VW Golf - Design Special: Interview mit Chefdesigner Klaus Bischoff Typisch Golf

30.11.2013
Inhalt
  1. DIE C-SÄULE ALS MARKENZEICHEN
  2. GROSSES TEAM FÜR EIN AUTO
  3. NEUE LINIEN BEIM SPORTSVAN

Vom Golf I bis zum Golf VII: Aus dem knuffigen Pionier der Kompaktklasse ist eine moderne Familie geworden. Doch die historische DNA des Bestsellers ist immer noch auf den ersten Blick zu erkennen. Willkommen zum Klassentreffen mit Klaus Bischoff, dem Chefdesigner der Marke Volkswagen

"Ein Golf muss immer aussehen wie ein Golf“, erklärt Klaus Bischoff. Damit wäre das Wichtigste schon gesagt in dieser Runde, die keine alltägliche ist, sondern ein von uns arrangiertes Klassentreffen zwischen dem Urahn Golf I und der heutigen Generation, die gerade mit dem scharf gezeichneten Sportsvan ein weiteres Mitglied begrüßt. Wobei das Urmeter in dieser exklusiven Runde ein ziemlich sportliches ist, nämlich ein VW Golf GTI mit einer Erstzulassung vom 7. Juli 1978.

Mein Gott, was für ein zarter, schlichter Typ das vor 35 Jahren war. Der Designstar Giorgio Giugiaro hatte den Golf I seinerzeit als Nachfolger des Käfer für die Wolfsburger entworfen – mit diesen ziemlich stämmigen C-Pfosten und diesen flachen, sehr kantigen Oberflächen, die in den 70er-Jahren irgendwie zum Zeitgeist gehörten. „In Wolfsburg wollten sie als neues Massenauto einen Kompakten mit Heckklappe, eben schön variabel und ganz dem neuen Trend entsprechend“, erinnert sich der Italiener.

Eigentlich wollte er dazu auch eckige Scheinwerfer, am Ende wurden runde gewählt, weil die in der Produktion billiger waren. Das darf man heute ruhig erzählen, zumal diese Leuchten dann lange Zeit ein Erkennungszeichen waren und formal noch immer zu erahnen sind.

 

DIE C-SÄULE ALS MARKENZEICHEN

Überhaupt: Nach all den Jahren und über 30 Millionen verkauften Exemplaren ist der Golf noch immer typisch Golf und von jedem Schulkind zu erkennen. Unter den Automobilen der Welt gibt es wohl nur wenige, deren Design über die Jahrzehnte so gradlinig präzisiert, perfektioniert und damit sehr zeitlos wurde.

Warum das so wunderbar funktioniert, kann VW-Chefdesigner Bischoff am Beispiel des aktuellen Golf VII ruck, zuck erklären. Gern beginnt er mit Grundsätzlichem. „Die Formensprache ist logisch, solide, produktorientiert, pur und sehr präzise.“ Okay, sehen wir. Und in den Augen des Betrachters solle sie wie damals im Idealfall sofort Robustheit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit signalisieren. „Schauen Sie!“ Schon ist Bischoff mit schnellen Schritten am Golf I und fährt mit beiden Händen in einer fließenden Bewegung die Außenlinien nach. Verharrt kurz an eben diesen stämmigen Pfosten von C-Säule, die den Golf von Anfang an prägten. „Die Stimmigkeit des ersten Konzepts von Giugiaro war so groß, dass wir zwangsläufig dabei bleiben mussten – das Auto war gleich sauber und extrem scharf gezeichnet.“ Zur DNA des Golf, so Bischoff, zählten aber auch die reduziert gestaltete Kühlergrill-Querspange, die Grafik der Seitenfenster und die Dachlinie. „Die auf den Punkt gebrachte Grundarchitektur war unglaublich perfekt.“

Für Volkswagen war dieser Golf der Schlüssel zum Erfolg, das Auto in seiner puristischen Grundgestalt wurde Symbol einer neuen Klasse von modernen, praktischen Familienautos – der Golf-Klasse, die sich von den seinerzeit verspielt gestalteten Limousinen mit einem Schlag absetzte. „Von da an ging es bei uns eigentlich hauptsächlich darum, diesen großen Wurf immer wieder neu und zeitgemäß zu reinterpretieren, ihn quasi stets neu zu erfinden.“

Natürlich hat es zwischen Golf I und Golf VII mehrfach Versuche gegeben, aus der klassischen Linie auszubrechen. Nach dem Motto: „Die wollen die Kunden gar nicht mehr sehen“.

Doch die Marktforscher des Hauses berichteten stets das Gegenteil. Nein, ein Faszination Auto: Spezial zum 35. Golf-Jubiläum sollte um Himmels willen wie ein Golf aussehen, fanden die befragten Käufer stets, wenn ihnen bei diversen Befragungen mal abweichende Designvorschläge gezeigt wurden.

Für Bischoff ist der zwischenzeitlich stärkste Entwurf neben dem Ur-Golf vor allem der Vierer „mit seiner klaren, reduzierten Designsprache“. Erwähnen will er nun aber unbedingt, dass die Golf-Linie auch durch seine Vorgänger Hartmut Warkuß und Peter Schreyer beeinflusst wurde. Und in den letzten Jahren entscheidend von Walter de Silva, dem Chefdesigner des VW-Konzerns, der wie kein anderer für Kontinuität und puristisches, gradliniges Design steht. „Walter de Silva, der uns bei der Arbeit immer aufmerksam über die Schulter schaut, hat den Golf wieder auf den Punkt gebracht.“

 

GROSSES TEAM FÜR EIN AUTO

Erwähnt werden soll zudem, dass es weltweit in mehreren VW-Designzentren ein Team von immerhin rund 150 talentierten Kollegen gibt, die bei der Entstehung des VW Golf VIIinvolviert waren. Und nun sind auch die Namen der wichtigsten finalen Protagonisten fällig: Das Exterieur-, sprich Außendesign des Autos kommt von Marc Lichte, das Interieur von Tomasz Bachorski, das Leuchtendesign von Andreu Sola, für Farben und Materialien („Color and Trim“) ist Oona Scheepers zuständig. Und schon stehen wir am Golf VII, erstmals auf dem neuen Modularen Konzern-Querbaukasten (MQB) entstanden, der neuen, einerseits kostengünstig standardisierten, andererseits hoch flexiblen Architektur für Autos mit quer eingebauten Motoren. Bischoff strahlt: „Der MQB bringt uns in der Golf-Klasse neue Freiheiten im Design.“ Bisher gab es nur die Wahl zwischen Radstandsverlängerung und zwei verschiedenen Sitzpositionen – jetzt aber kann man sich alles so zusammenstellen, wie man es braucht: unterschiedliche Achsen und Spurweiten, Antriebsarten, Fahrzeuglängen, Karosserieüberhänge und verschiedene Sitzkonstellationen.

Wir drehen eine Runde ums Auto, dem dieses Tungsten Silver-Metallic besonders gut steht. Was erzeugt diese Gölfigkeit im Auftritt? Vorn sorgen wie früher horizontal ausgewogen Elemente für optische Breite, alle scharfen Linien bilden eine V-förmige Motorhaube. Und seitlich fallen die veränderten Proportionen ins Auge. Bischoff: „Die Vorderräder sind im Vergleich zum Vorgänger um 43 Millimeter nach vorn gewandert, der vordere Überhang ist kürzer, ergo wirkt die Motorhaube länger. Solche Proportionen gibt es sonst nur bei Oberklasse-Fahrzeugen.“ Mit den Fingern fährt er übertrieben vorsichtig über die scharfe Linie, die sich unterhalb der Türgriffe um das ganze Auto zieht. Ja, wir wissen schon, die „Charakterlinie“. So scharf, dass man sich fast daran schneiden kann – auf diese feine Fertigungsqualität ist man bei VW besonders stolz.

Unweigerlich kommt Bischoff auf die massiven C-Säulen zu sprechen, die den Karosseriekörper mit dem Heck verbinden. „Das ist ein über die ganze Golf-Palette tradiertes Element, das Rückgrat des Autos. Es vermittelt Sicherheit, Kraft, Stabilität – und schiebt das ganze Auto gewissermaßen von hinten nach vorn.“ Und am Heck verweist Bischoff noch auf die klare Geometrie der Rückleuchten.

Grundsätzlich gäbe es beim Golf „wie in guter Architektur“ keine nutzlosen Linien. Zierwerk? Steht auf dem imagegefährdenden Index. „Jede Linie“, sagt Bischoff, „führt exakt dahin, wo sie hin soll oder sie hat eine ihr zugedachte Fortsetzung.“ Das sei auch ein Credo von Konzernchef Martin Winterkorn, der Design als studierter Techniker sehr mathematisch nehme. Bischoff hört dann schon mal Sätze wie diesen: „Diese Verbindung sehe ich nicht – mach sie schärfer!“

„Einsteigen bitte.“ Der Chefdesigner hält die Tür auf. Typisch Golf, das gilt auch für den Innenraum. Hier sieht man, mit welcher Akribie das wie beim Golf I fahrerfokussierte Cockpit gebaut und ausgestattet ist. „Reinsetzen, und unabhängig von der Körpergröße finden Sie sofort die perfekte Position zur Bedienung.“ Das hat VW in endlosen Tests verfeinert, ebenso wie die Material- und Verarbeitungsqualität, die sich auch in fein rastenden Schaltern und Drehknöpfen zeigt.

 

NEUE LINIEN BEIM SPORTSVAN

Und wie ist das mit den anderen Mitgliedern der Modellfamilie? „Jeder ist ein individueller Typ, aber alle zeigen die Golf-Designsprache“, so Bischoff. Der GTI zum Beispiel sei optisch wieder ein schöner Dynamiker und ein echter Allrounder: „Alle Alltagsqualitäten, dazu bei Bedarf die volle Power.“ Logisch, dass die berühmten Karo-Sitze auch heute zwingend zum Ausstattungsprogramm dazugehören.

Und der neue Golf Variant? „Hier wollten wir mehr Eleganz, Sportivität und Ausdrucksstärke.“ Dank des gewachsenen Radstands habe seine Linie jetzt viel mehr Schmiss.

Ein ganz neues Kapitel schlägt nun der Golf Sportsvan auf, der als stark gewachsener Nachfolger des Golf Plus im nächsten Jahr zu den Händlern rollt. Dessen Charakterlinie sei viel skulpturaler: „Wir gehen jetzt von der bauhausorientierten Designsprache in Richtung erlebbarer Formen mit mehr Eleganz und Ausstrahlung – das werden Sie künftig öfter bei uns sehen.“ Sagt Bischoff und entwirft etwas später in der Autostadt mit präzisen Strichen in Nullkommanichts einen leicht verschärften Golf Sportsvan auf dem Zeichenblock.

Er zeichne immer und überall, hat er uns mal gesagt. In Meetings, in Konferenzen oder eben auch mal fix im Cafe. Und im Idealfall sei wie hier eine Espressomaschine in der Nähe. „Sehen Sie, typisch Golf, alle Linien und Kanten reden miteinander – genau das gibt dem Auto diese hohe Stimmigkeit.“

Wolfgang Eschment

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