Diesel-Kompaktklasse Kölner Offensive

03.03.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem Facelift-Focus bläst Ford zum Sturm auf die Bastion Golf. Wie gut schlägt sich der rundum erneuerte Rheinländer gegen den Klassenprimus aus Wolfsburg und die Mitkonkurrenten aus Rüsselsheim und Sochaux? Im Test die dynamischen Diesel mit 136 bis 150 PS

In der Kompaktklasse ist es ja ein wenig wie in der Fußball-Bundesliga: Jedes Jahr stellt sich die Konkurrenz neu auf, um die Bayern vom Thron zu schubsen. Meist bleibt es bei dem Versuch. Ähnlich wie der bayrische Fußballverein beherrscht der VW Golf seit Mitte der 70er Jahre seine Spielklasse. Alle Anstrengungen, dem Kompakten aus Wolfsburg dauerhaft auf die Pelle zu rücken, scheiterten – ganz gleich, ob die Offensive nun aus Rüsselsheim, Köln, Frankreich, Italien oder Japan kam.

Dem Ford Focus etwa mangelte es bisher an Großzügigkeit im Interieur, und auch Materialwahl und Detailqualität konnten mit dem Klassenprimus Golf nicht so ganz mithalten. Zumindest was Letzteres angeht, sollte sich beim jüngsten Facelift des Focus einiges zum Besseren gewendet haben. Seit Anfang des Jahres steht der neue Focus beim Ford-Händler, und er zeigt schon auf den ersten Blick, dass man es in Köln ernst meint. Die an den Mondeo angelehnte Front im so genannten Kinetic-Design steht dem stämmigen Kompaktwagen gut. Modisch, wenn auch nicht besonders nützlich sind die ebenfalls neuen, in die Außenspiegel integrierten Blinker. Unterm Blech dagegen blieb fast alles beim Alten: Der 136 PS starke Zweiliter-TDCi und ein Sechsgang-Schaltgetriebe sind für den Antrieb zuständig.
Der Peugeot 308 ist ebenfalls ein frischer Konkurrent in der Kompaktklasse. Er löste 2007 den 307 ab, und unter seiner Haube arbeitet der gleiche Basismotor wie im Ford: der Zweiliter-Diesel mit 136 PS – eine Gemeinschaftsentwicklung von PSA und Ford.

Bekannte Größen sind der Opel Astra mit dem 150 PS leistenden 1,9-Liter-CDTi und der VW Golf mit dem Zweiliter-TDI mit 140 PS, der mit leichten Änderungen im Interieur ins neue Modelljahr geht. Ähnlich nah wie bei der Motorleistung liegen die vier Kompakten übrigens auch preislich beieinander: Gerade mal rund 1100 Euro trennen den billigsten (Focus) vom teuersten (Astra) Fünftürer in diesem Vergleich. Serienmäßige Partikelfilter sind im Übrigen bei allen Vieren dabei.

 

Karosserie

Wer in der Kompaktklasse viel Wert auf einen möglichst großzügigen Innenraum legt, kommt an Golf und 308 nicht vorbei. Sowohl vorn als auch hinten bieten die beiden mehr Bewegungsfreiheit als die knapper geschnittenen Astra und Focus. Auch das subjektive Raumgefühl ist beim Wolfsburger und beim Franzosen deutlich luftiger. Dafür haben allerdings Opel und Ford die größeren Laderäume zu bieten. Eine traditionelle Golf-Domäne ist nach wie vor die Verarbeitungs- und Materialqualität im Innenraum. Allerdings holt der Focus mit dem neuen Interieur mächtig auf. Softtouch-Oberflächen und die sorgfältigere Verarbeitung im Detail sorgen dafür, dass der Kölner in dieser Disziplin nur noch wenige Punkte hinter dem VW liegt. Opel und Peugeot sind da nicht ganz so gereift, zudem zeigen beide auf Holperstrecken mit Klapper- und Knistergeräuschen, dass hier noch etwas Raum für Verbesserungen wäre.
In punkto Bedienbarkeit hat der Focus ebenfalls aufgeholt. Das vom Mondeo übernommene Navigationssystem mit Touchscreen lässt sich schon nach kurzer Eingewöhnung narrensicher bedienen, was übrigens auch für die Navigationseinheit des Golf gilt. Nicht ganz so gut funktioniert das im Astra, bei dem sich nicht nur Opel-Novizen gern in den verschiedenen Menüs von Radio, Bordcomputer und Navi verirren. Auch der 308 ist nicht ganz mustergültig. Die Beschriftungen auf der zentralen Bedien-Einheit sind so klein, dass ältere Zeitgenossen dafür gern mal eine Lesebrille bemühen, und der Dreh/Drücksteller ist fummelig und zu weit vom Fahrer entfernt.

Dafür kann der Peugeot mit seiner umfangreichen Sicherheitsausstattung punkten, die bereits Vorhang-Airbags, Lenksäulenairbag und so angenehme Nebensächlichkeiten wie Licht- und Regensensor enthält. Was aber nichts daran ändert, dass der großzügige und exzellent verarbeitete Golf am Ende des Karosseriekapitels knapp vor 308, Focus und Astra liegt.

KarosserieMax. PunkteFord Focus 2.0 TDCIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi 135 FAPOpel Astra 1.9 CDTI
Raumangebot vorn10067707066
Raumangebot hinten10054565652
Übersichtlichkeit7038374335
Bedienung/ Funktion10090908682
Kofferraumvolumen10035302934
Variabilität10020252423
Zuladung/ Anhängelast8035423840
Sicherheit15079828984
Qualität/ Verarbeitung200178182172170
Kapitelbewertung1000596614607586

 

Fahrkomfort

Die Komfortqualitäten des Bestsellers aus Wolfsburg waren ebenfalls immer schon ausgeprägter als bei der Konkurrenz. Das beginnt bereits beim Platznehmen. Die Golf-Sitze sind zwar straff, bieten dafür jedoch ausreichend Seitenhalt und sind selbst bei Langstreckenfahrten bequem. Da fühlt man sich im Astra und im 308 nicht ganz so gut aufgehoben, auch wenn es in beiden eigentlich wenig zu meckern gibt. Allenfalls das rutschige Leder im Peugeot und die etwas zu kurzen Sitzflächen im Opel stören das Wohlbefinden. Im Focus sitzt man dagegen vorn fast so gut wie im Golf, allerdings war das Ford-Gestühl mit aufpreispflichtigem Leder bezogen.
Hinten fühlt man sich im Kölner jedoch nicht so wohl, der Dacheinzug sorgt für ein beengtes Raumgefühl, und die Sitzbank ist deutlich unbequemer als bei der Konkurrenz. Überzeugender fällt da schon der Federungskomfort des rheinischen Kompakten aus. Der Focus federt und dämpft auf Golf-Niveau, und er verkraftet die maximale Beladung gelassener als der norddeutsche Konkurrent. Der Rüsselsheimer und der Franzose rollen deutlich nervöser und holpriger über feine und grobe Unebenheiten und signalisieren vor allem bei Beladung mit diversen Karosseriegeräuschen, dass es jetzt reicht. So behauptet sich der VW in der Komfortwertung ganz knapp vor dem Ford, der hier mächtig aufholt.

FahrkomfortMax. PunkteFord Focus 2.0 TDCIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi 135 FAPOpel Astra 1.9 CDTI
Sitzkomfort vorn150115118111110
Sitzkomfort hinten10062727068
Ergonomie150130132128121
Innengeräusche5031353532
Geräuscheindruck10062556258
Klimatisierung5022232924
Federung leer200137138128126
Federung beladen200138130123124
Kapitelbewertung1000697703686663

 

Motor und Getriebe

Das Motorenkapitel sollte eigentlich maßgeschneidert sein für die Rüsselsheimer Kompaktlimousine, schließlich hat sie den kräftigsten Motor. So besticht sie denn auch mit den besten Beschleunigungszeiten und der höchsten Spitzengeschwindigkeit, doch der hohe Verbrauch und die geringere Reichweite kosten den Opel Punkte. VW leistet sich hier noch den Luxus des Sonderwegs mit der Pumpe-Düse-Einspritzung, doch außer der etwas poltrigen Laufkultur hat das keinerlei Nachteile für den Golf. Der Motor bietet gute Fahrleistungen und ist sehr sparsam. Noch genügsamer zeigt sich der 2.0 TDCi im Focus, der nur 6,4 Liter Diesel verbraucht, mithin exakt einen Liter weniger als der gleich motorisierte Peugeot. Zudem läuft der Ford-PSA-Motor kultivierter als die Opel- und VW-Antriebseinheiten. Mit dem niedrigsten Dieselkonsum und der höchsten Reichweite setzt sich der Focus-Antrieb am Ende durch.

Motor und GetriebeMax. PunkteFord Focus 2.0 TDCIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi 135 FAPOpel Astra 1.9 CDTI
Beschleunigung150142142140146
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15073757678
Getriebeabstufung10086887876
Kraftentfaltung5030323033
Laufkultur10053495351
Verbrauch325208203195198
Reichweite2516151513
Kapitelbewertung1000608604587595

 

Fahrdynamik

Die dynamischen Qualitäten des Kölner Golf-Rivalen waren immer schon über alle Zweifel erhaben. Mit seiner exakten Lenkung und dem agilen Fahrwerk setzt er im aktuellen Test die schnellste Zeit beim Standardslalom, auch wenn er auf dem Handlingparcours die kräftiger motorisierten Astra und Golf ziehen lassen muss. Der Peugeot wetzt übrigens fast genauso flink durch die Slalomtore.
Ein Kapitel für sich sind die Stopper des Kölners. Er bremst kalt und warm eine Klasse besser als die Kompakt-Konkurrenz. Bremswege von rund 36 Metern sind sportwagentauglich. Da kann nur der Peugeot einigermaßen mithalten, doch bei dem bauen die Bremsen stärker ab. Etwas gewöhnungsbedürftig ist zudem das giftige Ansprechen der 308-Bremsanlage. Am Opel missfällt die schlechtere Dosierbarkeit. Und der VW schließlich könnte eine kleine Modellpflege vertragen, die durchschnittlichen Bremswege kosten ihn vor allem im Vergleich zum Ford viele Punkte.

Auf erfreulich hohem Niveau ist im Übrigen die Fahrsicherheit der vier Kandidaten. Nur in Extremfällen muss das jeweils serienmäßige ESP mäßigend eingreifen.

FahrdynamikMax. PunkteFord Focus 2.0 TDCIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi 135 FAPOpel Astra 1.9 CDTI
Handling15058595760
Slalom10060545753
Lenkung10082817677
Geradeauslauf5039403938
Bremsdosierung3019191918
Bremsweg kalt15089688777
Bremsweg warm15093628074
Traktion10035353538
Fahrsicherheit150129130128129
Wendekreis201214811
Kapitelbewertung1000616562586575

 

Umwelt und Kosten

Auch kompakte Diesel verlangen heutzutage nach kräftigen Investitionen. Gerade in diesem preissensiblen Marktsegment gilt dem Kostenthema daher ein besonderes Augenmerk. Vorab: Wer Geiz geil findet, sollte sich nach anderen Autos umschauen. Dennoch gibt es auch innerhalb des Quartetts beträchtliche Unterschiede. So erfreut der Ford mit dem niedrigsten Grundpreis. Wie er sind auch der Opel und der Peugeot gut ausgestattet und fordern vergleichsweise geringe Aufpreise für die AUTO ZEITUNG-Normausstattung. Ganz anders der Golf. Er hat nicht nur den höchsten Anschaffungspreis, sondern verlangt auch die deftigsten Aufwendungen für die Normausstattung. In der Summe durchbricht er als einziger die 25000-Euro-Schallmauer. Zur Erinnerung: Das waren einst rund 50000 Mark. Damit übertrifft er einen gleichwertig ausgestatteten Ford Focus um fast 1900 Euro.
Während einer vierjährigen Haltedauer und 80000 Kilometer Laufleistung liegen die von der DAT prognostizierten Wertverluste durchweg bei rund 13000 Euro. Dass der VW laut ADAC mit 362 Euro pro Jahr die günstigsten Werkstattkosten verursacht und auch relativ sparsam mit dem Kraftstoff umgeht, rettet ihn nicht vor dem letzten Platz in diesem Kapitel. Eine Überraschung sind die günstigen Versicherungseinstufungen des Peugeot. So sind die Fahrer des Franzosen bei Haftpflicht und Vollkasko in den günstigsten Typklassen unterwegs. Offenbar genießen die Löwenbändiger bei den Versicherungen einen besonders seriösen Ruf. Dank der guten Ausstattung gelingt es dem 308, sich im Kostenkapitel an die Spitze zu setzen – dicht gefolgt vom Ford, der mit den niedrigsten Kraftstoffkosten aufwartet.

Kosten/UmweltMax. PunkteFord Focus 2.0 TDCIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi 135 FAPOpel Astra 1.9 CDTI
Bewerteter Preis675239230231229
Wertverlust5025252524
Ausstattung251572120
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5018281918
Werkstattkosten2014161514
Steuer107777
Versicherung4032323434
Kraftstoff5545444343
Emissionswerte2584838686
Kapitelbewertung1000479472481475

 

Fazit

Die Kölner Offensive ist viel versprechend. Mit den bekannt guten dynamischen Fähigkeiten und dem aufgefrischten Interieur stehen die Chancen des Focus, am Golf-Thron zu rütteln, besser aus als die des FC zum Wiederaufstieg. Der Golf überzeugt nach wie vor mit seinem ausgewogenen Komfort und dem hohen Qualitätsstandard. Knapp dahinter platziert sich der Peugeot 308, an dem vor allem das Platzangebot und der kultivierte Motor gefallen. Mit seinem kräftigen Triebwerk kann der Opel Astra dagegen zu wenig Glanzpunkte setzen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteFord Focus 2.0 TDCIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi 135 FAPOpel Astra 1.9 CDTI
Summe50002996295529472894
Platzierung1234

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