Supersportler: Mercedes, Porsche und Wiesmann im Test Mercedes SLK 55 AMG Black Series, Porsche Carerra 911 S, Wiesmann GT MF4

11.04.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die extravagante Optik des Wiesmann GT MF4 demonstriert schon äußerlich den Unterschied zu normalen Seriensportlern. Mit 367 PS unter der üppigen Motorhaube fordert der Sportler starke Konkurrenten wie den Porsche 911 S und den neuen, 400 PS starken Mercedes SLK 55 AMG Black Series heraus

Mit seinem im Retrolook gestylten Wiesmann GT MF4 fordert der im münsterländischen Dülmen ansässige Kleinserienhersteller arrivierte Konkurrenten der Sportwagen-Spitze heraus. Und er legt die Messlatte selbst recht hoch: Bei einem Preis von 111000 Euro hat es sein Coupé nämlich schon mit hochwertigen Kalibern vom Schlage eines Porsche Carrera 911 S und Mercedes SLK 55 AMG, der in der aufgerüsteten Black Series antritt, zu tun. Letzterer dürfte ebenso wie der Wiesmann, obwohl von der Produktion nicht limitiert, bei ziemlich überschaubaren Stückzahlen bleiben. Dagegen ist ein 911 S beinahe schon als Massenware zu betrachten. Wer aber hier wirklich die Maßstäbe setzt, klärt der Vergleichstest.

 

Karosserie

Platzverhältnisse spielen bei dieser Kategorie von Fahrzeugen nur eine untergeordnete Rolle. Schon mehr das Aussehen. Und da ist der Wiesmann mit Sicherheit der Auffälligste. Auch Fans modernen Designs erkennen neidlos die Schönheit seiner rundum gelungenen Retro-Karosserie an. Von Interesse dürften auch die Gepäckabteile sein, denn die Freundin sollte auf Reisen ihre Kosmetikboxen nicht mit Extrapost verschicken müssen. 300 Liter Ladevolumen bietet der SLK, dessen Dach sich in dieser Version nicht öffnen lässt, der Wiesmann 250 Liter. Beim Porsche sind es lediglich 135 Liter. Dieser glänzt dafür mit einer guten Verarbeitung, die man seinen beiden Gegnern nicht so ohne weiteres bescheinigen kann. Schlecht geführte Scheiben, die ab Tempo 100 nicht mehr richtig schließen, und ähnliche Dinge stören beim Wiesmann, während man beim SLK anhand der noch vorhandenen Dachaufnahme im Kofferraum die Liebe zum Detail vermisst.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Carerra SMercedes SLK 55 AMG Black SeriesWiesmann GT MF4
Raumangebot vorn100584849
Raumangebot hinten10015
Übersichtlichkeit70485245
Bedienung/ Funktion100858474
Kofferraumvolumen100163529
Variabilität1005
Zuladung/ Anhängelast8014108
Sicherheit150935315
Qualität/ Verarbeitung200189169158
Kapitelbewertung1000523451378

 

Fahrkomfort

Spätestens bei längeren Fahrten über Landstraßen und Autobahnen lernt man auch den Komfort von Sportwagen schätzen. Das schmale 911-Gestühl bietet den besten Sitzkomfort, gepaart mit ausreichendem Seitenhalt. Dieser ist in den Schalensitzen des SLK nicht zu überbieten, die Einstellmöglichkeiten lassen aber Wünsche offen. Und während in Sachen Ergonomie bei Porsche und Mercedes nicht viel zu beanstanden ist, stören im Wiesmann die schlecht erkennbaren Schalter auf der Mittelkonsole und die nicht vorhandenen Ablagen ein Kompromiss an die Schönheit des Interieurs. Fehlenden Dämpfungskomfort müssen sich Mercedes SLK und Wiesmann GT attestieren lassen. Das einstellbare Sportfahrwerk des SLK ist so hart, dass jede noch so kleine Unebenheit im Asphalt an die Insassen unmittelbar weitergeleitet wird. Beim Wiesmann ist die knüppelharte Hinterachse nur etwas für hartgesottene Naturen, während die Vorderachse mit Unebenheiten gut klarkommt. Die beste Mischung aus Komfort- und Sportabstimmung bietet der Porsche mit adaptiven Dämpfern (PASM). Kurze Schläge dringen aber auch hier spürbar durch.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Carerra SMercedes SLK 55 AMG Black SeriesWiesmann GT MF4
Sitzkomfort vorn150120110115
Sitzkomfort hinten10010
Ergonomie15011210498
Innengeräusche50141214
Geräuscheindruck100727273
Klimatisierung50363628
Federung leer20012010598
Federung beladen20012010598
Kapitelbewertung1000604544524

 

Motor und Getriebe

Dass Sportwagentriebwerke nicht nur bei hohen Drehzahlen begeistern, sondern auch bei niedrigen Drehzahlen Freude bereiten können, zeigen diese drei Motoren deutlich. Der Motor im Wiesmann GT stammt ursprünglich aus dem BMW X5 4.8is. Das 367 PS starke Aggregat erfreut mit Drehwilligkeit und satten 490 Newtonmeter Drehmoment. Noch mehr Durchzugskraft offeriert der 400 PS leistende AMG mit 520 Newtonmetern. Aber auch der 911 holt aus seinen lediglich sechs Zylindern und 355 PS immerhin 400 Nm. In den reinen Fahrleistungen wie beim Spurt von null auf 100 km/h muss sich der Boxer ebenso geschlagen geben wie bei den Zwischenspurt-Bewertungen. Die Unterschiede sind allerdings nur gering, wobei der SLK knapp vorn liegt. Bei der Höchstgeschwindigkeit hat der 911 mit 293 km/h die Nase vorn. Sein niedriges Gewicht von 1290 Kilogramm spielt der Wiesmann bis 200 km/h aus 16,0 Sekunden markieren hier den Bestwert. Während der SLK serienmäßig mit einer Siebenstufen-Automatik ausgerüstet ist, können Wiesmann- und Porsche-Piloten nach Herzenslust in manuellen Sechsgang-Getrieben die Gänge wechseln. Die Schaltbox des 911 glänzt mit kurzen Wegen und arbeitet so exakt, dass jeder Gangwechsel zum freudigen Ereignis wird. Auch beim Wiesmann kommt hier Stimmung auf. Wie der Motor stammt auch das Getriebe von BMW. Die SLK-Automatik wirkt einerseits zu nervös und schaltet zu viel, andererseits dauern die Fahrstufenwechsel hier einfach zu lang. Alle drei Probanden verlangen nach Super Plus, das der Wiesmann mit 12,9 Litern pro 100 Kilometer aber am sparsamsten konsumiert.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Carerra SMercedes SLK 55 AMG Black SeriesWiesmann GT MF4
Beschleunigung150187188187
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150163150150
Getriebeabstufung100988290
Kraftentfaltung50424244
Laufkultur100918993
Verbrauch325105102111
Reichweite25141517
Kapitelbewertung1000700668692

 

Fahrdynamik

Sportwagen dieses Kalibers wollen nicht im normalen Stadtverkehr im Stop-and-go bewegt werden, sie wollen zeigen, welches fahrdynamische Potenzial sie besitzen. Und man erwartet spontan viel besonders vom extravaganten Wiesmann, der optisch an Klassiker wie den Austin Healey angelehnt ist. Der Porsche mit seiner überaus direkten Lenkung peilt jede Kurve blitzsauber an. Dank der 19-Zoll-Bereifung mit Gummis im Format 295/30 an der Hinterachse, verfügt er über eine extrem hohe Haftgrenze. Bei starken Bodenwellen oder heftigen Lastwechseln ist der Schritt von der Stabilität des Hecks bis zum Ausbrechen aber überaus schmal. Ist die Haftgrenze erstmal überschritten, verlangt das deutlich ausschwenkende Elfer-Heck nach einem versierten Piloten, der den Carrera mit blitzschneller Reaktion auf Kurs hält. Dies geschieht natürlich nur bei ausgeschalteter Fahrdynamikregelung. Mit eingeschaltetem PSM bietet der 911 jede Menge Fahrspaß, ohne die Sicherheit zu vernachlässigen. Sicherheitspotenzial zeigt sich auch bei den Bremswerten der standfesten und gut dosierbaren Bremsen, die im warmen Zustand die besten Werte liefern. Im kalten Zustand verzögern sie allerdings nicht so gut wie die der Konkurrenten, die beide 1,2 Meter früher den Stillstand erreichen. Die aufpreispflichtigen (7830 Euro) Keramikbremsen benötigen eben eine gewisse Temperatur. Beim Wiesmann indes lässt die Spurstabilität bei Vollbremsungen Wünsche offen. Trotz ähnlicher Zeiten können SLK und Wiesmann dem 911 auf der Handlingstrecke nicht das Wasser reichen. Die Lenkung des AMG arbeitet nicht so direkt und feinfühlig wie die des Carrera, und bei der des Wiesmann fehlt die Rückmeldung, auch wenn sie direkt auf die Wünsche des Fahrers reagiert. Und während der SLK-Fahrer durch ein nicht abschaltbares ESP grundsätzlich in seinem forschen Kurvenstil eingebremst wird, muss der Wiesmann-Pilot dieses elektronische Helferlein, das er bei Bedarf auch gänzlich abschalten kann, mit 2580 Euro teuer bezahlen. Im Preis enthalten ist hier zudem das ABS, das in der Basisversion nicht verfügbar ist. Da wird es dann doch sehr puristisch und für Puristen, für Fans klassischer und ehrlicher Fahrweise, für Könner am Volant ist der Wiesmann gemacht und gedacht. Wer einen Austin Healey liebt, wird auch den Wiesmann GT lieben. Hier ist Schnellfahren noch Arbeit und Männersache. Das liegt in erster Linie am Fahrwerk, das keine Kompromisse kennt. Die Hinterachse überrascht mit diamantener Härte, die Vorderachse ist aber zu weich abgestimmt. Je nach Be- oder Entlastung des Fahrwerks fordert der Wiesmann den Fahrer mit einem schmalen Grenzbereich heraus. Bei Lastwechseln reagiert er mit Heckschwenks zum Kurvenaußenrand. Wer mit schnellen Reaktionen damit umgehen kann, ist beim Slalom mit 63,8 km/h ähnlich schnell wie mit dem Porsche. Der SLK muss dabei etwas hinten anstehen, denn auch hier bremst ihn sein heftig regelndes ESP kräftig ein. Dafür steigt der Fahrer nach der Handlingfahrt sehr entspannt aus seinem Gefährt und kann auf nahezu identische Zeiten wie mit dem Elfer verweisen.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Carerra SMercedes SLK 55 AMG Black SeriesWiesmann GT MF4
Handling150149148147
Slalom100716169
Lenkung100958783
Geradeauslauf50414134
Bremsdosierung30242020
Bremsweg kalt150122133133
Bremsweg warm150150149148
Traktion100604033
Fahrsicherheit150117122102
Wendekreis20141811
Kapitelbewertung1000843819780

 

Umwelt und Kosten

Den klaren Kapitelsieg sichert sich der Porsche über den Grundpreis er ist rund 20000 Euro billiger als die Konkurrenten. Dem SLK kommen die Mercedes-Garantien zugute, und der Wiesmann erfreut mit der günstigsten Versicherung. Garantien gibt es aber kaum.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Carerra SMercedes SLK 55 AMG Black SeriesWiesmann GT MF4
Bewerteter Preis675176122111
Wertverlust50
Ausstattung25504639
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung507273
Werkstattkosten20352636
Steuer10322327
Versicherung40292038
Kraftstoff55201921
Emissionswerte25787876
Kapitelbewertung1000427361351

 

Fazit

Der Porsche gewinnt diesen Vergleich zwar deutlich, aber von einem Carrera geschlagen zu werden, ist wahrlich keine Schande. Trotzdem ist es überraschend, dass er jedes Kapitel für sich entscheiden kann. Mit Respektabstand folgt als nächster der SLK 55 AMG Black Series. Für das, was der Kunde geboten bekommt, ist er schlichtweg zu teuer. Und es fehlt an einigen Stellen die Liebe zum Detail. Und wer sich einen so extravaganten und sportlichen SLK zulegt, möchte auch die Möglichkeit haben, das ESP ausschalten zu können. Der Wiesmann gefällt mit seiner ausgefallenen Form, seinem tollen Motor, den wunderschönen Rundinstrumenten und dem schicken Leder-Interieur. Doch fehlende Airbags, die unharmonische Fahrwerksabstimmung und der hohe Preis fordern Kompromisse.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Carerra SMercedes SLK 55 AMG Black SeriesWiesmann GT MF4
Summe5000309728432725
Platzierung123

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