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Bilder vom Datsun 240Z

Ganz schön sportlich

Im Jahr 1969 tat sich in Japan Unerhörtes. In dem Land, das bis dato für seine automobilen Sparbrötchen bekannt war, rollte ein sensationeller volkssportler an den Start

Eckdaten
PS-kW131 PS (96 kW)
AntriebHeckantrieb, 5 Gang manuell
0-100 km/h9.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Preisk.A.

Lange bevor der japanische Riesen-Konzern auf die sybellinische Formel "Er kann. Sie kann. Nissan" verfiel, hörten Produkte der Automobilsparte auf den schönen Namen Datsun. Im Jahre 1912 nämlich stellten die Herren Den, Aoyama und Takeuchi ihren ersten Prototyp eines leichten Personenwagens auf die Räder - damit war "DAT" klar. Und weil Japan das Land der aufgehenden Sonne ist, fügte man später deren englische Bezeichnung an. Ob Datsun in den Ohren der Marketingleute zu sehr nach Orangenlimo klang, ist nicht überliefert. Auf alle Fälle wich der Markenname Anfang der 80er-Jahre über den Umweg "Datsun - made by Nissan", und die barocken Bluebirds und Laurels hießen fortan schlicht Nissan. In alter Datsun-Zeit, auf der Tokyo Motor Show 1969, sorgte ein neuer Sportwagen in englischem Gewand für Furore. Unter dem schlichten Code "Z" entwickelt, trug der ganze 1060 Kilogramm leichte Sportler in Japan die Zusatzbezeichnung "Fairlady" und wäre unter diesem Begriff höchstwahrscheinlich ein kolossaler Flop geworden, hätte nicht der damalige US-Importchef der Marke Schlimmeres verhindert. Ein Nippon-Sportler namens Datsun Fairlady hätte in den Staaten ähnliche Marktchancen gehabt wie eine "Renault Zuckerpuppe" in Deutschland. Deshalb hieß der schnittige Neuling in Amerika wie später auch in Europa einfach 240Z. Er wurde zum Begründer einer der erfolgreichsten Sportwagen-Baureihen aller Zeiten. Den fragilen Zündschlüssel in den Fingern, steht man dem 240Z verblüfft gegenüber. Ein Déjà-vu? Klarer Fall, hier muss ein Jaguar E-Type-Fan am Werk gewesen sein. Stimmt. Ganz offensichtlich vom Jag inspiriert, hat der deutsche Designer Albrecht Graf Goertz, der zuvor bereits den Datsun Silvia entwarf, den Z in Top-Form gebracht. Aus derselben Feder stammt auch der legendäre BMW 507. Noch heute müsste man dem Designer-Grafen auf die Schulter klopfen, gelang ihm doch eine Sportwagen-Skulptur, die schneidig auftritt und dabei athletisch leicht wirkt. Der 240Z mit seiner langen Schnauze, den stattlichen Radhäusern und dem schwungvoll zum Heck hin abflachenden Dach gibt den unverwässerten GT, der viele der gründlich verspoilerten Sportwagen-Versuche der späten 70er- und beginnenden 80er-Jahre ästhetisch in Frage stellt. Seine glänzenden Chrom-Stoßstangen entsprechen dem Geschmack der Zeit. Darin spiegelt sich das benachbarte Rapsfeld, in dem gerade eine Erntemaschine wütet. Der Landmann am Steuer sendet diesen Blick, den man als Motorjournalist kennt. Er drückt in etwa aus: "Börsenschnösel, geldgieriger. In deinem Alter fuhr ich Kreidler und nicht Ferrari." Lassen wir ihn in diesem Glauben. Der Auspuff der im Hintergrund parkenden Test-Limousine - acht Airbags, 333 PS, ABS, ESP, DTC, etc. - knistert noch. So fährt man heute über Land. Und damals? Hinein in den 1285 Millimeter flachen Z und mindestens runter bis Nizza. Halt. Der Innenraum schärft die Sinne eher in Richtung Bitterfeld denn Côte d':Azur. Schwarzes Synthetikmaterial überzieht die Sitze. Schon bei 25 Grad im Schatten klebt das Hemd pomadig am Rücken. Die vier kleinen Ventilationsöffnungen in der Sitzlehne bringen exakt gar nichts. Die Sitzposition aber stimmt. Man macht lange Arme und Beine wie einst im Ford Capri, hockt aber noch knapper vor der Hinterachse. Der Blick fällt auf eine freudlose, mattschwarze Kunststoffszenerie. Das Armaturenbrett in Vaters knallorangem Rallye-Kadett sah ähnlich deprimierend aus. Gut, die zahlreichen Rundinstrumente und der griffige Schalthebel mit seiner Ledermanschette versöhnen ein wenig. Es wird klar, dass der 240Z als Jedermann-Sportwagen seine Käufer fand und nicht als elitäres, weil unverschämt teures Manufakturprodukt. Die seitlichen Positionslampen unseres Exemplars lassen dessen ursprüngliche Export-Heimat USA erkennen, in die der 240Z wahlweise mit manuellem Viergang-Getriebe oder Automatik geliefert wurde. Im handschaltenden Europa portionierte man Datsuns Drehmoment generell per Fünfgang-Schaltung. Es beträgt maximal 197 Newtonmeter und entstammt einem 2,4 Liter großen Reihensechszylinder, der mit 130 PS in Relation zum Fahrzeuggewicht gut im Futter steht. Technische Finessen gehen dem von zwei Horizontalvergasern befeuerten Großserien-Aggregat zwar ab. Dafür aber verfügt es über zwei Zylinder mehr als die europäischen Konkurrenten jener Zeit wie etwa der Opel GT, der Porsche 914 oder das Fiat 124 Coupé - vom deutlich teureren Alfa GTV einmal abgesehen. Der Sechser geht überaus drehfreudig und dabei in allen Lebenslagen kernig tönend zur Sache. Gasstöße setzt der mit einer kettengetriebenen, obenliegenden Nockenwelle bestückte Sechszylinder in kehliges Röhren um. Unter Last trompetet er kraftvoll und mimt den ganz dicken Brocken. Fahrwerksseitig war die Fairlady vielen Japanern ihrer Zeit voraus, die, oft mit hinteren Starrachsen bestückt, im Kurvengeschlängel und bei sportlicher Gangart nicht nur eine kundige Hand am Steuer verlangten, sondern häufig auch einen Abschleppwagen, falls die Hand so kundig nicht war. Der 240Z aber verfügt bereits über Einzelradaufhängung hinten samt Federbeinen und Querlenkern. So gerüstet ist es eine Freude, den quirligen Datsun durch die Kurven zu scheuchen. Der Fahrer sitzt dicht über dem Straßenbelag, das dünne Lenkrad fest in Händen, und freut sich, wie willig die Flunder den Richtungsbefehlen folgt. Auf freier Strecke sind stramme 200 km/h möglich. In diesem Zustand brüllt die Maschine aus vollem Hals, und der 240er robbt sich Meter um Meter an den inflationär herumdieselnden TDI vorbei. 1974 beerbte der Datsun 260Z den 240. Er wurde mit kurzem Radstand in die USA und als 2+2-Sitzer in den Rest der Welt verkauft. Vier Jahre später debütierte der 280 ZX, der kurz vor Produktionsende auch als Targa-Version kam. Ab 1984 rollte der 300 ZX vom Band, den es später auch als Turbo-Version gab. Ihm folgte der 300 ZX Twin-Turbo (283 PS). Seit Oktober 2003 führt der 350Z die Erfolgsgeschichte fort. Der Name Datsun ist derweil längst vom Winde verweht. Der holden Dame aus George Bernhard Shaws "Pygmalion" blieben sie im Land der aufgehenden Sonne aber treu. Das 350Z Coupé ist in Japan noch immer die Fairlady. Stefan Miete

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Datsun 240Z

PS/KW 131/96

0-100 km/h in 9.50s

Heckantrieb, 5 Gang manuell

Spitze 200 km/h

Preis k.A.