Deutsche Kult-Neuheiten: Audi A2, Ford Capri, Opel Omega, VW Scirocco Neue Bekannte

16.06.2011

Renaissance der Klassiker: VW plant einen schärferen Scirocco-Nachfolger, Opel und Ford reaktivieren Omega und Capri, und Audi forciert eine moderne Version des kultigen Rundlings A2

Manchmal sehnen wir uns nach den guten alten Dingen, die so verlässlich funktionierten und uns dieses Ewigkeitsgefühl heimeliger Geborgenheit gaben. „Alles Müll von gestern“, rufen die Jungen. Doch in ein paar Jahren werden sie ihren alten Mini vermissen, ihren letzten Plattenspieler und ihr allererstes iPhone.

Wir vermissen den grundsoliden Praktiker Opel Omega, das Sportcoupé Ford Capri und auch diesen zu früh geborenen Rundling Audi A2, für den wir heute auf dem Gebrauchtwagenmarkt Wucherpreise zahlen. Auch hätten wir den VW Scirocco gern charaktervoller, denn ganz früher hatte er ja auch mehr Profil – und war nicht so eine Art abgeflachter Sport-Golf.

Es besteht Hoffnung, denn wie es scheint, hat man uns in den deutschen Konzernetagen erhört. Omega, Capri, A2 und Scirocco kommen zurück – oder marschieren in die richtige Richtung.

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Zum Beispiel der Scirocco. So richtig glücklich ist man mit dem aktuellen Modell auch in Wolfsburg nicht, hören wir immer öfter. „Der muss wieder ein richtiges Sportcoupé werden“, soll Konzernchef Martin Winterkorn gefordert haben. Genau in diese Richtung geht es beim für 2014 geplanten Nachfolger. Mehr Charakter ist schon deshalb wichtig, weil nämlich der dreitürige VW Golf VII (ab 2013) optisch auch den flotten Coupé-Stil tragen soll. Da muss der Scirocco nun die klarere Sportlinie zeigen.

Der Scirocco II kommt mit flacher Angreiferschnauze
Ergo bekommt der Scirocco II – ein zwischenzeitliches Facelift soll es nicht geben – eine flachere Angreiferschnauze und mehr Eigenständigkeit, sein Dach zieht sich klar länger, Richtung Heck wird es dann immer schärfer. Das bringt nebenbei sogar mehr Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe, die derzeit nur für Sitzzwerge passt. Mehr Platz gibt es ohnehin, weil der neue Scirocco auf dem neuen modularen Querbaukasten des Konzerns baut – mit mindestens fünf Zentimeter mehr Radstand und kürzeren Karosserieüberhängen.

Außerdem soll sich nach Informationen aus Wolfsburg das „gesamte Geräuschniveau“ des 2+2-sitzigen Fronttrieblers deutlich verbessern. Ein schön komponierter, satter Motorensound – aber bitte weniger Abroll- und Windgeräusche. Noch wichtiger ist die geplante Gewichtsdiät, denn Karosserie und Fahrwerk sollen insgesamt um bis zu 100 kg leichter werden. Das wiederum wird dazu führen, dass der „heiße Wüstenwind“ (Scirocco) dann um die Ecken pfeift wie ein Hase auf der Flucht. Die Fahrwerkstechniker sprechen in diesem Fall gern von „schöner Querdynamik“, schnell geradeaus kann schließlich jeder.

Dank Gewichtsvorteil benötigt der neue Scirocco keine extreme motorische Aufrüstung. Die TSI-Benziner, die bisher von 122 bis 265 PS reichen, werden verbrauchsoptimiert, das sportliche R-Modell darf auf rund 280 PS erstarken. Auch der schon oft erwähnte dieselnde Zweiliter-Doppelturbo (BiTDI) mit rund 200 PS ist fürs Sportcoupé im Gespräch.

Neue Chance für den Ford Capri
Wann immer bei Ford die Rede von emotionalen und noch dazu sportlichen Autos ist, ernten die Stichwortgeber spontane Zustimmung: Ein schickes Sportcoupé? Schon heben die Händler und Fans der Marke den Daumen. Problem: Massenhersteller leben von der Masse, und Sportwagen gehören nicht dazu. Entsprechend groß waren bislang die Vorbehalte in der Ford-Chefetage. Gefühlsmäßig hätte man gern einen neuen Capri, doch war der zwischen 1968 und 1986 in drei Generationen gebaute Volkssportler hauptsächlich in Deutschland und England ein Thema und damit ein lokales Phänomen.

Mit der Amtsübernahme des neuen Ford Europa-Chefs Stephen Odell dürfte sich das ändern – neue Köpfe denken neue Ideen. Die nötigen Zutaten liegen bereits im Ford-Regal: Dazu gehören das fahraktive, auf hohe Sicherheitsreserven ausgelegte Fahrwerk des neuen Focus, der Anfang nächsten Jahres zu den Händlern rollt, sowie die Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer mit Turboaufladung der neuen EcoBoost-Generation: 1,6-Liter (150/180 PS) und 2,0-Liter (203 PS).

In Verbindung mit höherer Aufladung werden leistungsstärkere EcoBoost-Triebwerke mittelfristig auch den 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo (225/305 PS) ablösen. So gerüstet könnte dieses Sportcoupé den VW Scirocco unter Druck setzen und obendrein den neuen Opel Astra GTC, der im März 2011 startklar ist. Sollte auch Stephen Odell den Daumen heben, könnte der neue Capri in wenig mehr als zwei Jahren Realität werden.

Comeback des Opel Omega
Auch Opel steht vor einer schwierigen Entscheidung. Soll man einen neuen Omega riskieren, ein über dem Insignia angesiedeltes Flaggschiff, das sich mit der Mercedes E-Klasse oder dem Audi A6 messen kann? Der neue Opel-Chef Nick Reilly hätte gern einen modernen Nachfolger der großen Reiselimousine: „Er würde sich wie ein Schirm über die Marke spannen“, sagt der Modellstratege, der weiß, dass viele Worte über die Opel-Zukunft weniger schwer wiegen als der Beweis eines technisch herausragenden Topmodells.

An großen Plattformen herrscht im Reich von General Motors kein Mangel. Ob diese US-Komponenten allerdings soweit europatauglich gemacht werden können, dass sie in Summe gegen Daimler & Co. verwendbar wären, scheint fraglich. Als Omega-Basis kommt daher die Konzernplattform Epsilon in Frage, auf der bereits der Opel Insignia und der neue Saab 9-5 basieren.
In ihrer verlängerten Version würde der Omega C die Fünf-Meter-Marke knapp unterschreiten und dank eines enormen Radstands von über 2,83 Metern einen fürstlichen Innenraum bieten. Bereits heute verfügt Opel über standesgemäße 2,8-Liter-Sechszylinder-Turbos (260/325 PS).

Das Fehlen eines V8 ist auf dem europäischen Markt verzeihlich. Dafür können die Rüsselsheimer die fortschrittliche Voltec-Elektrotechnologie mit Reichweitenverlängerung in modifizierter Form integrieren. Ein elektrisch fahrender Raumgleiter mit ausgeklügeltem Innenraumkonzept würde die seit Jahren angestrebte Höherpositionierung der Marke Opel voranbringen.

Neuer Öko-Star Audi A2
Beim knuffigen A2 lief alles ein wenig anders. Im Gegensatz zum Omega war er mit seiner teuren Aluminiumkarosserie zu Lebzeiten (1999 bis 2005) ein Ladenhüter: nicht hübsch genug fürs neue stylische Audi-Gefühl, zu schmal auf der Brust, zu sehr Öko-Freak. „Der A2 war einfach seiner Zeit voraus“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Er will das Modell unbedingt neu auflegen. „Natürlich mit all dem Vorsprung, den schon die erste Generation verkörpert hat.“ Denn jetzt liegt Öko im Trend, und die künftige A2-Karosserie ist eine Steilvorlage für den Elektroantrieb. Auch sie erreicht eine vanähnliche Höhe – rund 1,50 Meter.

Für ihre Basis gibt es zwei Optionen. Entweder bekommt der neue A2 eine verlängerte Plattform des künftigen „Up!“-Minis aus dem VW-Konzern (Start Herbst 2011), oder er nutzt die Architektur des neuen Audi A1, die auch für stärkere Motoren von bis zu 200 PS ausgelegt ist. Doch so viel Power braucht der grüne A2 nach aktueller Ingolstädter Meinung gar nicht. Zumal seine Karosse mit dem intelligenten Materialmix aus Stahl, Aluminium und Kunststoff wieder sehr leicht wird. Die kostengünstigere Up!-Basis bietet sich deshalb eher an, zumal sie ideale Voraussetzungen für den Elektroantrieb mitbringt.

Fest steht: Das Auto wird variabel wie ein Tourenrucksack. Verschiebbare Rückbank, einstellbare Fondlehnen, praktische Klappmechanik, Ablagen bis zum Abwinken. Und motorisch natürlich die kleine, feine Turbotechnik des Konzerns: 1,2-Liter-Benziner von 75 bis mindestens 105 PS, dazu der ähnlich starke 1,2-Liter-TDI.

Auch der von VW entwickelte, supersparsame Zweizylinder-TDI mit rund 50 PS bietet sich für den A2 an, Start-Stopp-Automatik inklusive. Und für den Elektrobetrieb offeriert sich die Technik der A1 e-tron-Studie: ein 61 PS starker E-Motor, dazu ein Einscheiben-Wankelmotor, der bei Bedarf zur Reichweitenverlängerung die Lithium-Ionen-Batterie nachlädt.

Bei Audi, so ist zu hören, kommt gerade ein entsprechender Prototyp ins Laufen. Der A1-Stromer wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit bald Realität – und sein Ökostyle-Bruder A2 lauert schon auf einen passenden Ableger des sauberen Antriebs. Wir gehen mal davon aus, dass sie Audi den neuen A2 aus den Händen reißen werden.
Wolfgang Eschment/Stefan Miete

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