Dauertest - Opel Astra 1.9 CDTI Sonniges Thema

23.09.2008

Der ewige Golf-Verfolger Opel Astra zeigte im Dauertest über 100 000 Kilometer durchaus Führungsqualitäten

» Bilanz und Bilder aus dem 100 000-km-Dauertest

Der ewige Zweite der Kompaktautos in der deutschen Zulassungsstatistik? Ganz klar, das ist seit Jahr und Tag der Opel Astra. Ganz weit vorn, könnte man es natürlich auch nennen. Denn am soliden Rüsselsheimer kommen die anderen Rivalen auch nicht vorbei. Dass der Astra das Zeug dazu hat, sogar in Führung zu gehen, hat er jetzt über 100 000 Kilometer in unserem harten Dauertest gezeigt.

Das beginnt beim Antrieb. Sein Vorwärtsstreben untermauert er hier mit dem 150 PS starken Topdiesel 1.9 CDTI. Der aus einer inzwischen beendeten Liaison mit Fiat entsprungene Common-Rail-Selbstzünder wuchtet bis zu 320 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle und entlässt, politisch korrekt, nur partikelgefiltertes Abgas der Güteklasse Euro 4 in die Umgebung. Er gehört zu den vergleichsweise geschmeidigen Dieseln, ruppiges TDI-Nageln ist ihm fremd.

Nicht wenige Kollegen bescheinigten ihm im Fahrtenbuch zudem ein kultiviertes Laufverhalten. Darüber hinaus ist der Vierzylinder stets sportlich drehfreudig: Während so mancher Vierzylinder-TDI ab 3800 Touren die Flügel hängen lässt, liefert der CDTI auch oberhalb von 4000 Umdrehungen noch verwertbare Leistung.

Aber auch die harten Messwerte sprechen für den Opel: eine Beschleunigung von null auf Landstraßentempo 100 in weniger als neun Sekunden, jederzeit satter Durchzug, 208 km/h Spitze - und das alles bei einem Gesamt-Durchschnittsverbrauch von nur 7,8 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Auch beim Motoröl-Konsum hielt sich das Kraftwerk im Test vornehm zurück: Weniger als 0,1 Liter Schwund auf 1000 Kilometern zeugen von einem gesunden Motorinnenleben.

Einen Patzer leistete sich das Triebwerk: Anlässlich einer Autobahnfahrt stellte bei Kilometerstand 76 219 ein Injektor des Common-Rail-Systems für immer die Arbeit ein. Die Dienstfahrt des Kollegen war damit aber nicht ganz beendet, denn im Notprogramm schafft der Astra maximal 90 km/h, was immerhin noch zum Aufsuchen der nächstgelegenen Opel-Werkstatt reichte. Dort wechselte man als Garantieleistung den defekten Injektor sowie alle vier Injektorstecker.

Ansonsten verhielt sich der kompakte Rüsselsheimer über die gesamte Distanz unauffällig - im positiven Sinne. Mit seinem guten Platzangebot und der in drei Teilen umlegbaren Rücksitzbank (Option), die das Kofferraumvolumen von 380 auf bis zu 1300 Liter erweitert, empfiehlt er sich als zuverlässiger Alltagsbegleiter.

Kleiner Wermutstropfen: Besonders auf langen Reisen mangelt es an nutzbaren Ablagen und Cupholdern. Auch die schmalen Staufächer in den Türen erweisen sich als wenig praxistauglich. Größere Utensilien passen erst gar nicht hinein, und Kleinkram lässt sich nur mühsam wieder herausfingern. Ansonsten meisterte der attraktiv gestylte Astra kurze wie lange Distanzen problemlos und gefiel dabei mit einem insgesamt ansprechenden Fahrkomfort.

Das IDS-Plus-Sportfahrwerk mit elektronischer Dämpferregelung hinterließ allerdings einen etwas zwiespältigen Eindruck: Vielen Testfahrern war es eine Spur zu hart gefedert, gelegentlich wurde Vorderachsstuckern moniert. Ein Druck auf die Sport-Taste und die damit einhergehende straffere Stoßdämpferkennung machen das Fahrwerk zwar insgesamt noch steifbeiniger, Federung und Dämpfung scheinen in diesem Modus aber besser zueinander zu passen.

Einige Kollegen wählten daher beispielsweise für Autobahnfahrten stets die straffe Sport-Abstimmung. Damit absolviert der Astra lang gezogene Kurven selbst bei Maximaltempo mit stoischer Ruhe. Nicht zuletzt sorgen die im Sport-Modus mehr Gefühl vermittelnde Lenkung und die bissigere Gasannahme für eine Extraportion Dynamik.

Dennoch herrschte in der Redaktion Einigkeit dahingehend, dass man sich den Aufpreis für das kompromissbehaftete IDS-Plus-Fahrwerk sparen kann. Denn auch mit dem komfortableren Serienfahrwerk gehört der Astra zu den fahraktiven Vertretern seiner Klasse. Großen Anteil am ermüdungsfreien Reisen haben die Sitze des Opel, ganz gleich, ob man nun zu den Sitzriesen oder zur eher kleinwüchsigen Gattung gehört.

Gut konturiert und viel Seitenhalt gebend, angenehm straff gepolstert und auch gegen Dauertestende noch lange nicht durchgesessen, zeugt das gesamte Mobiliar von guter Qualität. Lob auch für die recht direkt und exakt arbeitende elektrohydraulisch unterstützte Servolenkung sowie die gut zu dosierende und wirksame Bremsanlage. Kalt wie warm brachte sie den mit Fahrer immerhin 1,4 Tonnen wiegenden Kompaktwagen nach nur rund 35 Metern zum Stillstand - vorbildlich.

Selbst auf Passabfahrten mit vollbeladenem Anhänger zeigte die Bremse keinerlei Ermüdungserscheinungen. Wo viel Licht ist, ist auch Schatten: Die meisten kritischen Fahrtenbuch- Einträge erntete das Bediensystem des Astra. Denn auch über die Zeit mag man sich nicht an die nur bedingt treffsichere Tippfunktion zur Betätigung von Blinkern und Scheibenwischern gewöhnen. Jedem, der mit dem Astra unterwegs war, wäre ein konventionell nach oben oder unten einrastender Wischer- bzw. und Blinkerhebel lieber gewesen.

Auch sorgte der optionale Regensensor bei Nieselregen nur selten für das passende Wischintervall - der eine oder andere Kollege sehnte sich hier nach einer guten alten manuell justierbaren Intervall- Einstellung. Und auch die über das zentrale Display und einen Bedienknopf erfolgende Menüführung für Radio/CD-Funktionen, Navisystem, Klimaanlage und Luftverteilung ist umständlich und lenkt vom Verkehrsgeschehen ab.

Das Navigationssystem wiederum führte uns hin und wieder nur über Umwege zum Ziel, einige Male quittierte es sogar ganz den Dienst. Überraschungen hielt auch das CD-Radio bereit - es schaltete sich insgesamt dreimal mit einem Ohren betäubend lauten Knall selbst ein. Und der Radioempfang blieb über die gesamte Dauertest-Phase bescheiden, besonders unter schwierigen Empfangsbedingungen innerhalb von Großstädten.

Zweimal warnte eine Anzeige vor mangelndem Kühlmittelstand - beide Male falscher Alarm, wie sich nach der Sichtkontrolle im Motorraum schnell herausstellte. Es war also vorwiegend die Elektronik, die uns narrte.

Mechanisch zeigte sich der Astra dagegen von der robusten Seite. Kein Knacken in den Antriebswellen, kein heulendes Getriebe, keine durchrutschende Kupplung. Und auch der Motor setzte sich gegen Testende ebenso kraftvoll in Szene wie am ersten Tag. Gleiches gilt für das Sechsganggetriebe, das sich zwar nicht übermäßig exakt schalten lässt, über die Distanz aber keine Verschleißerscheinungen zeigte.

Die Karosserie wirkt trotz der im Zeitraffertempo abgespulten 100 000 Kilometern immer noch solide und steif. Klappern gehörte bei diesem Opel auch am Dauertestende nicht zum Handwerk, lediglich das großflächige Glasschiebedach machte durch gelegentliches Knarzen auf fallende Außentemperaturen aufmerksam. Im Sommer hingegen bereitete das stets einwandfrei funktionierende Schiebedach viel Freude und bescherte zumindest den vorn Sitzenden ein Hauch von Cabrio-Feeling. Hinten wird es dagegen schnell unangenehm zugig. Gut dagegen: Störende Windgeräusche bei geschlossenem Dach verkneift sich der Astra. Abgesehen von der zweimal gebrochenen Aufhängung der Kofferraumabdeckung gibt es an der Materialauswahl und der Verarbeitungsqualität des Astra nichts auszusetzen – das war bei Opel nicht immer so.

FAZIT
Das Ergebnis des Dauertests kann sich sehen lassen. Der gut motorisierte und sparsame Opel Astra 1.9 CDTI war der Redaktion über 100 000 Kilometer ein treuer Begleiter. Nur einmal erlaubte er sich eine Unpässlichkeit mit anschließendem Werkstattaufenthalt – dank Garantie war der Austausch eines Injektors zumindest kein finanzielles Problem.

Alle anderen Probleme waren kleinerer Natur. Generell zeigte sich das Volumenmodell den Anforderungen des mobilen Alltags stets gewachsen. Kleine Streiche spielten uns die Elektronik sowie die teilweise gewöhnungsbedürftige Bedienung des gut ausstaffierten Viertürers. Die Langstreckenqualitäten wurden allenfalls vom etwas zu harten (optionalen) IDS-PLUS-Fahrwerk und dem Mangel an praktischen Ablagefächern getrübt. Ansonsten beeindruckte der Opel durch seine robuste Mechanik und das hohe Niveau der Verarbeitungsqualität. So scheint der Astra nach Dauertestabschluss das Zeug für viele weitere problemlose Kilometer zu haben.

» Bilanz und Bilder aus dem 100 000-km-Dauertest

MODELLPFLEGE Opel Astra

    3/2004 Markteinführung der dritten
    Astra-Generation in Deutschland
    8/2004 Einführung 1.9 CDTI mit 120 und
    150 PS sowie 2.0 Turbo (200 PS)
    3/2005 Basis-Diesel 1.3 CDTI (90 PS)
    8/2005 1.9 CDTI mit 100 PS; Rußfi lter
    Serie bei allen 1.9 CDTI
    11/2005 Astra OPC (240 PS), neuer 1.8
    (140 PS); Rußfilter Serie im 1.3 CDTI
    2/2006 Panoramascheibe im Astra GTC
    5/2006 Einführung Astra TwinTop
    9/2006 Easytronic für Astra 1.3 CDTI,
    4-Stufen-Automatik für Astra 1.8
    3/2007 Facelift, neuer 1.6 (115 PS),
    neuer 1.6 Turbo (180 PS)

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