Die neue Fiat Multiair-Technik Dosierte Beatmung

22.06.2011

Mit einem elektrohydraulischen Ventiltrieb will Fiat Motoren künftig sauberer, sparsamer und leistungsstärker machen

Wer sparen will, muss im Kopf fit sein“, flachst Lucio Bernard. Der Entwicklungsdirektor der Fiat Powertrain Technologies (FPT) meint das im doppelten Sinn und zeigt auf das Modell einer neuen Zylinderkopf- Generation. Stolz verkündet er, dass diese Technik namens Multiair eine kleine Revolution sei. Damit könne man richtig viel Sprit sparen, Abgas-Emissionen vermeiden und mehr Drehmoment aus dem Motor kitzeln.

Statt einer separaten Nockenwelle für die Steuerung der Einlassventile wird hier eine Elektro- Hydraulik aktiv. Bernard: „Diese kann viel besser als jede starr gekoppelte Mechanik für eine optimale Brennraumfüllung sorgen.“ Sowohl den Zeitpunkt der Ventilöffnung, die Öffnungsdauer als auch der Öffnungshub und damit die gewünschte Luft-Einlassmenge lassen sich variieren. Dabei ist die Elektro-Hydraulik so schnell, dass während eines Ansaugtaktes die Einlassventile auch mehrmals geöffnet werden können – falls erforderlich.

„Das klingt nicht nur kompliziert – sondern ist es auch“, sagt der italienische Chef-Ingenieur verschmitzt und beschreibt den Aufbau: Das Multiair-System wird von jener Nockenwelle aktiviert, die auch die Auslassventile auf konventionellem Wege steuert. Über einen Rollen-Schlepphebel wird so eine Hydraulikpumpe angetrieben.

Der hier produzierte Öldruck gelangt über ein Steuerventil in den Arbeitszylinder. Dieser sitzt direkt über dem Einlassventil. Je nach Stellung des Steuerventils öffnet er dann das Einlassventil. „Natürlich bedarfsgerecht und zylinderselektiv, damit der Motor bei jeder Lastanforderung optimal beatmet wird“, unterstreicht Bernard mit Nachdruck. Praktisch wird bei Volllast also die komplette Pumpkraft des Nockens genutzt – als bestünde eine mechanische Verbindung. Bei Teillast ergeben sich dagegen viele Variationen zwischen Ventilhub und Öffnungszeiten. Gerade das macht den Motorenbetrieb so effizient und sparsam.

Sorgen Sie jetzt für Ordnung im Revier mit unserem Polizei Foto-Quiz:
» Welche skurrilen Streifenwagen passen zueinander? Finden Sie es heraus!

Mit einem besonderen Trick lässt sich zusätzlich die Verbrennungsgüte steigern: Nachdem bei Teillast die eigentliche Füllung abgeschlossen ist, öffnet das Ventil noch einmal kurz und schiebt eine kleine Luft-Portion nach. Das verursacht eine gezielte Verwirbelung, die zur vollständigeren Verbrennung führt. Und der Clou: Multiair macht die Drosselklappe überfl üssig. Das freut Lucio Bernard besonders: „Denn damit fällt der Staudruck im Ansaugtrakt weg, zu dessen Überwindung jeder herkömmlich beatmete Motor zusätzliche Energie aufbringen muss.“

Summa summarum sollen nach Angaben der Fiat-Entwickler die Abgas-Emissionen und der Kraftstoffverbrauch um bis zu 25 Prozent sinken. Die Leistung klettert dank Multiair um zehn Prozent, und das Drehmomentniveau lässt sich im unteren Drehzahlbereich um satte 15 Prozent steigern. Dass Spritsparen mit Multiair auch Spaß machen kann, davon überzeugten wir uns in der Praxis. Für erste Probefahrten mit dem neuen Zylinderkopf stand uns ein Fiat Bravo 1.4 mit Turboaufladung und 165 PS zur Verfügung. Beim Tritt aufs Gaspedal reagiert der Motor spontan. Bereits bei Drehzahlen unter 2000 Touren steht enorm viel Antrittskraft parat. Der übliche Turbo- Sound wird von der neuen Beatmungstechnik nicht getrübt.

Im Gegenteil, hier ist sogar ein Komfort-Gewinn spürbar. Denn die Einlassventile der Multiair-Technik schlagen beim Schließen nicht wie üblich hart, sondern ölgedämpft im Ventilsitz auf. Im Herbst wird der erste Motor mit Multiair angeboten – im Alfa Romeo MiTo 1.4 als Turbo mit 170 PS und als Sauger mit 105 PS. Auch ein Zweizylinder-Turbomotor mit 0,9 Liter Hubraum und Multiair ist schon in Arbeit. Zu einem späteren Zeitpunkt soll diese Ventiltechnik dann auch an Dieselmotoren und an einen bivalenten Erdgas-Antrieb angepasst werden. Holger Ippen

AUTO ZEITUNG

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
 
Preis:
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 21,99 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.