Deutsche Sport-Elite: Audi R8, Mercedes SLS AMG, Porsche 911 Turbo Audi R8, Mercedes SLS, Porsche Turbo

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Audi R8, Mercedes SLS und Porsche Turbo bilden die Spitze des deutschen Sportwagenbaus. Mittel-, Front- und Heckmotor – dieser Vergleich ist auch ein Wettstreit der Konstruktionsprinzipien. Wer setzt sich durch?

Schon bei der Geburt des Porsche-Sportwagens mit Heckmotor haben Zweifler die Konstruktion totgesagt. Aber die Stuttgarter ließen sich nicht beirren und haben das Konzept bis zum heutigen Tag in penibler Entwicklungsarbeit perfektioniert. Der aktuelle Porsche 911 Turbo mit 500 PS dokumentiert eindrucksvoll, welches Potenzial in diesem Wagen steckt.

Auch das derzeit sportlichste Serien-Auto mit Mercedes-Stern, der Mercedes-Benz SLS AMG – Auf den Spuren der Carrera Panamerican, blickt auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. Er verkörpert – auch optisch – die lupenreine Reinkarnation des legendären Flügeltürers 300 SL aus den 50ern. Konstruktiv greift der aktuelle Supersportler die klassische Frontmittelmotor-Konstruktion des Ur-SL wieder auf, allerdings befl ügelt jetzt ein V8 mit 571 PS die Leichtbau-Karosserie.

Dritter im Bunde ist der Audi R8 mit einem 525 PS starken V10- Triebwerk, der zwar auf keinen direkten Vorgänger verweisen kann, aber dennoch genügend Rennsportgene besitzt. Schließlich reicht die Audi-Historie von den frühen Silberpfeilen der Auto Union bis hin zu den Rekordsieger- Prototypen der LeMans-Serie. Außerdem stecken mittlerweile 30 Jahre Erfahrung mit quattro-Technik in der Konstruktion des Allrad-Mittelmotor-Sportlers.

 

Karosserie

Die offensichtlichste Reminiszenz des Mercedes SLS AMG an seinen Urahn, die Flügeltüren, sind zugleich auch das prägende Element seiner Karosserie. Sie sorgen nicht nur für einen extravaganten Auftritt, sondern auch für einige Zugeständnisse: So erfordert der Einstieg nach gelenkigen Knochen, und das Öffnen und Schließen konventioneller Türen ist schlichtweg praktischer. Fallen die Flügel ins Schloss, ziehen Großgewachsene unwillkürlich den Kopf ein. Jedoch garantiert der geschickt ausgeformte Dachhimmel genügend Freiraum überm Scheitel. Zudem sorgt die opulente Breite des Fahrzeugs für ein üppiges Raumgefühl. In engen Autobahnbaustellen fordert die Breite von 1,94 Metern jedoch ein gutes Augenmaß.

Noch besser zielen muss man am Steuer des R8, dessen Mittelmotorbauweise besonders die Rücksicht begrenzt. Außerdem fällt der Vorderwagen so steil ab, dass man statt einer ellenlangen Haube wie im SLS bestenfalls noch die Scheibenwischer erkennt. Der zierlich dimensionierte 911er hingegen lässt sich erheblich besser überblicken. Dafür wirkt sein schmaler Innenraum beengter, punktet aber mit zwei Notsitznischen im Fond, die sich zwecks Gepäcktransport (190 Liter) umklappen lassen. Gut so, denn in den Schacht unter der vorderen Haube passen lediglich 105 Liter Gepäck. Der Audi bietet an gleicher Stelle 100 Liter Ladevolumen, weitere 90 Liter passen hinter die Sitze. Der Kofferraum im Heck des SLS Liter fasst 176 Liter, Jacken und sonstige Kleinteile verschwinden auch hier hinter den Sitzen.

Traditionell widmen sich die Techniker bei Mercedes intensiv dem Thema Sicherheit, was unter anderem dazu geführt hat, dass der SLS mit Knie-Airbags für Fahrer und Beifahrer aufwarten kann. Auch eventuellen Bedenken gegenüber dem Flügeltür-Konzept treten die Entwickler mit konsequenten Lösungen gegenüber: Sprengschrauben lösen die Pforten im Falle eines Überschlags aus ihren Scharnieren, sodass sie sich auch kopfüber öffnen lassen. In der Summe der Sicherheits-Features liegt allerdings der Audi R8 vorn, der übrigens als weltweit erstes Auto vollständig auf LED-Technik für die Scheinwerfer setzt.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 TurboAudi R8 5.2 FSI quattroMercedes SLS AMG
Raumangebot vorn100606567
Raumangebot hinten1001500
Übersichtlichkeit70402531
Bedienung/ Funktion100858881
Kofferraumvolumen100003
Variabilität100200
Zuladung/ Anhängelast801478
Sicherheit150859590
Qualität/ Verarbeitung200194193190
Kapitelbewertung1000495473470

 

Fahrkomfort

Zum Standardumfang des Zehnzylinder-R8 zählen ferner die adaptiven Dämpfer (magnetic ride), die auf Tastendruck zwischen komfortabel und dynamisch umschalten – oder dies in Notsituationen zugunsten einer optimalen Fahrstabilität automatisch erledigen.

Im Komfort-Modus erreicht der Audi einen verblüffend guten Federungskomfort, der vom recht guten Geräuschkomfort unterstrichen wird – außen röhrt der V10 indes am herzhaftesten

Der SLS hingegen berauscht innen und außen gleichermaßen mit seinem fulminanten V8-Sound. Jeder Gasstoß, jeder Zwischenspurt, jedes Schaltmanöver sorgt wegen des animalischen Klangs des 6,2-Liter-Saugers für Gänsehaut- Feeling. Doch das Spektakel kann auf Dauer auch nerven. Der Abrollkomfort des Testwagens gab sich selbst auf den extrem anspruchsvollen Schlechtwege-Strecken im Contidrom keine Blöße – obwohl das optionale AMG-Sportfahrwerk verbaut war (1428 Euro).

Trotz der wie im Audi serienmäßigen adaptiven Dämpfer (PASM), meldet der Porsche Fahrbahnschäden am unverholensten an seine Insassen weiter. Das liegt zum Teil auch daran, dass die unerschütterlich steife Karosserie so gut wie keine Impulse absorbiert. Der Klang des Sechszylinder-Boxers ist nach wie vor unverkennbar und versetzt nicht nur Porsche-Fans in Ekstase. Allerdings wird er nie so laut, dass er sich nicht auch langfristig genießen ließe – ohne deshalb an Faszination einzubüßen.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 TurboAudi R8 5.2 FSI quattroMercedes SLS AMG
Sitzkomfort vorn150138140144
Sitzkomfort hinten1001000
Ergonomie150128130121
Innengeräusche509127
Geräuscheindruck100868876
Klimatisierung50393838
Federung leer200103114111
Federung beladen200103114111
Kapitelbewertung1000616636608

 

Motor und Getriebe

Mag der Sound des Turbos für den einen oder anderen zu zivil ausfallen – seine Effizienz ist absolut unstrittig: Mit einem Testverbrauch von exakt 14,0 l/100 km schneidet der von zwei Ladern mit variabler Turbinengeometrie zwangsbeatmete Motor am besten ab. Der Audi R8 verfeuert 14,9 Liter, der Mercedes SLS AMG im Vergleich der Supersportwagen 15,6 Liter – allesamt Super Plus. Dabei fallen die Fahrleistungen des nominell „nur“ 500 PS starken 911 Turbo keineswegs sparsam aus. Vielmehr sprintet der Allradler schneller als seine Rivalen. Tempo 100 fällt in 3,2 Sekunden, 200 Sachen erreicht er binnen 10,6 Sekunden. Nur bei der Höchstgeschwindigkeit muss der Porsche (310 km/h) die Wettbewerber knapp ziehen lassen. Der Audi rennt 316 km/h, der Mercedes darf ganz genau ein km/h schneller laufen, bevor die Elektronik ihn zügelt. Zufall? Wohl kaum.

Seine Sprinterqualitäten verdankt der Turbo auch dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe, dass mit blitzschnellen Gangwechseln glänzt. Noch besser funktioniert allerdings das ebenfalls siebenstufi ge Getriebe mit Doppelkupplung im SLS, das noch zackiger auf Schaltbefehle reagiert und im Automatik-Modus noch geschmeidiger agiert. Der R8-Testwagen trat mit einem konventionellen Getriebe an, das zwar nicht ganz so fi x schaltet, aber dank der präzise geführten offenen Schaltkulisse bei jedem Gangwechsel entzückt, sobald der metallene Schaltknüppel vernehmlich klackend einrastet. Ein absoluter Genuss für Augen, Ohren und sensible Hände.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 TurboAudi R8 5.2 FSI quattroMercedes SLS AMG
Beschleunigung150152149149
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150135140140
Getriebeabstufung1009691100
Kraftentfaltung50504750
Laufkultur100909287
Verbrauch3251159885
Reichweite257109
Kapitelbewertung1000645627620

 

Fahrdynamik

www.autozeitung.de/vergleichstest/vergleichstest-sportwagen-0Gefühlvolle Finger sind auch am Lenkrad des Audi gefragt, zumindest dann, wenn man auf der Rundstrecke das volle Dynamik-Potenzial des Allradlers abruft. Nahe der Haftgrenze wird er nämlich leicht instabil und dreht sich – typisch für Mittelmotor-Autos – flugs ein. Auch starke Verzögerungen lassen das Heck spürbar leicht werden. Eine echte Überraschung ist diesbezüglich aber der Mercedes SLS, der bei brachialen Bremsmanövern mit einer ausgeprägten Instabilität verblüfft. Je welliger der Untergrund, desto deutlicher das Phänomen, dass die ABS-Steuerung an der Vorderachse die Bremsleistung zurücknimmt und somit ein Ausbrechen des Hecks verhindert, gleichzeitig aber den Bremsweg verlängert. Da ist rasch mal der geplante Einlenkpunkt verpasst … Ansonsten brilliert der AMG jedoch mit einem unglaublich hohen Grip – sowohl beim Beschleunigen als auch in Kurven. Wobei er mit steigendem Tempo immer stabiler wird. Ein Verdienst der ausgefeilten Aerodynamik. Einen so konsequent sportlich-agilen Mercedes sind wir noch nie gefahren!

Der Porsche 911 Turbo muss sich zwar in den reinen Zeiten um einige Zehntel geschlagen geben, jedoch vermittelt er nicht nur das sicherste, weil stabilste Fahrgefühl, sondern auch das präziseste Feedback. Und der Turbo überzeugt auch ohne die optionale Keramik- Bremse mit kurzen Bremswegen und einem sauber definierten Druckpunkt im Pedal.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 TurboAudi R8 5.2 FSI quattroMercedes SLS AMG
Handling150123123125
Slalom100878883
Lenkung1001009598
Geradeauslauf50384539
Bremsdosierung30242324
Bremsweg kalt150113102116
Bremsweg warm150120118120
Traktion100857865
Fahrsicherheit150139131128
Wendekreis201398
Kapitelbewertung1000842812806

 

Umwelt und Kosten

Bereits der Audi R8 5.2 FSI quattro sprengt mit 144.400 Euro Grundpreis übliche Preisvorstellungen, der Mercedes SLS AMG im Vergleich der Supersportwagen fällt mit 177.310 Euro sogar aus unserem Bewertungsschema, dass Fahrzeuge bis 175.000 Euro berücksichtigt. Doch diese Summen lassen sich noch steigern, wenn Optionen wie Keramik-Bremse, Karbon-Teile, Highend-Audioanlage oder Schalensitze geordert werden. Da kommen rasch weitere 15.000 bis 20.000 Euro zusammen.

Wer sich dennoch dafür interessiert: Audi und Porsche sind unterm Strich etwa gleich teuer, der Mercedes reißt hingegen ein noch größeres Loch in die Kasse.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 TurboAudi R8 5.2 FSI quattroMercedes SLS AMG
Bewerteter Preis6759130
Wertverlust50100
Ausstattung25251525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50192827
Werkstattkosten209139
Steuer10645
Versicherung40380
Kraftstoff55181613
Emissionswerte25847980
Kapitelbewertung1000174176159

 

Fazit

Da sage noch einer, das Heckmotor-Konzept könne nicht funktionieren. Trotz des vermeintlichen Leistungsmankos behauptet sich der Porsche 911 Turbo in diesem Test als bester deutscher Sportwagen. Der Audi R8 5.2 FSI quattro beherrscht den Spagat zwischen Sport und Komfort so gut wie kein anderer – und wird Zweiter, während der kompromisslos sportliche Mercedes SLS AMG auf dem dritten Platz landet. Als authentische Neuauflage der SL-Legende ist er aber unvergleichlich gut.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 TurboAudi R8 5.2 FSI quattroMercedes SLS AMG
Summe5000277227242663
Platzierung123

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