Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Seat Altea 2.0 FSI im Dauertest

Seat Altea 2.0 FSI

Im 100.000 Kilometer langen Dauertest überzeugte der Seat Altea mit seinem sportlichen Charakter und Langstreckentauglichkeit. Aber er verbrachte auch viel Zeit in der Werkstatt

Eckdaten
PS-kW150 PS (110 kW)
Antrieb6-Gang, manuell, 6 Gang manuell
0-100 km/h9.60 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit206 km/h
Preis26.570,00 €

Genau 954 Tage brauchte der Seat Altea 2.0 FSI für die 100000 Kilometer im harten Dauertest der AUTO ZEITUNG. Doch der Beau aus Spanien, benannt nach der Küstenstadt Altea (Provinz Alicante), zeigte Allüren. Die Halbzeitbilanz war zufrieden stellend, anschließend musste der Kompaktvan jedoch immer wieder außerplanmäßig in die Werkstatt, oftmals nur wegen Kleinigkeiten. Dafür blieb ihm ein Totalausfall erspart – es ging immer rechtzeitig zum Service. Aber fangen wir ganz von vorn an.

Keiner wusste so recht etwas mit ihm anzufangen, als der Seat Altea in den Dauertest-Fuhrpark aufgenommen wurde und die ersten Kilometer abspulte. Wer braucht denn so ein Auto?, lautete der erste Kommentar im Begleitbuch, in dem alle Eindrücke, Probleme und durchlaufenen Stationen eines Dauertest-Autos festgehalten werden. Zu hart, zu durstig, zu schwach, endete das harte Urteil. Doch schon bald entdeckten wir auch die positiven Seiten im und am Altea. Angefangen beim sportlich abgestimmten Fahrwerk, das den Insassen zwar mit Deutlichkeit vermittelt, wann die Fahrbahn zuletzt geflickt wurde, dem Seat aber die Lizenz zum schnellen Reisen und zum Kurvenräubern verleiht. Unterstützung bei den fahrdynamischen Disziplinen bekommen die straffen Federn von der angenehm direkten Lenkung und dem knackig zu schaltenden Sechsgang-Getriebe. Die kurze Übersetzung macht zwar Spaß, schaltfaules Fahren ist im alltäglichen Fahrbetrieb aber kaum möglich. Bei Tempo 130 im sechsten Gang zeigt der Drehzahlmesser bereits 3500 Umdrehungen pro Minute an, bei 210 km/h sind es über 6000 Touren.

Gut, dass dann der rote Bereich für den Zweiliter-Saugmotor beginnt, denn schon bei zurückhaltender Fahrweise verbraucht der Altea im Schnitt mehr als acht Liter teures Super Plus auf 100 Kilometer. Zwischen neun und zehn Liter Durchschnittsverbrauch zeigte der Bordcomputer bei 130 km/h mit eingeschaltetem Tempomat an. Wenn man den Seat scheuchte, konnten es auch satte 15 Liter sein. Selbst bei sehr defensiver Fahrweise war der EU-Normverbrauch von 7,7 Litern pro 100 Kilometer kaum erreichbar. Das ist unserer Meinung nach zu viel und nicht zeitgemäß für ein Auto mit 150 PS und 1375 Kilogramm Leergewicht. Ganz abgesehen davon, dass der durch die Direkteinspritzung (FSI) prophezeite Verbrauchsvorteil nicht zu erkennen war. Inzwischen ist der 2.0 FSI nur noch in Kombination mit einem Automatikgetriebe erhältlich. Wer in dieser Leistungsklasse einen Altea mit Handschaltung sucht, muss zum 1.8 T mit 160 PS greifen. Ungewöhnlich hoch lag mit 31,6 Litern über die gesamte Dauertest-Strecke auch der Ölkonsum im Vergleich zu anderen Langzeit-Kandidaten.

Aber der Vierzylinder aus dem VW-Konzern hat auch seine guten Seiten. Läuft der Motor im Stand, muss man schon genau hinhören, um das verhaltende Klacken der Ventile zu hören. Bei Umgebungs- oder Windgeräuschen ist so gut wie nichts zu vernehmen. Auch während der Fahrt halten sich die Motorgeräusche in Grenzen – sogar bei höheren Drehzahlen. Der Durchzug ist zwar in den ersten drei Gängen gut, aber von den 200 Newtonmetern des maximalen Drehmoments bei 3500 Umdrehungen ist nur noch wenig zu spüren.

Im Dauertest machte das Triebwerk insgesamt eine gute Figur, trotzdem traten die meisten Mängel unter der Motorhaube auf. Schon nach etwa acht Monaten und 30000 Kilometern schlug das Abgaskontrollsystem Alarm, daraufhin wurde die Zündspule ausgetauscht. Bei Kilometerstand 67858 dasselbe Problem, dieses Mal waren neue Zündstecker fällig. Auch die Motorkühlung geriet ins Stocken. Einmal war es der Wasserkühler, der seinen Dienst quittierte, das andere Mal musste ein leckgeschlagener Kühlmittelschlauch erneuert werden.

Nichts auszusetzen gibt es dagegen am Innenraum des Spaniers. Das sportliche Ambiente, die bequemen Sitze und die aufgeräumte Kommandozentrale überzeugen, einige Knöpfe und Bedienelemente verraten die Verwandtschaft mit Volkswagen. Armaturen und Verkleidungen wirken zum Teil hochwertig, sind gut verarbeitet und sehen auch nach 100000 Kilometern nicht abgenutzt aus. Was man allerdings vermisst, sind nützliche Ablagen und Flaschenhalter, die nicht nur Platz für zwei Getränkedosen bieten.

Die Knöpfe der Klimaanlage sind in direkter Reichweite des Fahrers angebracht und einfach zu bedienen. Wie bei unserem VW Golf GTI-Dauertest (siehe Heft 26/2007) fiel auch beim Seat Altea gegen Ende des Tests der Klimakompressor aus und musste in der Werkstatt ersetzt werden. Das in die Jahre gekommene und etwas langsame, aber bewährte Navigationssystem funktionierte einwandfrei. Seine leicht schräge, zum Fahrer hin ausgerichtete Position ist praktisch, wenn man während der Fahrt Routenänderungen vornehmen will. Auch das Lenkrad gefällt – es ist handlich, klein und griffig und lässt sich prima im axialen und vertikalen Bereich verstellen.

Wie bei einem Reisebus stehen die Scheibenwischer senkrecht und wischen von außen nach innen. Für eine höhere Windschnittigkeit – und weil es natürlich besser aussieht – sind die Wischarme hinter Plastikblenden versteckt. Bei Geschwindigkeiten über 120 km/h verursachen diese Verkleidungen allerdings nervige Windgeräusche, und im Herbst sammelt sich darunter Schmutz und Laub.

Die Sitze vorn können zwar nicht elektrisch eingestellt werden, lassen sich aber – je nach Belieben und Körpergröße – präzise justieren. Viele Pluspunkte sammelte in unserem Dauertest der Fahrersitz, den ein Tester als sportlich, mit viel Seitenhalt und auf langen Strecken bequem bezeichnete. Außerdem verschafft die hohe Sitzpostion eine gute Sicht über das Verkehrsgeschehen. Auf der anderen Seite behindern die hohen Rückenlehnen den Blick nach hinten. Überhaupt hat der Altea-Fahrer ein eingeschränktes Sichtfeld nach allen Seiten. Die hohe Seitenlinie, dicke A- und B-Säulen sowie die zu klein dimensionierte Heckscheibe versperren die Sicht beim Abbiegen oder Einparken. Das Ende der Motorhaube ist ebenfalls schlecht zu sehen, da diese tief abfällt. Eine Einparkhilfe mit Sensoren an der Frontschürze würde Abhilfe schaffen, ist aber bisher nicht lieferbar. Der Aussage Die Funktion muss sich hier wohl dem Design unterordnen pflichteten mehrere Testfahrer bei.

Der Fond bietet überraschend viel Bein- und Kopffreiheit. Aber die Rückbank ist eigentlich keine: Zwischen den Außensitzen bleibt nur Platz für ein Kind, ein Erwachsener säße dort wegen der Seitenwangen der abgesetzten Fensterplätze sehr beengt. Ein weiterer Tester beschwerte sich: Kindersitze kann man nicht besonders gut befestigen. Der Grund: Eine völlig ebene Auflagefläche für Babyschalen und Kindersitze findet sich nicht – hier ist der Altea zu unpraktisch für ein Familienauto.

Dieser Eindruck setzt sich auch hinter der Rückbank fort, denn 409 Liter Ladevolumen sind sehr knapp bemessen. Vier Erwachsene finden im Seat Altea zwar ausreichend Platz fürs bequeme Reisen. Aber mit vier großen Reisetaschen im Kofferraum wird es eng – auch wenn man die Hutablage herausnimmt und das Gepäck bis unters Dach stapelt. In den 18 Zentimeter längeren Altea XL (seit 2006 auf dem Markt, Preise ab 18790 Euro) passen immerhin 532 Liter, bei aufgestellter Rückbank.
Wer sich also für den Seat Altea interessiert, weil er ein Auto fahren will, dass sich optisch von der Masse der Kompaktvans absetzt, muss Kompromisse in puncto Funktion und Raumangebot eingehen. Dass Seat vom Design des Altea überzeugt ist, zeigen die Modelle Toledo und Leon: Von vorn sind die drei kaum zu unterscheiden.

Modellpflege:
2005 Der 1.9 TDI ist auch mit Vorrüstung für einen Diesel-Partikelfilter lieferbar.

2006 Markteinführung des Altea FR mit einem 2.0 TFSI-Motor (200 PS), optionalem Doppelkupplungsgetriebe (DSG).

2006 Verkaufsstart für den um 18 Zentimeter längeren Altea XL im November.

2007 Seat schiebt für den Altea Stylance einen 1,8-Liter Turbomotor mit Direkteinspritzung (TFSI) nach.

2007 Der kleine 1.9 TDI mit 105 PS kann nun auch mit DSG bestellt werden.

2007 Optional: Touchscreen-Navigation.

2007 Erweiterung der Motorenpalette um den 1.4 TSI mit 125 PS.

Fazit

Der Seat Altea ist ein schickes Auto mit viel Temperament und VW-Technik unter dem sportlichen Blechkleid. Doch Design und verheißungsvolle Technik nützen kaum, wenn nicht alles richtig funktioniert. Dass der Altea weniger Platz bietet als ein VW Touran, lässt sich noch verschmerzen – es gibt ja den XL. Dass er aber, über die gesamte Dauertestdistanz gerechnet, im Durchschnitt 10,1 Liter pro 100 Kilometer benötigte, überraschte.

Oft war der Verbrauch sogar höher, und nur mit extrem bewusster Fahrweise konnten wir Werte von unter acht Litern erreichen – trotz der von Seat als Spritspar-Technik gepriesenen Direkteinspritzung. Außerdem verlangt der Altea nach teurem Super Plus. Mit dem Abschleppdienst musste unser Spanier keine Bekanntschaft machen, dafür gibt es Lob. Aber es ist die Summe der meist kurzen Werkstattaufenthalte, die seine Bilanz nachhaltig trübt. Zündspule, Zündstecker, Klimakompressor, Wasserkühler, Kühlmittelschlauch, Radlager: Alles Teile, die während des Marathons ausfielen und den Kompaktvan sieben Mal in die Werkstatt zwangen – die regulären Inspektionen und Wartungen nicht mit eingerechnet.

Paul Englert

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Seat Altea 2.0 FSI

PS/KW 150/110

0-100 km/h in 9.60s

6-Gang, manuell, 6 Gang manuell

Spitze 206 km/h

Preis 26.570,00 €