, die auch vom historischen Vorbild inspiriert sind.

Beim Gasgeben steigert sich das Donnern zu einem akustischen Gewitter, untermalt von giftigem Zischeln aus dem Ansaugtrakt. Die Fahrt über die Vorstadtstraßen rechts und links der Woodward Avenue enthüllt nur ansatzweise das Potenzial des Challenger. Das Serienmodell soll keine fünf Sekunden von 0 auf 100 brauchen und rund 280 km/h schnell sein. Noch wichtiger für das Muscle Car-Publikum: der Wert für die Viertelmeile. Denn auch wenn die Beschleunigungsduelle auf der Avenue zwischen Farmington und Birmingham längst nicht mehr möglich sind, zählt hier immer noch die Zeit, die ein Auto aus dem Stand für die genau 402,33 Meter der klassischen Drag-Distanz braucht.

Beim Challenger sollen es 13 Sekunden sein. Zum Vergleich: Eine aktuelle Viper SRT10 benötigt für die Übung rund zwölf Sekunden. Keine schlechten Voraussetzungen also für diesen Dodge, der 2008 in Serie gehen soll, wie Chrysler-CEO Tom LaSorda unlängst am Rande eines NASCAR-Rennens ankündigte. An einen Export nach Europa wird vorläufig nicht gedacht. Schade eigentlich, denn ein paar Muscle Car-Freunde gibt es hierzulande auch. Damit die noch ein wenig unruhiger schlafen, hier als Anhaltspunkt der Preis eines aktuellen, gleich motorisierten Dodge Charger SRT8: ab 36000 Dollar.

Heinrich Lingner

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8
Hubraum6063
Leistung
kW/PS
1/Min

313/426
6000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
569
4000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebHeckantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 255/40 R 20
h: 265/45 R 21
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)k.A.
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4.5
Höchstgeschwindigkeit (km/h)280
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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