Design-Kritik: Blick auf die Messeneuheiten des Pariser Autosalons 2014 Top oder Flop

07.11.2014

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Gelungenes Design auch. Volker Koerdt und Stefan Miete blicken auf die Messeneuheiten des Pariser Autosalons

MAZDA MX-5
Zeitgemäßes Roadster-Design? Das schaffte schon der erste MX-5, als er im Jahr 1989 aus dem Schatten seiner englischen Vorbilder trat. Die neueste Interpretation des japanischen Volksroadsters beeindruckt mit knappen Überhängen, knackigem Heck und einem Blick, der noch nie entschlossener wirkte.
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VW PASSAT
Der Passat gehört für mich klar zu den Designstars der Messe. Er ist kein stilistischer Zappelphilipp, sondern die Ruhe selbst. Klare Linien, große Flächen und ausgewogene Proportionen sehen heute gut aus und garantiert auch noch in zehn Jahren. Nach wie vor versteht es VW meisterhaft, mit feinen Spaltmaßen Qualität sichtbar zu machen.
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CITROEN DIVINE DS
Die Buchstabenkombination DS wiegt schwer. La „Déesse“, die Göttin, das war einmal. Wie Pariser Chic morgen aussehen könnte, zeigt die charmante Studie. Die skulpturhafte Karosserie beeindruckt ohne viele Stylingelemente, wirkt ruhig und gediegen.
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JAGUAR XE S-MODELL
Keine Frage, die Briten haben einen Lauf. Und dass Erfolg beflügelt, zeigt auch der neue XE S. Das Auto wirkt von den Proportionen her wie aus einem Guss, steht kraftvoll auf der Straße und ist mit seinen maskulinen Formen kein Vergleich zum glücklosen Vorgänger X-Type. Wenn der XE S so fährt wie er aussieht, hat er das Potenzial, im Kundenkreis der Audi A4-, BMW 3er- und Mercedes C-Klasse-Fahrer zu wildern.
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MERCEDES-AMG GT
Ja, ja, nochmal ja. Alles richtig gemacht, kann man bei diesem Design nur sagen. Pralle Kurven, knackiger Hintern, lange Haube bis zum Himmel, so muss ein Roadster aussehen. Chefdesigner Gorden Wagener hat der Marke den Staub vom Blech gewischt und der Marke Pep und Dynamik verliehen. Der GT wird mit Sicherheit ein Erfolg.
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FIAT 500X
Der 500X ist ein Beispiel dafür, dass man auch ein gelungenes Design nicht bis zum Geht-nicht-Mehr ausdehnen kann. Wirkt der Fiat 500 schick und charmant, so kommt der 500X nur noch aufgedunsen daher. Bis auf die Front, bei der die Gene des 500 gut zu erkennen sind, ist das Auto austauschbar.
FLOP

INFINITI Q80
Noch so ein Auto, das offensichtlich in der Front nur aus Grill besteht. Überhaupt scheinen sich die Infiniti-Designer sehr stark an der Lexus-Formensprache zu orientieren. Im Übrigen: Wer braucht in Deutschland mit Infiniti eine weitere glücklose japanische Premiummarke? Emotionales Design sieht jedenfalls anders aus. Vielleicht sollten die japanischen Designer mal einen Seitenblick auf Maserati und Jaguar werfen.
FLOP

PEUGEOT QUARTZ
Ein auf 23-Zoll-Walzen stehender, 500 PS starker Hybrid-Crossover, der seine Fahrgäste mit einer Mittelkonsole (aus unbehandeltem Basalt!) beeindrucken soll. Markenbezug? Keiner. Serienrelevanz? Null. Derlei Chi-Chi hat die Löwenmarke nicht nötig.
FLOP

BMW X6
Der neue X6 hat von allem zu viel. Sein protziger Vorbau schüchtert ein. BMW-Nieren groß wie Gullydeckel, dazu unmotiviert verteilte Lüftungsschlünde und der massige Wagenkörper. Das wirkt nicht dynamisch, sondern wie die spichtwörtliche dicke Hose. Schade, denn der Bayer bereitet durchaus Fahrfreude.
FLOP

LEXUS 200 NXT
Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fühle ich mich bei diesem SUV entweder an den Maschendrahtzaun oder an die drei Damen vom Grill erinnert. Als hätten sie möglicherweise die Grillzange mit dem Zeichenstift vertauscht. Viel größer und grobschlächtiger jedenfalls kann man einen Kühler wohl kaum gestalten. Dazu ein paar aufgeblähte Sicken und Linien und zu allem Überfl uss übermächtig herausgezogene Radhäuser, die dem Auto ein Aussehen verleihen, als sei es aufgeblasen und kurz vor dem Platzen. In Europa jedenfalls wird Lexus mit diesem Design keinen Blumentopf ernten.
FLOP

Volker Koerdt / Stefan Miete

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