Diesel-Minis: Audi A1 gegen Mini Cooper Audi A1 1.6 TDI und Mini Cooper D

07.07.2010

Vom Erfolg des Mini inspiriert, bringt jetzt auch Audi einen Kleinwagen der Nobelkategorie. Eine Begegnung zweier kleiner Bayern

Große Autos, große Gewinnspannen – kleine Autos, kleine Gewinnspannen! Diese Aussage gehörte Jahrzehnte zu den unumstößlichen Wahrheiten der Automobilindustrie. Bis BMW vor neun Jahren den Beweis antrat, dass es auch anders geht. Denn 2001 gelang den Bayern mit der Wiederauferstehung des legendären Mini ein schier unglaublicher Coup. Der teure Kleinwagen im Retrolook wurde blitzartig Kult, und die Fans orderten begeistert für viel Geld Sonderausstattungen zur Individualisierung ihres neuen Lieblingsautos. Neben den steigenden Klimaschutzanforderungen – Verringerung der CO2-Emissionen – dürfte auch der Blick auf den Erfolg des Mini die Entwicklung des neuen Audi A1 beeinflusst haben. Doch ist Audi damit auch eine Alternative zum Mini gelungen?

Optisch könnte der Kontrast zwischen den beiden kleinen Bayern kaum größer sein. Während der Mini, angelehnt an die Formensprache seines englischen Vorgängers aus den 1960er-Jahren, eine fröhliche Nostalgie propagiert, kontert der A1 mit der coolen Audi-Ästhetik des 21. Jahrhunderts. Die beinhaltet den charakteristischen riesigen Kühlergrill und das modellindividuelle Tagfahrlicht ebenso wie die markante Seitenlinie, bei Audi Tornadolinie genannt. Und diese Erscheinung kommt an, wie die begeisterten Reaktionen der Mitmenschen bei der ersten Testfahrt in Berlin gezeigt haben. Doch kann der Ingolstädter Nachwuchs auch bei den inneren Werten punkten?

Zweifellos, denn er setzt seine 20 Zentimeter mehr Länge und sechs Zentimeter mehr Breite in ein deutlich größeres Platzangebot um. Nur an der Kopffreiheit für die beiden Fondpassagiere hapert es wegen des nach hinten abfallenden Daches ein wenig.

Viele Gegensätze: Luft nach oben gibt es im Mini zwar ausreichend, doch ist sein Fahrer größer als 1,85 Meter, schrumpft hinter ihm die Beinfreiheit auf null, und das Auto mutiert zum 2+1-Sitzer. Vorn hingegen lässt es sich in beiden Kleinwagen sehr gut aushalten. Aber während die hervorragenden Sportsitze des A1 eine eher limousinenhaft hohe Haltung bieten, offeriert der Cooper im Gegenzug eine sehr niedrige – aber dennoch bequeme – Sitzposition, die auch einem Sportwagen gut zu Gesicht stünde. Und die Gegensätze gehen auch beim Blick aufs Armaturenbrett weiter. Jeder, der einmal in einem Audi gesessen hat, findet sich im A1 sofort zurecht. Jeder Hebel, jeder Schalter, jeder Drehknauf sitzt an dem Platz, wo er logischerweise hingehört. Die Instrumente sind klar und ohne Schnickschnack gezeichnet und lassen sich unter allen Bedingungen bestens ablesen. Dazu kommen die von Audi gewohnten hochwertig wirkenden Materialien, deren noble Anmutung hier erstmals Einzug in die Kleinwagenklasse hält. Auch der stilsichere dezente Einsatz von Alu-Optik – wie etwa an den griffig geriffelten Drehknebeln der Klimaanlage – verstärkt den Eindruck von feinmechanischer Finesse und Wertarbeit.

Wer auf derlei reduzierte Ästhetik Wert legt, ist im Mini völlig fehl am Platze. Hier geht es grell und bunt, ja beinahe anarchisch zu. Schalter und Tasten scheinen nach dem Zufallsprinzip verteilt worden zu sein. Und wer doch einmal glaubt, eine Art Ordnungsprinzip gefunden zu haben – wie bei der Kippschalterleiste in der Mittelkonsole –, stellt schnell fest, dass hier das Treffen des falschen Schalters Programm ist. Auch bei der Güte der Oberflächen und der Haptik von Hebeln und Knöpfen muss sich der Mini hinter dem A1 anstellen.

Dafür scheint der Cooper D – zumindest nach der Papierform – motorisch auf der Höhe der Zeit. Sein 1,6-Liter-Turbodiesel leistet mit 110 PS sogar fünf Pferdestärken mehr als das gleich große Triebwerk des Audi und hat mit 3,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer einen identischen EU-Normverbrauch. Darüber hinaus beschleunigt er, auch dank seines Sechsganggetriebes und des Overboosts, der das Drehmoment kurzfristig auf 260 Newtonmeter hebt, flotter und erreicht eine etwas höhere Spitze. Doch der A1 ist dem brummigen Peugeot-Diesel des Mini in Sachen Laufkultur deutlich voraus. Man merkt kaum noch, dass hier ein Selbstzünder unter der Haube werkelt, so gut haben die Audi- Techniker den Diesel erzogen. Das gilt auch für die serienmäßige Start-Stopp-Automatik, die – anders als beim ruppigen Einsatz im Cooper D – sanft und nahezu unmerklich arbeitet. Doch BMW hat den Rückstand realisiert und bringt im August einen neuen Diesel, der dann selbstverständlich auch die Euro-5-Norm schafft.

Eine gelungene Synthese aus Fahrkomfort und Fahrdynamik kennzeichnet alle neuen Audi-Modelle. Da darf auch der Kleine natürlich nicht patzen. Und trotz seines Sportfahrwerks macht er seine Sache sehr anständig. Ob kurze Bodenwellen oder andere Nickeligkeiten der Straßenoberfläche, der A1 meldet sie kurz und trocken und fährt ungerührt weiter. Das hat den Stil einer höheren Fahrzeugklasse und nichts mehr mit einem Kleinwagen gemein. Dabei lenkt der Audi überaus agil ein und flitzt hurtig ums Eck – eine Gaudi für sportlich Ambitionierte.

KLEINE AUTOS, STOLZE PREISE
Doch gegen den wahren Racer der Kleinwagenklasse ist nach wie vor kein Kraut gewachsen. Die Art und Weise, wie der Mini Kurven umrundet, sucht nach wie vor ihresgleichen. Die Lenkpräzision und das neutrale Eigenlenkverhalten bleiben unerreicht. Was allerdings mit einer gesunden Härte verknüpft ist, wiewohl der Mini auf Schlaglöcher zumindest etwas sensibler anspricht.

Und wie war das noch mit den Preisen? Der Mini Cooper D startet bei stolzen 20.800 Euro, hat dafür aber immerhin schon eine Klimaanlage und Aluminiumräder mit an Bord. Beim Audi A1 geht es zwar schon bei 18.800 Euro los. Doch wer Alu-Räder haben möchte und auch die erwähnten Aluminium-Akzente im Innenraum schätzt, muss zur Ausstattung Ambition greifen, in der der A1 1.6 TDI dann 20.200 Euro kostet. Dazu wäre dann allerdings noch eine Klimaanlage für 900 Euro zu addieren – oder lieber eine Klimaautomatik für 1250 Euro?

Auf der nach oben offenen Preisskala hat der von uns gefahrene A1 – mit Sonderausstattungen satt – rund 34 000 Euro gekostet. Doch wer sich in der knapp 30-seitigen Mini-Ausstattungsliste richtig umtut, kommt auf ähnliche Summen. Schließlich haben die Mini-Macher diese Strategie erfunden.

Fazit

Mit dem neuen A1 ist es Audi als erstem Autohersteller gelungen, den Stil, das Niveau und den Anspruch der automobilen Luxusliga auf die Kleinwagen-Klasse zu übertragen. Ob der cool gestylte A1 dem Mini die Kunden abspenstig macht, muss abgewartet werden, denn dessen Fans lieben ihn gerade für sein Anderssein, seine bunte Flippigkeit. Gewohnte Einigkeit herrscht zwischen Audi und BMW allerdings darin, dass die Kunden für außergewöhnliche Kleinwagen auch außergewöhnlich hohe Preise zu zahlen haben.

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler, Direkteinspritzung
Hubraum1560
Leistung
kW/PS
1/Min

80/109
4000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
240
1750 - 2000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 175/65 R 15
h: 175/65 R 15
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1090
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)9.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)195
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch3.9l/100km (Diesel)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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