Der neue Toyota Auris im Vergleichstest mit Kia cee'd und Mazda 3 Toyota Auris, Kia cee'd und Mazda 3

01.06.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

In letzter Zeit bekam das Qualitätsimage von Toyota etliche Kratzer. Wo sortiert sich der überarbeitete Auris im Vergleich mit der asiatischen Konkurrenz ein?

Toyota-Manager zu sein, war in den letzten Wochen wahrlich kein Traumjob: Angeblich selbst beschleunigende Prius-Modelle und Rückrufe sorgten für Kopfzerbrechen in der Konzernzentrale. Vor dem strahlenden Image des einstigen Musterschülers in Sachen Zuverlässigkeit und Qualität zogen dunkle Wolken auf.

In einer solchen Zeit richten sich zweifelsohne alle Augen besonders intensiv auf Neuerscheinungen, so wie auf den facegelifteten Toyota Auris. Der Nachfolger des über 30 Jahre weltweit erfolgreichen Corolla erschien 2007 und startet nun in überarbeiteter Form in seine zweite Lebenshälfte. „Auris“, abgeleitet vom lateinischem Aurum (Gold), weckt zwangsläufig die Erwartung, es hier mit einem besonders hochwertigen Kompakten zu tun zu haben. Doch dieser Asiate steht nicht allein.

Aus Fernost kommen längst anspruchsvolle Autos, die den Ruf des Billigheimers abgestreift haben. So wie die Kompaktklasse- Kandidaten von Mazda und Kia. In unserem Test schicken sich der cee’d und der 3er an, dem Auris das Leben an der Verkaufsfront schwer zu machen.

 

Karosserie

Um es vorwegzunehmen: Die optisch leicht modifizierte Auris- Karosserie wirkt sehr verwindungssteif, und die verarbeiteten Materialien können sich sehen lassen. Allenfalls die eine oder andere Passung dürfte noch etwas genauer ausgeführt sein. Störender machen sich die Kunststoffausdünstungen bemerkbar.

Diese ersparen der Kia cee'd und der Mazda 3 ihren Insassen. Auch schneidet der japanische Konkurrent bei der Sicherheitsausstattung besser ab. So lässt er sich gegenüber dem Toyota mit Kurvenlicht oder einem Toter-Winkel-Warner bestücken. Demgegenüber führt der Auris einen serienmäßigen Knieairbag ins Feld. Und nicht nur das: Auch das Platzangebot im Fond fällt im Vergleich zum Mazda spürbar großzügiger aus.

Zwar sind die Materialien im Kia nicht so hochwertig wie die des Mazda, dafür zeigt er mehr Sinn fürs Praktische: Nach Umklappen der Sitzbank bietet er als einziger eine ebene Ladefl äche. Auch liegt sein Kofferraumboden – bandscheibenfreundlich – weniger tief als der des Mazda. In Sachen Zuladung fällt er aber mit 461 Kilogramm hinter diesen zurück (Mazda: 514 kg). Schlusslicht ist hier der Toyota mit 435 kg.

KarosserieMax. PunkteKia cee'd 1.6 CVVTToyota Auris 1.33 Dual-VVT-iMazda 3 1.6
Raumangebot vorn100636367
Raumangebot hinten100555653
Übersichtlichkeit70433635
Bedienung/ Funktion100878588
Kofferraumvolumen100293130
Variabilität100352525
Zuladung/ Anhängelast80302631
Sicherheit150707682
Qualität/ Verarbeitung200172172175
Kapitelbewertung1000584570586

 

Fahrkomfort

In Kompaktwagen von heute verlieren auch lange Strecken ihre Schrecken. Unterwegs stellen Mazda-Passagiere schnell fest, dass der japanische Dreier vorn von allen das am besten geformte Gestühl bereit hält. Nicht nur der Seitenhalt, sondern auch die gute Schulterabstützung überzeugen. Dahinter bleiben die Toyota- und die Kia-Sitze, denen es an Schenkelaufl age mangelt, klar zurück.

Im Mazda-Fond sitzen die Insassen mit am stärksten angewinkelten Beinen. Überdies fällt unter ergonomischen Gesichtspunkten sein zu klein geratener Navi-Bildschirm auf. Im Toyota verhindert die spiegelnde Temperaturanzeige auf der Mittelkonsole die optimale Ablesbarkeit. Löblich: Zwei große Handschuhfächer nehmen allerlei Krimskrams auf. Der Kia leistet sich ergonomisch kaum Schwächen, sieht man einmal von der unpraktisch platzierten Bedientaste für den Bordcomputer in der unteren Lenkradspeiche ab.

Wie ordentliches Teamwork unter den Federn-Dämpfer-Elementen funktionieren kann, demonstriert der Auris eindrucksvoll. Verschlissene Asphaltdecken beeindrucken ihn am wenigsten. Mit großer Sensibilität reagiert er auf Fahrbahnunebenheiten und kann sie innerhalb des Test-Trios am besten wegfiltern. Dies meistert er mit voller Beladung sogar noch eine Spur besser. Der Mazda ist spürbar straffer abgestimmt und gibt sich im Umgang mit straßenbaulichen Mängeln nicht ganz so souverän. Querkanten reicht er zum Teil recht trocken durch, kurze Bodenwellen führen zu teils größerer Vertikalbeschleunigung als im Auris.

Unter voller Beladung sackt die Mazda-Karosserie auf Bodenwellen etwas durch. Auf ähnlichem Niveau federt und dämpft der Kia, jedoch gerät seine Karosserie auf schlechten Straßen etwas stärker in Bewegung. Bodenwellen pariert er beladen besser als der Mazda.

FahrkomfortMax. PunkteKia cee'd 1.6 CVVTToyota Auris 1.33 Dual-VVT-iMazda 3 1.6
Sitzkomfort vorn150107108110
Sitzkomfort hinten100657064
Ergonomie150128123115
Innengeräusche50333734
Geräuscheindruck100557272
Klimatisierung50223222
Federung leer200130135132
Federung beladen200132137130
Kapitelbewertung1000672714679

 

Motor und Getriebe

Für kostenbewusste Durchschnittsfahrer erscheinen Motoren um die 100 PS als vernünftige Wahl. Der Auris, seit dem Facelift mit einem neuen 1,33-Liter-Sparaggregat im Angebot, unterschreitet diese Linie knapp. Seine 99 PS mühen sich sichtlich mit dem knapp 1,3 Tonnen schweren Toyota. Dies belegen die mäßige Beschleunigung und die relativ geringe Höchstgeschwindigkeit (12,4 Sekunden von null auf 100 km/h, 175 km/h).

Viel schwerwiegender im Auris-Alltag ist jedoch die mangelnde Elastizität, die oft den Aufenthalt in kleinen Gängen bei großen Drehzahlen erfordert. Dennoch setzt er beim Testverbrauch dank Sechsganggetriebe und serienmäßigem Start-Stopp-System mit 6,6 Liter Super auf 100 Kilometern den Bestwert. Der 125 PS starke Kia braucht nur 0,3 Liter mehr (optionales Start-Stopp-System, 300 Euro) und liefert die besten Fahrleistungen. Der 105-PS-Mazda (ohne Start-Stopp) ist ebenfalls spritziger als der Toyota, aber mit 7,9 Litern auch der Durstigste.

Motor und GetriebeMax. PunkteKia cee'd 1.6 CVVTToyota Auris 1.33 Dual-VVT-iMazda 3 1.6
Beschleunigung150998491
Elastizität100745068
Höchstgeschwindigkeit150473441
Getriebeabstufung100768083
Kraftentfaltung50312629
Laufkultur100596361
Verbrauch325251256232
Reichweite25141612
Kapitelbewertung1000651609617

 

Fahrdynamik

Auch Vernunftautos dürfen Vergnügen bereiten. Dies belegt der Mazda 3 eindrucksvoll. Geradezu gierig stürzt er sich auf Kurven, setzt Richtungsänderungen mit geringer Seitenneigung sehr spontan um. Gaslupfen am Einlenkpunkt lässt das Heck leicht in die Kurve eindrehen und unterstützt das Gefühl der Handlichkeit. Seine Lenkung arbeitet sehr zielgenau, verlangt aber bei hohem Tempo aufgrund ihrer Leichtgängigkeit nach einer ruhigen Hand. Der Mazda erzielt höhere Kurventempi als die Rivalen, fällt aber in der Wertung wegen der längeren Bremswege zurück.

Hier setzt der Toyota Auris mit Bremswegen unter 35 Metern ein Zeichen. Ansonsten untersteuert er an der Haftgrenze leicht und meistert die Handling- und Slalom-Prüfung mit stoischer Gelassenheit. Bei schneller Fahrt erhält seine Lenkung weniger Servounterstützung und fühlt sich so besser an als die des Mazda 3.

Der Kia cee'd wirkt agiler als der Auris, was sich eindrucksvoll in der besten Slalom-Zeit dokumentiert. Zwar zeigt er auf dem Handlingkurs stärkere Karosseriebewegungen beim Bremsen und Einlenken, schwerer wiegt jedoch, dass seine Vorderräder Mühe haben, vollen Leistungseinsatz in Vortrieb statt in Rauch zu verwandeln.

FahrdynamikMax. PunkteKia cee'd 1.6 CVVTToyota Auris 1.33 Dual-VVT-iMazda 3 1.6
Handling150565359
Slalom100726466
Lenkung100747978
Geradeauslauf50384038
Bremsdosierung30171918
Bremsweg kalt1509710186
Bremsweg warm1509410191
Traktion100293937
Fahrsicherheit150128130125
Wendekreis20141313
Kapitelbewertung1000619639611

 

Umwelt und Kosten

Gleich etwas Erfreuliches: Alle drei Testkandidaten bleiben in der Anschaffung mit der AZ-Normausstattung unter 20 000 Euro. Auch die Werkstatt- und Versicherungskosten liegen auf einem Niveau. Beim Wertverlust schneidet der Toyota am besten ab. Gegenüber Kia und Mazda müssen seine Besitzer ein paar Hunderter weniger für den Neukauf zurücklegen.

Wenn die Rechnung für die Kfz-Steuer kommt, sparen Auris-Eigner wegen des geringen CO2-Ausstoßes und des kleinen Hubraums abermals ein paar Euro gegenüber Besitzern der Konkurrenten. Alles in Allem sind die Kostenunterschiede bis dahin dennoch recht gering. Was letztendlich aber zum Kapitelsieg des Kia cee’d führt, ist seine Siebenjahresgarantie. Diese ist bislang auf dem deutschen Markt einzigartig – und auf jeden Fall nachahmenswert.

Kosten/UmweltMax. PunkteKia cee'd 1.6 CVVTToyota Auris 1.33 Dual-VVT-iMazda 3 1.6
Bewerteter Preis675296287292
Wertverlust50293029
Ausstattung25082
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50452533
Werkstattkosten20151515
Steuer10999
Versicherung40333333
Kraftstoff55414238
Emissionswerte25878858
Kapitelbewertung1000555537509

 

Fazit

Nach dem Facelift schlägt sich der Toyota Auris achtbar und belegt den zweiten Platz. Zu seinen Stärken gehören der hohe Fahrkomfort, seine Sparsamkeit und die hervorragenden Bremsen. Mit dem durchzugsschwachen Motor müssen sich Interessenten allerdings arrangieren. Deutlich kräftiger und nur wenig durstiger ist der Testsieger Kia cee’d, der auch mit seinem üppigen Garantiepaket überzeugen kann. Der Mazda 3 landet auf dem dritten Platz. Der Japaner kann zwar im Karosserie-Kapitel mit einer umfangreichen Sicherheitsausstattung punkten, bei Verbrauch und Bremswegen landet er aber hinter den Rivalen. Trotzdem ist er mit seiner agilen Fahrwerksabstimmung eine Empfehlung für fahraktive Piloten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteKia cee'd 1.6 CVVTToyota Auris 1.33 Dual-VVT-iMazda 3 1.6
Summe5000308130693002
Platzierung123

Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.