Kfz-Versicherung Deutschland: Rechte und Pflichten Klauseln und Fallstricke

12.10.2015

Das deutsche Versicherungsrecht gehört zu den kompliziertesten und umfangreichsten in Europa. Davon ist die Kfz-Versicherung nicht ausgenommen. Ratgeber

Jährlich kommen bei der Kfz-Versicherung in Deutschland neue Regelungen dazu oder die veränderten Bedingungen sorgen für Anpassungen an Beträge und Abgaben. Innerhalb der europäischen Union gibt es beispielsweise dank EU-Regelungen Mindestdeckungssummen der Kfz-Haftpflicht, damit bei Unfällen im Ausland nicht zu hohe Summen zu begleichen sind.

Seit 2009 gilt die Richtlinie, die für einige Länder fünf Jahre Übergangsfrist vorgesehen hat. So ist für Personenschäden ein Mindestdeckungsbetrag von 1.000.000 Euro je Unfallopfer oder 5.000.000 Euro je Schadenfall zu decken und für Sachschäden 1.000.000 Euro. Allerdings gibt es innerhalb der EU die Internationale Versicherungskarte für Kraftverkehr, die auch als Grüne Versicherungskarte bekannt ist, die es den Autofahrern erlaubt die Kfz-Haftpflichtversicherungs-Police des eigenen Landes zu nutzen.

Durch das Kennzeichenabkommen ist zwar diese Karte keine Verpflichtung mehr, doch bei Unfällen im Ausland erleichtert sie die Abwicklung. 46 Länder wenden aktuell das System an, doch nicht überall sind die Mindestforderungen der EU durchgesetzt. So gibt es in der Türkei nur rund 421.000 Euro pro Person bei Personenschäden, während in Norwegen, Luxemburg oder Frankreich unbegrenzte Deckungssummen vorliegen.

Quelle: statista.com

Trotz der Vernetzung in Europa und der Vereinfachung vieler Vorgänge sind in Kfz-Versicherungen viele Fallstricke und problematische Formulierungen oder Bedingungen enthalten, die der Autohalter genauer untersuchen sollte.

 

Die typischen Fallstricke der Kfz-Versicherung

Wer eine Kfz-Versicherung abschließt, will die bestmögliche Option für sich auswählen und so wenig Geld wie möglich bezahlen müssen.

Die unterschiedlichen Tarife machen es vielen nicht leicht, den Überblick zu behalten, denn in die Versicherungssumme fallen neben Modell, Kilometerleistung und CO2-Emissionen auch weitere Bedingungen wie das Unterstellen des Fahrzeugs in einer Garage, Alter oder die Anzahl der Fahrer.

Dabei sollten die Fahrzeughalter nicht ausschließlich auf die geringe Versicherungssumme achten, sondern darauf, dass sie im Fall eines Unfalls ausreichend und umfangreich geschützt sind. Viele Zusatzoptionen sind nur für bestimmte Personen notwendig, wie beispielsweise alle Tierschäden für ländliche Gebiete oder Folgeschäden bei Marderbissen, wenn das Auto nicht in einer Garage untergebracht sein kann.

Je mehr Rabatte vorliegen, desto höher steigt der Grundtarif, so eine Faustregel. Vor allem bei den Rabatten mit Vertragsstrafen sollten die Fahrzeughalter genauer hinsehen. Wer beispielsweise einen Garagen-Rabatt abgeschlossen hat, kann Probleme bekommen, wenn das Auto bei einem Diebstahl nicht in der Garage gestanden hat.

Steht in der Versicherung, dass der Wagen in der Garage stehen „muss“, so können die eingetragenen Vertragsstrafen eingefordert werden, wie ein zusätzlicher Jahresbeitrag und der Wegfall des Rabattes. Diese kleinen Formulierungen lassen sich bei fast allen Rabatten finden und sollten genau analysiert werden. Gibt es einschränkende Wörter wie „meist“ oder „regelmäßig“, ist die Versicherungsfrage oft Verhandlungssache.

In Deutschland sind die Haftungsobergrenzen vom Gesetzgeber vorgeschrieben und liegen bei mindestens 7,5 Millionen Euro bei Personenschäden und 1,12 Millionen Euro bei Sachschäden, wobei viele Fachleute eine Erhöhung der Deckungssumme auf 100 Millionen Euro empfehlen, da sich dabei  die Summe nicht sonderlich erhöht. Ansonsten können bei Unfällen mit Personen- und Folgeschäden hohe Kosten aufkommen, die der Fahrer mit dem eigenen Privatvermögen zahlen muss.

Übrigens muss die so genannte „Mallorca-Police“, die bei Fahrten mit dem Mietwagen im Ausland von vielen Versicherungen empfohlen wird, nicht mehr abgeschlossen werden, da mittlerweile viele EU-Länder erhöhte Deckungssummen besitzen und diese nicht mehr durch die Extra-Police ausgeglichen werden muss. Ausführliche Informationen zu der Police und Versicherungsproblemen im Ausland erläutert wiwo.de.

Bei der Vollkasko oder Teilkasko sollten die Fahrer beachten, dass viele Versicherungen mit der Werkstattbindung abgeschlossen werden, welche meist die Partnerwerkstatt der Versicherung ist. Wird das Auto von einer anderen Werkstatt repariert, so übernimmt die Versicherung dabei meist nur 85 Prozent der Kosten oder sie fordert eine höhere Selbstbeteiligung.

Vor Abschluss dieses Vertrages sollten die Fahrzeughalter die Werkzeuglandschaft im Umfeld begutachten, um bei Schäden und Problemen keine weiten Anreisen vornehmen zu müssen. Dazu kommt, dass die Werkstätten oft ausgelastet sind und spezielle Schäden eventuell nicht beheben können. Bei Neuwagen mit Herstellergarantie ist eine Reparatur in der Markenwerkstatt jedoch immer zu empfehlen.

Bei der Teilkasko sind viele Gefahren bereits involviert, wie Brand, Explosionen, Sturm, Hagel, Blitzschlag und Überschwemmung, aber auch Zusammenstöße mit Wildtieren. Nicht als Brand gelten beispielsweise Schmor- oder Sengschäden und Motorexplosionen fallen ebenfalls nicht in die Versicherung. Diebstähle gehören zu den häufigsten Versicherungsgründen in Deutschland.

Quelle: gdv.de

Allerdings sind dabei ebenfalls die Klauseln im Vertrag zu beachten, denn die Definitionen von befugten und unbefugten Entwendungen können stark schwanken. In der Regel muss der Täter das Fahrzeug oder Teile entwendet haben, ohne eine rechtliche Grundlage dafür zu besitzen.

Wenn der Täter Teile geklaut hat, die er nicht wieder verwenden kann, wie abgebrochene Gegenstände oder eingeschlagene Scheiben, dann liegt Vandalismus vor, der in der Regel nicht versichert ist, außer es gibt eine Zusatz-Police.

Streit entsteht häufig bei abgeschlagenen Autospiegeln, die jedoch nicht vollständig entwendet worden sind. Die Vollkaskoversicherung deckt Schäden dieser Art ab.

Kuriose und trickreiche Versicherungsinhalte

Neben den offensichtlichen Fallstricken und den Hinweisen, auf welche die Versicherten zu achten haben, gibt es noch viele versteckte Inhalte und kuriose Bedingungen, die auf den ersten Blick normal erscheinen können.

Laut toptarif.de forderte etwa eine Versicherung in Großbritannien die Fahrzeughalterin auf, ihren Aufkleber zu entfernen, da es sich um eine Modifikation des PKW handelt, die im Vertrag nicht genehmigt wurde. Ist der Vertrag unterschrieben ist solch eine Klausel rechtens und der Sticker zu entfernen.

Viele Versicherungen bieten Schutz vor Erdrutschen, Lawinen und Vulkanausbrüchen, obwohl diese in Deutschland selten oder fast gar nicht vorkommen. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet von den bisherigen Erdrutschen in der Bundesrepublik, die jedoch meist glimpflich ausgefallen sind.

Bei einer Teilkaskoversicherung gibt es keine Übernahme der Kosten, wenn zum Beispiel Schnee von einem Dach fällt und das Auto beschädigt, da der Schutz vor dieser Naturgewalt nur in der Vollkasko zu finden ist.

Fährt eine Person während eines Sturmes gegen einen umgestürzten Baum, so muss die Versicherung dies nicht übernehmen, da der Versicherungsinhalt das Stürzen des Baumes auf das Fahrzeug vorsieht, als unmittelbare Einwirkung des Sturmes, außer es liegt eine Vollkasko vor.

Generell übernehmen Versicherungen keine Schäden durch Panik- oder Schreckreaktionen und wer bei Überschwemmungen sein Auto nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat, wird wegen grober Fahrlässigkeit selbst in die Tasche greifen müssen.

Bei Wildunfällen greift meist bereits die Teilkaskoversicherung, allerdings fallen nicht alle Tiere unter die Versicherung, denn nur das Haarwild des Jagrechtes ist bei Wildunfällen berücksichtigt. Nicht zum Haarwild gehören beispielsweise Kühe, Pferde, Hunde oder Katzen.

Auch Waschbären fallen noch nicht unter Haarwild. Zusätzlich dazu muss das Auto in Bewegung gewesen sein und falls das Wild überlebt, sollten sofort Polizei oder Jagdpächter den Unfall bestätigen, damit die Versicherung entsprechende Dokumente erhalten kann. Unfälle mit Federwild werden von einigen Policen nicht übernommen.

Diese Tiere fallen unter das Jagdrecht und deshalb stehen dort nicht alle Tiere aufgeführt, wie Biber, Bären oder Waschbären. Die meisten Hühner und Vögel schließt die Teilkasko jedoch aus, obwohl sie im Jagdgesetz eingetragen sind.

Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/

Einige Anbieter geben mit Zusatzversicherungen die Option sich vor Unfällen mit „Tieren aller Art“ zu schützen, andere listen die Tierarten in den Plustarifen zusätzlich auf.

Wer also mit einem Biber zusammenstößt, erhält in der Regel keine Erstattung der Schäden, doch bei einem Seehund wäre alles abgesichert, denn dieser steht ebenfalls im Jagdgesetz.

Experten raten dazu auch bei kleineren Tieren nicht auszuweichen, da der Schaden bei einem Aufprall meist gering ist und ein größerer Schaden beim Ausweichen entstehen kann.

Nach der Kollision sollte immer die Polizei benachrichtigt werden, denn falls das Tier überlebt hat, kann es von Fachkundigen gesucht und versorgt werden und die Versicherung erhält die Bestätigung des Unfalls.

Bei Marderbissen im Motorraum greift zwar in den meisten Fällen ebenfalls die Teilkasko, doch nicht immer werden alle Schäden übernommen. So zahlt die Versicherung in der Regel nur die unmittelbaren Schäden wie betroffene Schläuche und Kabel, doch die Folgeschäden für Motor und Bremse sind nicht enthalten.

Die Rückstufung in die unterschiedlichen Schadenfreiheitsklassen nach Unfällen sollten Versicherte in ihrem Vertrag genau untersuchen. Denn oftmals können die hohen Prämien erst nach Jahren wieder abgebaut werden.

Einige Versicherungen bieten dabei Rabattschutz an, der trotz Unfällen die festgelegte Schadenfreiheitsklasse nicht verändert, allerdings mit bis zu 15 Prozent Aufpreis belegt ist. Wer einen Versicherungswechsel vornimmt, kann in diesem Fall jedoch eine schlechtere Einstufung erhalten, da die Schäden dort ebenfalls anzugeben sind und der neue Versicherer die Rückstufung gemäß der Schäden vorschreibt.

Einige Policen geben diesen Rabatt nur bei jährlichen Unfällen, andere bei bis zu drei Unfällen im Jahr. Versicherungen mit Rabattschutz sollten also die Fahrer meiden, die bereits Unfälle hatten und in absehbarer Zukunft das Auto und die Versicherung wechseln werden.

AUTO ZEITUNG

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