Die drei Muskeltiere - Kleinwagen mit Turbo Die drei Muskeltiere

01.12.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Turbo-bewehrte Mini Cooper S reitet mit 174 Pferden für den Sieg im Segment der sportlichen Kleinwagen. Die aufgeladenen Mitstreiter von VW und Peugeot weichen ihm dabei nicht von der Seite. Welcher von ihnen ist einer für alle Gelegenheiten?

Vier Mal in Folge, von 1964 bis 1967, passierte ein Mini Cooper S als Erster die Ziellinie bei der Rallye Monte Carlo. Der von 1959 bis zum Jahr 2000 gebaute Mini war das Urmeter des wendigen kleinen Kurvenräubers. 2001 debütierte der Nachfolger – nicht mehr ganz so Mini, aber ebenfalls sportlich und agil. Sein 1,6-Liter-Benziner entsprang einer Kooperation mit Chrysler und konnte auch mit Kompressoraufladung nie vollends überzeugen. Nun steht die dritte Generation in den Startlöchern zum Kurvenräubern, als Cooper S mit neuem Turbomotor. Zeit, die Konkurrenz von Peugeot und VW herauszufordern.

 

Karosserie

Auch beim neuen Mini hielten seine Erbauer am Prinzip des kompakten Kleinwagens fest. Zwar wuchs er gegenüber dem Vorgänger um 4,4 Zentimeter in der Länge, der Innenraum ist aber nach wie vor knapp geschnitten. Vor allem im Fond geht es eng zu. Die relativ kleinen Fenster wirken beinahe wie Schießscharten. Dennoch ist der Mini beim Einparken etwas übersichtlicher als seine Konkurrenten. Vorn wirken Polo und vor allem der Peugeot deutlich ausgewachsener, letzterer bietet wegen seiner niedrigen Gürtellinie ein besonders großzügiges Raumgefühl. Hinten hat der Polo mehr Platz im Angebot. Das gilt auch für den Kofferraum, der bei umgeklappter Rücksitzbank immerhin 1030 Liter Ladevolumen bereit hält und so zum gelegentlichen Transport von Kleinmöbeln taugt. Der Mini spart am falschen Ende, nämlich an der Sicherheit. Ein Einklemmschutz für die elektrischen Fensterheber fehlt, und die elektronische Fahrdynamikregelung DSC kostet 340 Euro extra, während das ESP bei Peugeot und VW serienmäßig ist. Der 207 bringt überdies sogar Kurvenlicht und Kopfairbags ab Werk mit. Die Luftkissen kosten bei VW rund 440 Euro. Das etwas verspielte Mini-Interieur vermittelt aber, abgesehen von den wackeligen Drehknöpfen für die Radiobedienung, eine höhere Wertigkeit als das von VW und Peugeot.

KarosserieMax. PunkteVW Polo GTIPeugeot 207 150 TurboMini Cooper S
Raumangebot vorn100606355
Raumangebot hinten100403925
Übersichtlichkeit70656166
Bedienung/ Funktion100868275
Kofferraumvolumen100373620
Variabilität100202020
Zuladung/ Anhängelast80292818
Sicherheit1508010084
Qualität/ Verarbeitung200145134155
Kapitelbewertung1000562563518

 

Fahrkomfort

Die VW-Sitze offerieren den besten Seitenhalt und sind auch auf Langstrecken bequem. Auf der angenehm straff gepolsterten Rückbank kann man es ebenfalls gut aushalten. Im Mini taugt die Rücksitzbank im günstigsten Fall für Grundschulkinder. Bei langbeinigen Fahrer(innen) und entsprechend eingestellten Vordersitzen schmilzt der hintere Knieraum auf Null. Vorn könnten die Mini-Sitze mehr Seitenhalt gewähren. Nicht optimal: die Rastenverstellung der Lehnen. Auch beim Peugeot lassen sich die vorderen Sitzlehnen nicht stufenlos einstellen. In Sachen Seitenführung rangiert das Peugeot-Gestühl dagegen fast auf VW-Niveau. Im Fond bietet der Franzose deutlich mehr als der Mini, reicht an den Sitzkomfort des Wolfsburgers auf Grund geringerer Ellenbogenfreiheit und steilerer Rückbanklehne jedoch nicht heran. Auch unter ergonomischen Gesichtspunkten macht dem Polo keiner etwas vor: Alle Bedienelemente sind genau dort platziert, wo man sie erwartet. Eher verspielt dagegen der Mini: Die Bedienung von Radio und Bordcomputer erschließt sich nicht auf Anhieb. Außerdem ist die Fanghakenentriegelung der Motorhaube zu weit innen platziert. Und für einen Blick auf die riesige zentrale Tachoeinheit, die auch die Tankanzeige birgt, muss der Fahrer seinen Blick zu weit weg vom Geschehen auf der Straße nehmen. Im Peugeot sind die inneren Türöffner zu weit vorn angebracht. Dafür entscheidet er die Akustikwertung für sich. Objektiv ist er der Leiseste des Trios, nur Poltergeräusche aus dem Fahrwerk trüben den ansonsten guten Eindruck. Deutlich präsenter, aber nicht unangenehm ist das Klangbild im Mini. Man hört jede Regung des Motors, ohne jedoch von ihm belästigt zu werden. Das gelegentliche Auspuffblubbern im Schiebebetrieb entpuppt sich als Ohrenschmaus. Der Polo-Motor gibt bei niedrigen Drehzahlen ein röchelndes Ansauggeräusch von sich, um bei höheren Drehzahlen kernig zu trompeten - auf langen Autobahnetappen jedoch etwas zu aufdringlich. Der VW federt sehr ausgewogen: Grundsätzlich straff, leer wie beladen mit gutem Schluckvermögen gesegnet und für Sportfahrwerksverhältnisse relativ geschmeidig abrollend, stellt diese Abstimmung einen guten Kompromiss dar. Auch im Mini arbeiten Federn und Dämpfer harmonisch zusammen. Die Peugeot-Federung gerät auf der Marterstrecke schneller an ihre Grenzen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Polo GTIPeugeot 207 150 TurboMini Cooper S
Sitzkomfort vorn1501008585
Sitzkomfort hinten100565133
Ergonomie150123120110
Innengeräusche50142616
Geräuscheindruck100555961
Klimatisierung50303619
Federung leer200112107112
Federung beladen200110104110
Kapitelbewertung1000600588546

 

Motor und Getriebe

Dank 24 PS Mehrleistung fährt der Cooper S der Konkurrenz auf und davon. Auch subjektiv spielt der Motor in einer anderen Liga: Geradezu bissig ansprechend, ohne jedes Turboloch, mit reichlich Drehmoment (bei Overboost: 260 Nm) bereits bei weit unter 2000 Umdrehungen, dazu noch munter hochdrehend, ist dieser Direkteinspritzer ein Turbomotor, wie man ihn sich wünscht. Das von BMW gemeinsam mit dem PSA-Konzern entwickelte Triebwerk steckt auch unter der Haube des Peugeot, dort allerdings mit lediglich 150 PS. Hier gibt das Twin-Scroll-Turbotriebwerk ein gänzlich anderes Bild ab: das der kultivierten, unaufgeregten Komfort-Maschine mit linearer Kraftentfaltung. Der VW-Fünfventil-Turbo mit Saugrohreinspritzung läuft etwas rauer und generiert viel Druck aus dem Keller, ist aber nicht ganz so drehfreudig. Einzig der Mini verfügt über ein Sechsgang-Getriebe, das sich zudem knackig schalten lässt. VW und Peugeot vertrauen auf Fünfgang-Boxen, die auf der Autobahn ein hohes Drehzahlniveau bescheren. Die Schaltung des VW lässt keine Wünsche offen, beim Peugeot fehlt es dagegen an der nötigen Exaktheit. Mit einem Testverbrauch von 12,1 Liter Super pro 100 Kilometer markiert der Mini das Schlusslicht. Die Konkurrenten begnügen sich mit rund zehn Litern.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Polo GTIPeugeot 207 150 TurboMini Cooper S
Beschleunigung150155151161
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150868095
Getriebeabstufung100857790
Kraftentfaltung50333438
Laufkultur100616466
Verbrauch325137143119
Reichweite25121611
Kapitelbewertung1000569565580

 

Fahrdynamik

Dank seiner neuen und sehr direkt übersetzten elektromechanischen Servolenkung folgt der Mini Lenkbefehlen mit einem Maß an Rückmeldung, das im Testumfeld seinesgleichen sucht. Gepaart mit geringer Seitenneigung ist der Brite kurvengierig und lockt den Fahrer stets aufs Neue von der Autobahn auf verwinkelte Nebenstraßen. An der Reifenhaftgrenze schiebt er minimal über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand, bevor das sanft einsetzende DSC (ESP) dem Fahrer die Grenzen der Physik in Erinnerung ruft. Ähnliches erlebt man, wenn man in zu schnell angegangen Kurven vom Gas geht. Während das Heck kräftig eindreht, zieht das DSC sanft, aber bestimmt die Zügel an. Bei abgeschaltetem Schleuderschutz legt ein Könner gar die eine oder andere kurze, kontrollierte Drifteinlage hin. Die beste Verzögerung und der klare Druckpunkt der Bremse verhindern mitunter, dass dem Fahrer die Straße ausgeht. Von ganz anderem Naturell erscheint der Peugeot. Zwar ist seine Lenkung ebenfalls direkt, verlangt aber nach höherem Kraftaufwand und liefert nicht ganz die Rückmeldung wie die von Mini und GTI. Die 207-Bremse spricht deutlich giftiger an als bei Mini und VW. Im Grenzbereich lässt ihn das ESP an der langen Leine - das Heck dreht beim Gaslupfen in Kurven kräftig ein, bevor der Schleuderschutz schlagartig und vehement zubeißt, um den Franzosen achtern wieder einzufangen. Diese Eigenschaft ist für den Fahrer gewöhnungsbedürftig. Das Rundum-sorglos-Paket trägt das Kürzel GTI und kommt aus Wolfsburg. Es fährt sich aber auch etwas weniger agil als der Mini. Der Polo untersteuert stärker als Cooper S und der turbobefeuerte 207. Dafür ist die Eindrehtendenz seines Hecks deutlich geringer ausgeprägt, und seine Lenkung verlangt nach weniger Kraftaufwand als die des französischen Konkurrenten. Sowohl seine Bremswege als auch die des Peugeot reichen nicht an die des Mini heran.

FahrdynamikMax. PunkteVW Polo GTIPeugeot 207 150 TurboMini Cooper S
Handling150101100112
Slalom100676875
Lenkung100686675
Geradeauslauf50353335
Bremsdosierung30191921
Bremsweg kalt150121123138
Bremsweg warm150117120138
Traktion100333635
Fahrsicherheit150120110115
Wendekreis20171314
Kapitelbewertung1000698688758

 

Umwelt und Kosten

Bis auf den Metalliclack ist der 207 serienmäßig komplett ausgestattet. Auch der günstigste Grundpreis im Test, die relativ geringen Benzinkosten und die niedrigen Emissionen bringen den Franzosen nach vorn. Trotz des höheren Verbrauchs und teurer Versicherungsprämien siegt der Polo in diesem Kapitel knapp. Die Gründe hierfür liegen in den besseren Garantieleistungen und den mit Abstand niedrigsten Werkstattkosten innerhalb dieses Vergleichs. Da kann der Mini nicht mithalten. Das Kultmobil kostet - und zwar richtig. Der Cooper S ist etwa fast 2000 Euro teurer als der VW Polo GTI. Und dann sind Klimaanlage und das DSC (ESP) immer noch nur gegen Aufpreis zu haben. Das dünne Garantiepaket und die Kraftstoff-Aufwendungen reichen ihn nach hinten durch.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Polo GTIPeugeot 207 150 TurboMini Cooper S
Bewerteter Preis675374373368
Wertverlust50757275
Ausstattung25484945
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281914
Werkstattkosten20444140
Steuer10444545
Versicherung40394343
Kraftstoff55293125
Emissionswerte25818581
Kapitelbewertung1000762758736

 

Fazit

Was die Qualitäten des Antriebs und des Fahrwerks angeht, ist der neue Mini Cooper S nicht zu schlagen. Sein Kultstatus steht ohnehin außerhalb jeder Wertung. Doch der Preis, der hohe Verbrauch und das geringe Raumangebot verhindern eine bessere Platzierung. Und so empfiehlt er sich für jene, denen es in erster Linie auf den Fahrspaß ankommt. Letztendlich holt sich der ausgewogene VW Polo GTI den Sieg. Platz, Komfort und Kosten lassen ihn eifrig Punkte sammeln. Auch wenn er fahrdynamisch dem Mini nicht das Wasser reichen kann, empfiehlt er sich als sportlicher Allrounder. Der zweitplatzierte Peugeot 207 Platinum 150 Turbo erfährt mit dem neuen Motor eine deutliche Aufwertung. Dazu gefällt er mit relativ niedrigem Verbrauch und fairer Preisgestaltung. Der mäßige Federungskomfort und die Schwächen in der Fahrdynamik kosten ihn jedoch Punkte.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Polo GTIPeugeot 207 150 TurboMini Cooper S
Summe5000319131623138
Platzierung123

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