Design Genf-Studie Mercedes F 800 Style Das Sternbild

22.03.2010

So sieht die Zukunft von Mercedes aus: Design-Chef Gorden Wagener erläutert die Genf-Studie F 800 Style

Design hat viele Aufgaben. Manchmal darf die Form eines Autos sogar bewusst anecken. So fallen einige gezielt für den Hybridantrieb konzipierte Modelle nicht unbedingt durch Schönheit auf. Die Botschaft: Gute Medizin muss bitter schmecken. Auch bei Mercedes wirkten in den vergangenen Jahren einige Forschungsfahrzeuge für neue, ökologische Antriebskonzepte eher experimentell als emotional.

„Wie aus dem Labor“, sagt Gorden Wagener, 41, seit Mitte 2008 Chefdesigner beim ältesten Automobilhersteller der Welt. Mit der Studie F 800, die beim Autosalon in Genf präsentiert wird, macht er jetzt damit radikal Schluss. „Deshalb heißt das Auto auch F 800 Style“, erklärt Wagener. „Es zeigt nicht nur, in welche Richtung sich die Technik entwickeln wird, sondern auch das künftige Design der Marke Mercedes.“

Zum Beispiel das der nächsten C-Klasse, die 2014 erwartet wird. Ästhetischer Vorbote ist unverkennbar der Flügeltürer SLS AMG. Elemente seiner Front, besonders der Kühlergrill mit dem Stern, tauchen – weicher gezeichnet – beim F 800 wieder auf und spannen so den Bogen zum legendären 300 SL Flügeltürer aus den 50er-Jahren. Doch Gorden Wagener lehnt simples Retrodesign strikt ab.

„Wir haben diese klassischen Elemente völlig neu interpretiert. Das Design verkörpert eine Formensprache, die alle Eigenschaften der Marke Mercedes repräsentiert.“

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DESIGN DER NEUEN C-KLASSE
Die wichtigste Botschaft fasst Wagener unter dem Begriff „stilvolle Sportlichkeit“ zusammen. So soll ein Mercedes eher souverän als übermäßig aggressiv wirken. Sein Gedanke: „Natürlich ist ein Mercedes sportlich. Aber wer so ein Auto fährt, der hat es geschafft, kann gelassen und souverän unterwegs sein.“ Dazu passt auch, dass die seitliche Linie des F 800 nichts mit der Keilform zu tun hat, sondern für Wagener auf der klassischen „dropshape“, der Tropfenform, beruht: „Die steht für Eleganz, aber natürlich auch für Effizienz.“

Denn die 4,75 Meter lange Studie soll auch die Innovationskraft der schwäbischen Autobauer unter Beweis stellen. Da für die Ingenieure des Konzerns unter Entwicklungschef Thomas Weber klar ist, dass es in Zukunft ganz verschiedene Antriebskonzepte nebeneinander geben wird, ist der F 800 entsprechend ausgelegt. So lässt sich unter seiner eleganten Hülle sowohl ein Plug-In-Hybrid mit V6-Benziner und Elektromotor als auch ein reiner Elektroantrieb mit Brennstoffzelle für knapp 600 Kilometer Reichweite unterbringen.

Dazu gibt es eine Fülle weiterer Neuheiten – etwa ein Bediensystem, das sich mittels eines videoüberwachten Sensorfelds so intuitiv wie ein Apple iPhone steuern lässt. Oder Weiterentwicklungen beim Assistenzsystem Distronic Plus, das im Stop-and-Go-Verkehr nicht nur automatisch den Abstand zum Vordermann hält, sondern ihm auch in der Spur folgt, ohne dass der Fahrer lenken muss. Alle diese Features werden nach und nach Einzug in die Serie halten.

DESIGN DES F 800 STYLE
Aber ob sich wirklich alle Ideen aus dem F 800 Style realisieren lassen, bleibt abzuwarten. So gleiten die Fondtüren an einem Schwenkarm nach hinten. Oder die Sitze sind, um Gewicht und Platz zu sparen, nicht gepolstert, sondern mit einem speziellen Stoff bespannt. Das soll den bis zu fünf Insassen zu einem großzügigeren Raumgefühl verhelfen. Gorden Wagener wischt alle Bedenken bei Seite. „Diese Technik beherrschen wir, warum sollen wir das nicht nutzen?“

Das gilt auch für das Design. „Schon in diesem Jahr werden erste Elemente bei unseren neuen Modellen zu erkennen sein“, verspricht Wagener. Konkreter will der Designchef nicht werden. „Aber diese Formensprache lässt sich in allen Fahrzeuggrößen von der A- bis zur S-Klasse realisieren. “ Sieht dann etwa in Zukunft ein Mercedes wie der andere aus? „Natürlich werden alle sofort als Mercedes zu erkennen sein“, versichert Wagener. „Aber indem wir bei jedem Modell bestimmte Details anders gestalten, geben wir ihm einen eigenständigen Auftritt.“

Zum Beispiel durch mehr oder weniger kräftige hintere Kotflügel, die wie Hüften wirken. Für Wagener sind solche Assoziationen absolut zulässig. „Gelungenes Autodesign muss den menschlichen Schönheitsidealen entsprechen.“ Damit hat er Mercedes buchstäblich ein neues Gesicht gegeben. Klaus Uckrow

SICHERE BEDIENUNG PER CAM-TOUCH-PAD
Mit einer guten Idee erleichtert Mercedes die Bedienung von Navigation, Radio, Internet: Die Hand des Fahrers ruht auf einem Touchpad auf der Mittelkonsole, dabei filmt eine Kamera die Finger. Das durchscheinende Bild wird auf den Zentralmonitor übertragen. Wie beim iPhone können die verschiedensten Funktionen sicher gesteuert werden, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen.

ZWEI ANTRIEBSKONZEPTE
Der F 800 Style ist für zwei Antriebssysteme konzipiert, die aus Modulen bestehen. Einmal wandelt eine Brennstoffzelle Wasser- und Sauerstoff in Strom um, der einen 136 PS starken Elektromotor antreibt. Reichweite: knapp 600 Kilometer. Unten kommt ein Plug-In-Hybrid zum Einsatz, der aus einem 300 PS starken V6-Benziner und einem 109 PS starken Elektromotor besteht. Die Energie wird in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert.

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