Deutsche Autobauer: Rekord-Jahr 2011 sorgt für satte Gewinne Von Rekord zu Rekord zu ...?

15.03.2012

Das Jahr 2011 war für fast alle deutschen Autobauer ein Jahr der Rekorde. Ob 2012 eine weitere Steigerung möglich ist, ist ungewiss

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn verdient 1986 Euro – pro Stunde. Damit bekommt er alle 60 Minuten ein Gehalt, für das viele Deutsche einen Monat oder länger arbeiten müssen. Ein größeres Loch reißt das Jahressalär für Winterkorn von 17,4 Millionen Euro allerdings nicht in die VW-Kasse: Unterm Strich verdiente der Wolfsburger Autobauer dank der weltweit boomenden Automärkte 15,8 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie 2010. Auch BMW, Daimler und die zur VW-Gruppe gehörenden Marken Audi und Porsche haben 2011 alle Rekorde gebrochen.

 

Deutsche Autobauer verdienen 2011 so viel Geld wie nie zuvor

Nie zuvor verkauften die Hersteller mehr Autos, nie zuvor strömte so viel Geld in die Kassen. Davon profitieren auch die Mitarbeiter, die vielerorts Rekordprämien erhalten. Opel bleibt in diesem Geschäft allerdings eine traurige Ausnahme.

Dabei ist es noch nicht lange her, dass allen Herstellern die jüngste Wirtschaftskrise teils erheblich zu schaffen machte. Zu spät sei die Branche auf Themen wie Elektroautos angesprungen, zu lange habe sie an großen und teuren Autos festgehalten, warfen etliche Kritiker der Industrie vor.

Doch die Krise blieb eine Delle, der Aufschwung kam rascher und kräftiger als selbst mancher Konzernlenker erwartet hatte. Heute sieht die 125 Jahre alte Branche so jung aus wie seit Jahren nicht mehr. Und auch künftig erwarten die Autobauer – vor allem dank der Boomregionen in Asien und Amerika – Wachstum.

Die Firmen können das Geld gut gebrauchen. Nicht nur die Euro-Schuldenkrise und die tristeren Konjunkturaussichten beschäftigen die Strategen in den Konzernzentralen. "2012 wird ein Schlüsseljahr", sagt BMW-Chef Norbert Reithofer bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz. Auch Audi-Chef Rupert Stadler backt lieber kleinere Brötchen: "Beim Blick in die Zukunft kann hingegen von eitel Sonnenschein längst nicht die Rede sein."

Zwar verdienen die Hersteller vor allem mit großen und teuren Autos das meiste Geld, doch es gibt teure Baustellen. Dazu zählt die Entwicklung alternativer Antriebe etwa für Elektroautos, die Verbesserung der Motorentechnik oder der umweltfreundliche Ausbau der Produktion.

Allein Volkswagen will bis 2016 die gigantische Summe von 62,4 Milliarden investieren, zwei Drittel davon sollen davon in Projekte fließen, die den Konzern nicht nur größer, sondern auch grüner machen. Die Konkurrenten im Ausland blasen längst zum Angriff auf die deutschen Platzhirsche. Der bis zur Erdbebenkatastrophe in Japan weltgrößte Autobauer Toyota will wieder zurück an die Spitze, Hyundai mischt von Korea aus den Weltmarkt auf und wächst gerade im Massenmarkt. Auch die Allianz der Opel-Mutter General Motors (GM) mit dem französischen PSA-Konzern (Peugeot Citroen) wird von den Deutschen zwar offiziell gelassen betrachtet, aber intern auch argwöhnisch beäugt.

Dabei gehören Kooperationen längst zum Alltag in der Industrie. So arbeitet beispielsweise BMW auf manchen Gebieten bereits mit Daimler, PSA und GM zusammen. Alle Kooperationen haben vor allem einen Zweck: Kosten teilen, Geld sparen und von Entwicklungen profitieren.

Denn in vergangenen Krisen machten vor allem hohe Kosten den Konzernen zu schaffen. Inzwischen sind viele Hersteller flexibler aufgestellt, in Deutschland auch wegen des Einsatzes von Leih- und Zeitarbeitern. Ein Thema, das die Gewerkschaften umtreibt. Bei BMW landete der Streit gar vor Gericht. Hinter den Kulissen soll nun eine Lösung gefunden werden.

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Für die Stammbelegschaften jedenfalls zahlen sich die Rekorde aus. Bei Daimler erhalten die Mitarbeiter in Deutschland für 2011 mit 4.100 Euro die bislang höchste Ergebnisbeteiligung. Bei Audi flossen im Schnitt gar 8.251 Euro. Bei BMW wird es ebenfalls mehr als 2010. Damals hatte der Konzern im Durchschnitt 5.840 Euro gezahlt. Die rund 90.000 Tarifbeschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken bekommen rückwirkend für 2011 einen Bonus von 7.500 Euro. Ob auch 2012 wieder Rekordprämien fließen, haben die Unternehmen aber nicht allein in der Hand. Vor allem die Konjunktur muss mitspielen.
dpa/az

AUTO ZEITUNG

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