Der neue Supersportler Ruf Rt 12 S im Fahrbericht Ruf RT 12 S

15.01.2010

Autos, die in Bereiche jenseits der 350 km/h vorstoßen können, sind rar gesät. Der neue, 685 PS starke RUF Rt 12 S gehört dazu

Eckdaten
PS-kW685 PS (504 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h3.4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit260 km/h
Preis304.521,00€

Zugegeben, eigentlich ist es eine rein akademische Frage: Mit welchem Auto kann man auf öffentlichen Straßen 350 km/h fahren? Um eine leere, gut gepfl egte Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, dazu trockenen Asphalt und gute Sicht vorzufinden, bedarf es eines überaus glücklichen Zufalls.

Aber mal angenommen, es herrschen ideale Bedingungen. Wer jetzt an den Namen Bugatti denkt, liegt schon mal richtig: Veyron und Grand Sport schaffen ohne gesonderte Freischaltung durch einen Spezialschlüssel, die die Karosserie absenkt und Flügel ausfährt, 375 Sachen. Mit Schlüssel kommen sie sogar auf 407 km/h.

HERSTELLER VON WELTRUF
Doch als Mitgliedsausweis für die Tempo-350-Liga benötigt man keinen Millionen-Euro-Bugatti – ein RUF Rt 12 S tut’s auch. Der kommt ohne Dickschiff-Habitus aus, wirkt im Vergleich grazil und kostet nur ein Viertel von dem, was für den günstigsten Veyron fällig wird. Mit einer Spitze von gut 360 km/h gehört der RUF zum Wildesten, was man auf der Straße bewegen darf.

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Die Ähnlichkeit zum Porsche 911 ist natürlich kein Zufall. Seit 35 Jahren hat sich Alois Ruf mit seinem Unternehmen aus Pfaffenhausen im Allgäu darauf spezialisiert, auf Basis der schwäbischen Sportler außergewöhnliche Automobile zu bauen. Das geht über Tuning weit hinaus, deshalb ist RUF seit 1981 vom Kraftfahrtbundesamt als Fahrzeug-Hersteller anerkannt und wie BMW, VW oder Porsche Mitglied im Verband der Automobilindustrie (VDA).

Als Basis für den Rt 12 S dient nicht etwa ein ohnehin recht flotter Porsche GT3, sondern ein normaler 911 Carrera. Der wird als Komplettfahrzeug von Porsche bezogen und in Pfaffenhausen bis auf die Rohkarosse zurückgebaut, dann mit neuem Fahrwerk, Bremsen, Getriebe, Aerodynamik-Anbauteilen plus Interieur versehen.

Kern des Rt ist jedoch der von RUF entwickelte, wassergekühlte Biturbo-Boxer, der auf dem Triebwerk des Porsche 964 basiert und unter anderem mit geschmiedeten Kolben und Pleuel aus Titan verfeinert wird.

Zwei modifizierte 3K-Turbolader sorgen für mächtig Dampf, ohne Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit zu beeinträchtigen: Triebwerke mit einer Laufleistung von über 200 000 Kilometern sind in dieser Leistungsklasse rar wie Eisberge vor Tahiti, bei RUF aber keinesfalls die Ausnahme.

Im Rt 12 S leistet der 3,8 Liter große Motor ein maximales Drehmoment von 880 Nm und 685 PS – 35 PS mehr als im seit 2004 gebauten Vorgängermodell RUF RT 12.

Damit dürften selbst extrem anspruchsvolle Kunden voll und ganz zufrieden sein. Beim Interieur oder beim Exterieur bestehen hingegen noch Möglichkeiten, sich Wünsche zu erfüllen. Neben der serienmäßigen Lederausstattung mit komfortablen Sportsitzen lässt sich der RUF mit verschiedenen Schalensitzen, lackierten Flächen, diversen Verkleidungen aus Leder oder Karbon ausstatten.

Selbst Sitzbezüge aus Stoff im klassischen Karo-Muster von Porsche sind optional erhältlich. Bei den Außenfarben ist ebenfalls alles machbar, was der Kunde möchte. So gibt es auch ein Gift-Grün, bei dem Kermit der Frosch vor Neid erblassen würde. Aber selbst in dieser Farbe sieht der RT 12 S noch erstaunlich harmlos aus.

ALLRAD GEGEN AUFPREIS
Kein mächtiges Flügelwerk ist erforderlich, um die gewaltige Kraft zu bändigen. Feine Verbesserungen der Aerodynamik sorgen für einen Luftstrom, der den Sportwagen bei hohem Tempo wie angeklebt auf der Straße hält. Dabei ist unser Rt für die erste Ausfahrt quasi die Basisversion mit Hinterradantrieb. Der empfehlenswertere Allradler kostet 9000 Euro mehr, bietet aber dafür nicht den feinen Nervenkitzel, wenn man bei feuchter Fahrbahn aus einer Kurve herausbeschleunigt.

Also rein in die optionalen, mit Leder bezogenen Schalensitze. Das Zündschloss befindet sich auch hier links neben dem Lenkrad. Ein Dreh, und schon erklingt ein betörendes Blubbern. Kein peinliches Aufjaulen wie bei anderen Supersportlern, sondern ein selbstbewusster, sonorer Sound.

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Das Kupplungspedal erfordert Kraft, die Handarbeit mit der manuellen Sechsgangschaltung Geschicklichkeit. Innerorts und auf tempolimitierten Landstraßen verhält sich das Kraftpaket lammfromm. Wer früh schaltet und unterhalb von 3000 Touren bleibt, kann an einem Pulk bayerischer Kirchgängerinnen vorbeifahren, ohne bei ihnen den Bekreuzigungsreflex auszulösen.

Lässt man den Höllenhund im Heck dann aber von der Kette, fühlt sich der Pilot wie beim Katapultstart. Buchstäblich schlagartig setzt die Kraft der Turbolader ein. Der Sound wird eindringlich, und der gerade noch weit entfernte Lastwagen steht plötzlich wenige Meter entfernt auf der Landstraße.

Die sehr direkte und außerordentlich präzise Lenkung gibt dem Fahrer im Zusammenspiel mit der serienmäßigen Keramikbremse aber selbst in solchen Situationen ein Gefühl der Sicherheit. Dazu trägt auch der im Dachhimmel integrierte Überrollkäfig bei, der die Steifigkeit der Karosserie zusätzlich erhöht.

SPORTLER FÜR DEN ALLTAG

Bordsteinkanten, Schlaglöcher und hoch aufragende Kanaldeckel sollte man wegen des straffen Fahrwerks zwar meiden, trotzdem ist aber noch etwas an Restkomfort vorhanden. Mit dem Rt kann man tatsächlich jeden Tag zur Arbeit fahren, ohne sich die Bandscheiben zu ramponieren.Besonders bei Regen erfordert der Hecktriebler aber die Aufmerksamkeit des Fahrers und einen sensibel arbeitenden Gasfuß.

In den Grenzbereich wagt man sich im RT 12 S besser ohnehin nur auf einer abgesperrten Rennstrecke, denn die erreichbaren Geschwindigkeiten überfordern schnell Fahrbahn, Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer.

Das gilt diesmal auch für die Ausfahrt auf der Autobahn. Der Pilot des Iveco hat den kleinen grünen Punkt im Rückspiegel wohl übersehen. Vollbremsung. Mehr als 300 km/h waren an diesem Tag nicht drin. Schade. Klaus Uckrow

Fazit

Technische Daten
Motor 
Zylinder6-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler, Biturbo
Hubraum3746
Leistung
kW/PS
1/Min

504/685
7000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
880
3500 - 4000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete und gelochte Karbon-Keramik-Scheiben
h: innenbelüftete und gelochte Karbon-Keramik-Scheiben
Bereifungv: 235/35 ZR 19
h: 235/35 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1540
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.4
Höchstgeschwindigkeit (km/h)260
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch14.2l/100km
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)328

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