Das neue Fahrerassistenzsystem Proreta 2 im ersten Test Überholen ohne Risiko

15.03.2010

Das neue Fahrerassistenzsystem Proreta 2 soll gefährliche Überholmanöver frühzeitig erkennen und verhindern. Erste Testfahrt

Traurige Bilanz: Zwei von drei Unfalltoten kommen in Deutschland auf Landstraßen ums Leben. Oft sind Fehleinschätzungen und missglückte Überholvorgänge die Ursache. Zur Entschärfung der Situation konnten bisher nur „passive Maßnahmen“ wie Leitplanken und Verbotsschilder an besonders kritischen Stellen aufgestellt werden. Doch das ist oft wirkungslos.

Jetzt haben der Autozulieferer Continental und die Technische Universität Darmstadt ein Fahrerassistenzsystem namens Proreta 2 vorgestellt, das gefährliche Überholmanöver frühzeitig erkennen, den Fahrer warnen und – falls nötig – sogar durch aktiven Eingriff helfen soll, einen Unfall zu vermeiden.

Wichtigste Voraussetzung: eine exakte Erfassung des gesamten Fahrzeugumfelds, und das bei jedem Tempo. Ein sehr schneller Onboard- Rechner muss sowohl das Bewegungsmuster des eigenen Autos als auch das des zu überholenden und das des entgegenkommenden Fahrzeugs bewerten. Keine leichte Aufgabe. „Unser erster Prototyp zeigt, dass solch eine komplexe Situation mit der vorhandenen Technik beherrschbar ist“, sagt Peter Rieth, Leiter Technik- und Sicherheitsentwicklung bei Continental – und lädt uns zur Probefahrt ein.

GRIFF IN DEN BAUKASTEN
Doch der Reihe nach: Continental hat sich in den letzten Jahren zum Spezialisten für Fahrerassistenzsysteme entwickelt. Der Konzern verfügt nicht nur über beste Kenntnisse und Entwicklungskompetenz, sondern auch über alle denkbaren Sensoren und Aggregate (Aktuatoren), die in modernen Fahrzeugen bereits für unterschiedlichste Anwendungen eingesetzt werden.

Also genau jene Bauteile, die zum Erfassen und Erkennen von Situationen (Sensorik) sowie zum Ausführen von mechanischen Aufgaben (Aktuatorik) nötig sind.

Rieth: „Was liegt näher, als mit schon vorhandenen Baugruppen einen Versuchsaufbau zu wagen?“ Die Video- und Radarsensorik von Continental erfasst das Fahrzeugumfeld, die Videobilder werden durch eine Auswertungs- Software, die in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt entstand, analysiert.

Dabei werden Objekte wie andere Fahrzeuge, aber auch Hindernisse und weitere Verkehrsteilnehmer – Fußgänger oder Fahrradfahrer – erkannt und bewertet. Die Informationen müssen aussortiert werden. Das heißt: Was für den Überholassistenten nicht von Belang ist, wird „gezielt ignoriert“, also verworfen – so wird die Leistungsfähigkeit des Prozessors nicht überbeansprucht.

SCHNELLES DATEN-PUZZLE
Entwickler Roman Mannale erläutert: „Objektdaten, die für den Überholvorgang wichtig sind, werden mit Informationen anderer Sensoren abgeglichen.“ Zum Beispiel mit den Messdaten des Radarsensors sowie der Lenkwinkel- und Gierraten-, Geschwindigkeits- und Raddrehzahl-Sensoren. So ergibt sich für den Bordcomputer ein ziemlich genaues Bild.

Mannale räumt ein: „Damit dies auch bei schnellem Landstraßentempo funktioniert, mussten wir den Fernbereichsradar ein wenig tunen.“ Für den Einsatz im Versuchsfahrzeug blickt das Radar weiter in die Ferne als das Serienbauteil. Es erfasst alles, was sich bis zu 400 Meter vor dem Fahrzeug befindet.

Kurz: Das System berechnet anhand der Sensor- und Fahrdynamikdaten permanent die Positionen des eigenen, des vorausfahrenden sowie des entgegenkommenden Fahrzeugs. Das Ergebnis gibt einen direkten Aufschluss darüber, ob der Weg für ein sicheres Überholen ausreicht.

Stellt das System jedoch schon beim Beginn des Überholvorgangs – also beim Ausscheren aus der Fahrspur – fest, dass der Weg für ein gefahrloses Überholmanöver nicht ausreicht, dann warnt es den Fahrer. Bei unserem Praxis-Versuch mit einem BMW-Prototypen leuchtete das Navi-Display erst gelb auf und wechselte dann bei größerer Gefährdung in ein Aufmerksamkeit weckendes Rot.

Parallel dazu warnt der Überholassistent den Fahrer akustisch, und das aktiv vibrierende Gaspedal fordert ihn dazu auf, vom Gas zu gehen. So soll er zum Abbruch des Überholmanövers animiert werden. Zeigt das alles keine Wirkung, obwohl erneute Berechnungen des Bordcomputers keinen Anlass zur Entwarnung geben, dann greift das System direkt ein und bremst das eigen Auto hinter das vorausfahrende zurück. Der Fahrer hat dann die Chance, wieder einzuscheren.

Das alles klappt erstaunlich gut. Bevormundet kamen wir uns beim Praxistests – natürlich auf abgesperrter Prüfstrecke – nicht vor. Denn die Abstimmung dieses Überholassistenten funktioniert recht praxisnah: Beginnt die Technik zu warnen, würden erfahrene Fahrzeuglenker schon jetzt nicht mehr zum Überholen ansetzen.

Nach dem Serienstart befragt, wiegelt Rieth ab: „Neben der technischen Umsetzung müssen auch Akzeptanzfragen geklärt sein.“ Fühlen sich Fahrer zum Beispiel bevormundet? Und: Der Überholassistent muss sich auch im mehrspurigen Verkehr sicher orientieren, Fehlauslösungen darf es nicht geben. Holger Ippen

AUTO ZEITUNG

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