Die Hits der Abwrackprämie Kleinwagen

24.06.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Momentan sind sie der Hit: Skoda Fabia, Ford Fiesta, Suzuki Swift und Dacia Sandero profitieren von der Umweltprämie. Wir testen die Bonus-Profiteure mit munteren Benzinmotoren

Abwracken belebt die Konjunktur: den alten Wagen in die Schrottpresse stecken, vom Staat 2500 Euro kassieren und einen Neuen kaufen – am besten klein und günstig. So ist es derzeit Trend. Ein Trend, der laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) dem Skoda Fabia dieses Jahr bis einschließlich Mai bereits 47 641 Neuzulassungen bescherte (plus 113 Prozent gegenüber 2008).

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Der neue Ford Fiesta verzeichnet ein Plus von 171 Prozent, beim Suzuki Swift sind es 95 Prozent Zuwachs. Auch der als Billigauto belächelte Dacia Sandero ist beliebt: Im Juli 2008 eingeführt, wurde er bis Jahresende 6369 Mal verkauft. 2009 unterschrieben bereits fast viermal so viele Kunden einen Kaufvertrag – umgerechnet plus 258 Prozent. Im Test die Trendsetter mit rund 100 PS starken Benzinern.

 

Karosserie

Naturgemäß darf man von den Kandidaten keine Raumwunder erwarten, doch moderne Kleinwagen wie diese vier bieten durchaus ordentliche Platzverhältnisse für vier Erwachsene. Vorn unterscheiden sie sich kaum, im Fond von Fiesta und Swift geht es indes spürbar enger zu als bei Sandero und Fabia. Sogar die Gepäckräume warten zum Teil mit einem respektablen Volumen auf: Der Dacia nimmt 320 bis 1200 Liter Gepäck auf. Merklich weniger Stauraum bietet der Suzuki, dessen Kofferraum lediglich 201 bis 870 Liter fasst.

Dafür gefällt der Swift mit seinem herausnehmbaren Ladeboden, der eine beinahe ebene Ladefl äche erlaubt. Asymmetrisch umlegbare Lehnen im Fond haben alle. Bei der Sicherheitsausstattung tun sich hingegen riesige Lücken auf: Der Dacia etwa hat einen Bremsassistenten, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Isofi x, Seiten-Airbags vorn sowie Nebelscheinwerfer – sonst nichts. Nicht mal gegen Aufpreis.

KarosserieMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VFord Fiesta 1.4Suzuki Swift 1500Dacia Sandero 1.6 MPI
Raumangebot vorn10059635957
Raumangebot hinten10059393757
Übersichtlichkeit7042414348
Bedienung/ Funktion10085848369
Kofferraumvolumen1002320725
Variabilität10025252825
Zuladung/ Anhängelast8027242730
Sicherheit15071635032
Qualität/ Verarbeitung200142139114110
Kapitelbewertung1000533498448453

 

Fahrkomfort

Die aufpreispflichtigen Sportsitze im Fabia-Testwagen bieten nicht nur guten Seitenhalt, sondern sind auch bequem. Hinten sitzt es sich ebenfalls entspannt – dank guter Beinauflage. Da können die anderen drei nicht mithalten. Dem Fiesta-Gestühl mangelt es an Seitenführung, und die Sitzposition im Dacia ist zu hoch. Die billigen Bezüge von Sandero und Swift wirken schon nach kurzer Zeit schweißtreibend.

Zu heiß wird es aber in keinem der Testwagen dank Klimaanlage, die jedoch nur in Skoda und Suzuki zum Standard gehört. Der Fabia erfreut mit den individuellsten Einstellmöglichkeiten und der einfachsten Bedienung. Auch beim Federungskomfort hat der Skoda die Nase vorn, wenn auch nur knapp vor Dacia und Ford. Leer spricht seine Federung etwas sensibler an, beladen gibt es keinen spürbaren Unterschied. Der Suzuki nimmt kurze Stöße etwas unsanft auf und quittiert Querfugen trocken. Zum Schluss liegt er auf Platz vier in diesem Kapitel knapp hinter dem Dacia Sandero, der vor allem in Sachen Ergonomie und Geräuscheindruck Federn lässt.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VFord Fiesta 1.4Suzuki Swift 1500Dacia Sandero 1.6 MPI
Sitzkomfort vorn15090817872
Sitzkomfort hinten10056454645
Ergonomie15011612111093
Innengeräusche5034322623
Geräuscheindruck10064666158
Klimatisierung5034222514
Federung leer20011411293110
Federung beladen20010810880108
Kapitelbewertung1000616587519523

 

Motor und Getriebe

Im Antriebskapitel geht es bei diesem Vergleich weniger um spektakuläre Fahrleistungen als um abgas- und verbrauchsarme Motoren. Der Ford Fiesta 1.4 demonstriert dabei anschaulich, wie effizient ein moderner Benziner arbeitet: Sein Testverbrauch von 6,3 Litern auf 100 Kilometern wiegt das für 96 PS eher verhaltene Temperament des Kölners auf. Zudem verspricht Ford einen CO2-Ausstoß von lediglich 133 Gramm pro Kilometer.

Der 1.6 MPI im Dacia hingegen erlaubt trotz seiner unwilligen und etwas rauen Art muntere Fahrleistungen, die er sich aber mit einem Testverbrauch von 8,4 Litern vergüten lässt. Auch die beiden Getriebe sind völlig unterschiedlich: hakelig im Sandero, leicht und knackig im Fiesta. Ähnlich exakt operiert die Schaltung im Fabia, dessen 1,6-Liter-Motor mit langhubiger Auslegung kultiviert läuft und das höchste Drehmoment aufbietet. 153 Newtonmeter bei 3800 Umdrehungen und 105 PS verleihen ihm spürbar mehr Gelassenheit als seinen Mitstreitern.

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Als quirligster Antrieb erweist sich aber der 102 PS starke 1500er im Suzuki Swift. Am Start nervt der Japaner zwar noch mit einer etwas gefühllosen Kupplung und einer leichten Anfahrschwäche, doch seine Drehfreude und das gegenüber dem Fabia um 110 Kilo geringere Leergewicht verhelfen ihm zu den flottesten Fahrleistungen. Dabei bleibt der Verbrauch mit 6,9 Litern im Test erfreulich bescheiden. Die manuelle Fünfgangschaltung arbeitet auf kurzen Wegen, fühlt sich jedoch recht knorpelig an.

Die Höchstgeschwindigkeit der vier Kleinwagen auszunutzen, empfiehlt sich nur bedingt, denn dann strapazieren die Motoren in allen vier Kandidaten die Ohren ihrer Insassen mit kernigem und lautem Vierzylinder-Dröhnen.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VFord Fiesta 1.4Suzuki Swift 1500Dacia Sandero 1.6 MPI
Beschleunigung15096899988
Elastizität10059526059
Höchstgeschwindigkeit15046344234
Getriebeabstufung10085877570
Kraftentfaltung5026252422
Laufkultur10065665850
Verbrauch325245262251222
Reichweite2511121110
Kapitelbewertung1000633627620555

 

Fahrdynamik

Ob kalt oder warm: Der Ford trumpft in diesem Test mit den kürzesten Bremswegen auf. Sind die Stopper kalt, steht der Kölner schon nach 34,8 Metern. Das ist beinahe Oberklasseniveau. Auchdie Verzögerungswerte des Skoda sind sehr gut, der Suzuki liegt leicht hinter dem Tschechen. Der Dacia schrammt mit warmer Bremse knapp an der 40-Meter-Marke vorbei, sind die Scheiben kalt, braucht er noch akzeptable 38,5 Meter aus Tempo 100 bis zum Stillstand.

Bei flotter Kurvenfahrt und Lastwechseln tendiert der Sandero zum Aufschaukeln, außerdem fällt er mit vergleichsweise großen Lenkwinkeln auf. Im Grenzbereich untersteuert der Rumäne gutmütig. Schießt man jedoch übers Ziel hinaus, schiebt er vehement über die Vorderräder, und das fehlende ESP macht sich bemerkbar.

Das Fahrverhalten des Fabia ist narrensicher. Erst bei hohen Kurventempi beginnt er sanft zu untersteuern – das serienmäßige ESP muss nur selten eingreifen. Mehr Arbeit hat die elektronische Schlupfregelung, denn beim Herausbeschleunigen aus engen Ecken fehlt es dem durchzugsstarken Skoda trotz 16-Zoll-Bereifung etwas an Traktion.

Im Fiesta und im Swift kann man das ab Werk eingebaute ESP gar nicht erst abschalten. Trotzdem bieten beide eine Menge Fahrspaß. Besonders der Fiesta begeistert mit toller Straßenlage und direkter Lenkung. Der handliche Suzuki neigt bei Lastwechseln leicht zum Übersteuern, wobei das ESP sofort rettend eingreift. Seine abschaltbare Antriebsschlupf-Regelung lohnt höchstens auf tief verschneiten Strecken, denn der Swift ringt wie der Fabia um Halt bei Vollgas am Kurvenausgang. Trotzdem umrunden beide den Handlingkurs am schnellsten und bieten die höchsten Reserven bei Kurvenfahrt.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VFord Fiesta 1.4Suzuki Swift 1500Dacia Sandero 1.6 MPI
Handling15052495244
Slalom10064596158
Lenkung10065655854
Geradeauslauf5035363335
Bremsdosierung3018201411
Bremsweg kalt150811027666
Bremsweg warm15075976754
Traktion10029322728
Fahrsicherheit15011812010285
Wendekreis2018172014
Kapitelbewertung1000555597510449

 

Umwelt und Kosten

Wer sich für den Dacia Sandero entscheidet, muss sich zwar mit 87 PS bescheiden und gänzlich auf ein ESP verzichten, aber dafür glänzt der Rumäne mit einem unschlagbar günstigen Neupreis: exakt 10 000 Euro. Und zwar inklusive der Lauréate-Ausstattung. Auch der Wertverlust hält sich in Grenzen, denn obwohl der Renault-Ableger nach vier Jahren 60 Prozent einbüßt, entspricht dies relativ moderaten 6000 Euro. Der wertstabilste Kleinwagen in diesem Quartett, der Skoda Fabia, verliert 57 Prozent in vier Jahren, was jedoch einem Gegenwert von 9017 Euro entspricht. Sein größter Bonus sind die sauberen Abgase. Trotz des zweithöchsten Verbrauchs und 165 g Kohlendioxid pro Kilometer heimst er in der Emissionsbeurteilung die meisten Zähler ein. Außerdem offeriert er als einziger eine unbefristete Mobilitätsgarantie.

Als preiswert im eigentlichen Sinn entpuppt sich auch der Suzuki. Zwar kostet er mindestens 15 500 Euro, doch andererseits beinhaltet die Comfort-Ausstattung auch schon fast alles, was das Herz begehrt – lediglich Metalliclack kostet 380 Euro zusätzlich.

In der Preisliste des Fiesta hingegen finden sich etliche Optionen,
die es gestatten, sich den Wagen nach Belieben zu verfeinern. Allerdings addieren sich die Aufpreise dann rasch zu einer erklecklichen Summe. Der niedrige Verbrauch mindert die laufenden Kosten. Übrigens: Wegen des sehr guten CO2-Wertes (133 g/km) und einem maßvollen Hubraum von nur 1,4 Litern kostet der Ford ab dem 1. Juli nur noch 54 Euro Steuern pro Jahr. Nach der bisherigen Formel waren es 95 Euro. Für den Dacia Sandero wurden indes bislang 108 Euro fällig – jetzt beläuft sich die Steuer auf 132 Euro jährlich.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VFord Fiesta 1.4Suzuki Swift 1500Dacia Sandero 1.6 MPI
Bewerteter Preis675308331312421
Wertverlust5033343244
Ausstattung25162211
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028182521
Werkstattkosten2016141514
Steuer109999
Versicherung4037343434
Kraftstoff5540424136
Emissionswerte2588838684
Kapitelbewertung1000575567575664

 

Fazit

Der Erfolg des Skoda Fabia hat viele Gründe – genau wie sein Sieg in diesem Vergleich. Der Tscheche mit VW-Genen überzeugt mit Platz, Qualität, Sicherheit, Komfort, Fahrleistungen bei niedrigem Verbrauch, sicheren Fahreigenschaften und fairen Kosten. Der zweitplatzierte Ford Fiesta ist ein hartnäckiger Konkurrent und fährt noch sparsamer. Doch unterm Strich ist er teurer. Sein Bonus sind die exzellenten Bremsen. Der Suzuki zeigt Defizite im Raumangebot und beim Komfort, der konkurrenzlos günstige Dacia verlangt nach Abstrichen bei der Sicherheit.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VFord Fiesta 1.4Suzuki Swift 1500Dacia Sandero 1.6 MPI
Summe50002912287626722644
Platzierung1234

Tags:

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