Die Herren im Anzug - Diesel-Limousinen mit 150 bis 180 PS Die Herren im Anzug

01.12.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Wer sich heute für eine Limousine im Business-Dress entscheidet, wählt gern die Dieselversion, denn die modernen Selbstzünder garantieren viel Kraft und günstige Kosten. Welchen kaufen, wenn es um Modelle oberhalb von 35 000 Euro geht? Start frei für eine neue Runde im Wettstreit der Premium-Liga

Wer in Deutschland eine Oberklasse-Limousine fährt, hat neben mehreren Nadelstreifenanzügen und vielen dezenten Krawatten meist eine Dienstwagenberechtigung, die sich exakt am beruflichen Aufstieg orientiert. Oder ein gut gefülltes Konto für den problemlosen Privatkauf. Entsprechend hoch sind die Forderungen nach Platz und Prestige. Dafür käme bei den Dieseln natürlich die Mercedes E-Klasse in Frage - in der vierzylindrigen Vernunft-Motorisierung als E 220 CDI mit 2,2 Liter großem Vierzylinder, 150 PS und Rußpartikelfilter zum Preis von 39092 Euro. Oder eine rund 1200 Euro günstigere Limousine aus Ingolstadt, nämlich der Audi A6 2.7 TDI, der zudem zwei zusätzliche Zylinder und 30 PS mehr bietet. Oder der BMW 520d mit seinem 163 PS starken Vierzylinder, der sogar fast 3200 Euro weniger als der Mercedes kostet. Ist günstiger hier vielleicht auch besser?

 

Karosserie

Beim Raumangebot ist der Audi großzügig, hier haben Fahrer und Beifahrer viel Bewegungsfreiheit. Da müssen BMW und Mercedes zurückstecken. Soll das Ladevolumen vergrößert werden, gibt es für alle drei gegen teils deftige Aufpreise geteilt klappbare Rücksitzlehnen (Audi 290, BMW 480, Mercedes 505 Euro). Bei der Zuladung liegt der Mercedes mit 485 Kilo vorn (Audi 425, BMW 410 Kilo), in puncto Bedienungsfreundlichkeit gefällt der Audi mit der zentralen MMI-Bedieneinheit (Multi-Media-Interface), die über Zusatztasten den Direktzugriff auf wichtige Features ermöglicht. Daran reicht das Ein-Knopf-iDrive-System des BMW trotz des blickfreundlich hoch platzierten Displays nicht heran, zumal hier die Frischluftverteilung umständlicher geregelt wird. Besser schneidet der Mercedes mit konventionellen Bedienelementen ab. Aber auch hier gibt es Kritik, für die Scheibenwischerbedienung im Blinkerhebel. Die Qualitätswertung entscheidet der Audi für sich, er wirkt am hochwertigsten. BMW und Mercedes können hier sowohl bei der Materialanmutung als auch bei der Liebe zum Detail nicht ganz mithalten. Dafür punktet der BMW bei der Sicherheitsausstattung: adaptives Bremslicht und Runflat-Reifen, die im Pannenfall die Weiterfahrt erlauben.

KarosserieMax. PunkteAudi A6 2.7 TDIBMW 520 dMercedes E 220 CDI
Raumangebot vorn100887980
Raumangebot hinten100878579
Übersichtlichkeit70545355
Bedienung/ Funktion100836576
Kofferraumvolumen100646163
Variabilität100101010
Zuladung/ Anhängelast80323238
Sicherheit150108117103
Qualität/ Verarbeitung200175165170
Kapitelbewertung1000701667674

 

Fahrkomfort

Einerseits erhöhen die Runflat-Reifen die Sicherheit, andererseits sind sie auf Grund der harten Reifenflanken für Komforteinbußen mitverantwortlich. So kann der BMW etwa Brückenfugen oder Fahrbahnkanten nicht so souverän wegfiltern wie die Konkurrenz. Stets hat man das Gefühl, mit zu hohem Luftdruck unterwegs zu sein. Dafür absolviert er Schlechtwegstrecken mit weniger Karosseriebewegungen als der Mercedes. Dessen Federung wiederum wirkt schluckfreudiger, wenngleich er auf Bodenwellen etwas stärker zum Nachschwingen neigt. Geradezu mustergültig absorbiert der Audi mit seiner - allerdings aufpreispflichtigen, Luftfederung (1900 Euro) Straßenschäden aller Art und liegt dabei dennoch ruhig auf der Straße. Beim Sitzkomfort profitieren die Audi- und BMW-Insassen von den optionalen Sport- (Audi 590 Euro Aufpreis) oder Komfortsitzen (BMW: 1950 Euro), wobei sich die Frontpassagiere insbesondere auf dem BMW-Gestühl am besten aufgehoben fühlen. Die Mercedes-Sitze könnten dagegen mehr Seitenhalt vertragen. Und: Sowohl der Schalldruckpegel bei den Fahrgeräuschen als auch der gesamte Geräuscheindruck machen den Audi zum akustisch angenehmsten Business-Begleiter.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A6 2.7 TDIBMW 520 dMercedes E 220 CDI
Sitzkomfort vorn150132140130
Sitzkomfort hinten100688072
Ergonomie150120110112
Innengeräusche50403836
Geräuscheindruck100827875
Klimatisierung50444444
Federung leer200175160165
Federung beladen200170155160
Kapitelbewertung1000831805794

 

Motor und Getriebe

Im Audi mit dem TDI-Logo auf dem Kofferraumdeckel arbeitet ein V6-Motor mit Common-Rail-Technik. Das 2,7 Liter große Aggregat besitzt eine Einspritzanlage mit Piezo-Injektoren, die bis zu fünf Einspritzvorgänge pro Arbeitstakt ermöglichen und dadurch eine bessere Kraftstoffdosierung und Laufkultur bewirken. Ergebnis: Das 180-PS-Triebwerk ist ein spontan ansprechender Leisetreter, der druckvoller und kultivierter als die Konkurrenz zur Sache geht. Selbst an der Drehzahlgrenze verkneift er sich ungebührliche Dröhnfrequenzen. Den gepflegten Auftritt unterstützt das präzise schaltbare Sechsgang-Getriebe, mit dem Gangwechsel zur Freude werden. Allerdings sind Schaltvorgänge angesichts des maximalen Drehmoments von 380 Nm, das sich von 1400 bis 3300 /min erstreckt, oft nicht nötig. Der Testverbrauch ist mit 9,4 Liter Diesel aber zu hoch. Dafür entschädigt der Audi mit den besten Fahrleistungen (siehe S. 28). Der 150 PS leistende 2,2-Liter-Vierzylinder des Mercedes ist sparsamer (8,1 Liter) und reagiert ebenfalls spontan aufs Gaspedal. Beim Ausdrehen wird er aber knurrig laut. Andererseits: Obwohl der schwächste im Bunde, wirkt er nicht untermotorisiert. Zu bemängeln ist das Getriebe, das beim Gangwechsel mit Hakeligkeit nervt. Hier punktet der BMW mit der bekannten Güte seiner Schaltmechanik. Auch läuft sein Zwei-Liter-Aggregat drehfreudiger und klar kultivierter als der Mercedes-Motor. In der Beschleunigung liegt der BMW fast gleichauf mit dem Mercedes, in der Höchstgeschwindigkeit übertrifft er ihn mit 223 km/h um sieben Stundenkilometer. Wegen des kleinen Hubraums muss der Fahrer im BMW jedoch öfter schalten. Gut: Der Weiß-Blaue offeriert den im Vergleich niedrigsten Dieselverbrauch: 7,8 Liter auf 100 Kilometern.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A6 2.7 TDIBMW 520 dMercedes E 220 CDI
Beschleunigung150146142138
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1501009386
Getriebeabstufung100919375
Kraftentfaltung50403434
Laufkultur100847369
Verbrauch325146162159
Reichweite25273530
Kapitelbewertung1000634632591

 

Fahrdynamik

Dank seiner direkten Lenkung lässt sich der BMW wesentlich präziser durch Kurven dirigieren als die Konkurrenten, das zeigte sich auf der Teststrecke in Arles/Südfrankreich. Sein spontanes Einlenkverhalten sorgt für Agilität. Das neutrale Eigenlenkverhalten des Hecktrieblers wird im Grenzbereich von sanfter Übersteuertendenz abgelöst, der sich das DSC (ESP) mit feinen Regelintervallen annimmt. Dass der Münchner auf dem Handlingparcours dennoch nur 0,6 Sekunden hinter dem stärkeren Audi zurückbleibt, spricht für ihn. Der Ingolstädter ist nicht ganz so agil. Im Grenzbereich kämpft sein ESP gegen teils kräftige Untersteuertendenzen an. Auch beschert ihm der schwere V6-Motor im Bug ein trägeres Einlenkverhalten, als dies beim BMW der Fall ist. Zwar agiert die Lenkung ausreichend präzise, lässt aber zuweilen Antriebseinflüsse deutlich spüren. Dafür bremst der Audi (36,7 Meter Kalt-/37,2 Meter Warmbremswert) besser als der BMW (38,7 Meter kalt, 38,1 Meter warm). Die kürzesten Bremswege erzielt der Mercedes (36,5 Meter kalt, 36,6 Meter warm). Dennoch bleibt die Dosierbarkeit der Mercedes-Bremse deutlich hinter der des Audi und erst recht hinter der des BMW zurück. Überhaupt spielt der Mercedes, wie übrigens auch der Audi, eher die Komfort- als die Dynamikkarte aus. In Kurven reagiert der Stuttgarter - wie der BMW - zunächst neutral, bevor er in sanftes übersteuern wechselt und vom ESP eingebremst wird. Jedoch verlangt sein Lenkrad nach spürbar größeren Winkeln, um den Kurs zu halten. Auch sollte die Lenkung mehr Rückmeldung vermitteln. Zudem erschweren die deutlich ausgeprägteren Karosseriebewegungen das zielgenaue Dirigieren. Auf der Autobahn bleibt der Mercedes beim Geradeauslauf ebenfalls hinter BMW und Audi zurück.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A6 2.7 TDIBMW 520 dMercedes E 220 CDI
Handling150999788
Slalom100425032
Lenkung100808465
Geradeauslauf50464342
Bremsdosierung30172011
Bremsweg kalt150123103125
Bremsweg warm150118109121
Traktion100424547
Fahrsicherheit150123115122
Wendekreis204912
Kapitelbewertung1000694675665

 

Umwelt und Kosten

Dank Rußfilter wird der Partikelausstoß bei allen drei Kontrahenten drastisch reduziert. Mit Ausnahme des Kohlenmonoxids glänzt der BMW bei den übrigen Abgaswerten mit dem geringsten Schadstoffausstoß. Zur guten Umweltbilanz kommen der hier günstigste Kaufpreis, die niedrigste Kfz-Steuer, der kleinste Wertverlust und die laut ADAC geringsten Werkstattkosten hinzu. Eine deutlich dickere Brieftasche sollte haben, wer sich für den Mercedes entscheidet, denn der Stuttgarter kostet einschließlich der AZ-Normausstattung über 3200 Euro mehr als der BMW und immer noch über 1300 Euro mehr als der Audi. Dennoch ist der A6 das Schlusslicht im Kostenkapitel. Er wird wegen des hier größten Wertverlustes, der höchsten Kfz-Steuer und der üppigsten Kraftstoffkosten deutlich eingebremst. Aber das ändert nichts daran, dass sich der Ingolstädter in diesem Vergleich verdient den Gesamtsieg holt.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A6 2.7 TDIBMW 520 dMercedes E 220 CDI
Bewerteter Preis675320326317
Wertverlust50495250
Ausstattung25484848
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50241427
Werkstattkosten20424339
Steuer10192826
Versicherung40353535
Kraftstoff55353837
Emissionswerte25778079
Kapitelbewertung1000649664658

 

Fazit

Mit viel Platz, hohem Komfort und guten Fahrleistungen entscheidet der Audi A6 2.7 TDI den Test für sich. Jedoch trübt der hohe Verbrauch das Bild. Dagegen übernimmt der zweitplatzierte BMW die Rolle des fahraktiven Business-Typs, der zudem mit einer attraktiven Preisgestaltung überzeugt. Mercedes dagegen muss in diesem Vergleich kräftig Federn lassen: Der E-Klasse merkt man an, dass sie etwas in die Jahre gekommen ist. Zwar ist der E 220 CDI nach wie vor eine hochwertige Reiselimousine, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Konkurrenz mehr Auto für weniger Geld bietet.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A6 2.7 TDIBMW 520 dMercedes E 220 CDI
Summe5000350934433382
Platzierung123

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