Das Design von Porsche Porsche-Designchef Michael Mauer

27.09.2010

Porsche-Designchef Michael Mauer ist Sportler, Ästhet, Denker und ein Mann mit Prinzipien. Eine Begegnung

Die gängige Vorstellung vom Wesen eines Menschen, dessen Entscheidungen das Aussehen eines Automobils bestimmen, ist ja oft etwas seltsam. Topdesigner, so ahnt man, tummeln sich in klimatisierten Séparées drüben im coolen Malibu, umgeben sich mit schönen Dingen und warten, bis die Muse an ihre Le Corbusier-Liege tritt und ihnen süße Worte zur optimalen Oberflächenstruktur eines neuen Handschuhfachdeckels ins Ohr säuselt. Zwischen zwei Polo-Matches schauen sie ab und zu in der Firma nach dem Rechten. So oder so ähnlich wird es sein.

INSPIRATION UND HANDWERK
Es ist anders. Michael Mauer, Jahrgang 1962, früher in Daimler- und Saab-Diensten tätig, verantwortet seit 2004 das Design von Porsche. Er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden: „Die Inspiration findet man nicht auf der Alm oder am Pool, sondern überall oder gar nicht“, beschreibt Mauer die Designer-Arbeit, die vom ständigen Ent- und Verwerfen lebt. Der gebürtige Rotenburger hat sein Handwerk an der Fachhochschule in Pforzheim gelernt. „Ich gehörte dem ersten Studiengang in Transportation-Design an. Wir waren zu zweit im Semester“, sagt Mauer und erklärt, dass die Finesse dieser Lehre nicht darin liegt, bunte Bilder zu malen oder hübsche Verpackungen für technisch komplexe Produkte anzufertigen. „Die Hauptaufgabe liegt darin, über die Suchmaschinenoptimierung der Form und der Ergonomie die Welt ein wenig besser zu machen.“

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Optimierung ist das Stichwort. Wohl kein Auto auf Erden ist derart vorsichtig anzufassen wie der Porsche 911. Ändert man zu wenig, erkennt niemand den Neuen. Ändert man zu viel, ist es kein Elfer mehr: „Beim nächsten 911 wird man auf den allerersten Blick erkennen, dass es der Neue ist“, gibt Mauer einen Vorgeschmack auf die für 2011 geplante Ablösung des aktuellen Modells, die – und das ist wichtig – ein unverwechselbarer Elfer bleiben wird. Hohe Kotflügel, aus denen sich die Scheinwerfer entwickeln, die niedrige Haube, die Seitenscheibengrafik oder die starke Schulter über den Hinterrädern – all das soll die Fans der Baureihe begeistern.

Sport ist die große Leidenschaft von Michael Mauer: „Man muss ab und zu das Hirn freiblasen. Ich liebe extremes Skifahren an Orten, wo noch nicht die ganze Welt war.“ Der Porsche-Vordenker klettert dann in einen Hubschrauber und lässt sich mit langjährigen Freunden zur Tiefschnee-Abfahrt in die Berge fliegen. „Es ist natürlich so, dass wir alle gern leben. Deswegen tragen wir Airbag-Rucksäcke“, erklärt er. Mauer spricht stets mit Bedacht, fast druckreif. Beim Thema Sport aber gewinnt die Begeisterung Oberhand. „Früher war ich Extrem-Windsurfer“, sagt er mit funklenden Augen. „In zehn Jahren meines Lebens habe ich fast jede freie Minute auf dem Surfbrett verbracht.“

DAS RISIKO GEHÖRT DAZU
Risikofreude gehört für den Sportfan zum Leben. Eine Eigenschaft, die er mit seinem Arbeitgeber teilt. „Wenn ich Freitagabends mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau die Wetterkarte gesehen habe und es für die deutsche Nord- und Ostseeküste eine Sturmwarnung gab, sind wir sofort gestartet.“ Eines seiner Traumziele ist Barbados. „Da gibt es masthohe Wellen“, erzählt Mauer über das atlantische Surferparadies auf den kleinen Antillen und beschreibt den Nervenkitzel.

„Vor dir steht plötzlich eine türkisgrüne Wand. Da geht es mit 50 bis 60 Sachen hoch. Beim Abreiten der Welle sind dann Tonnen von Wasser hinter dir her. Das ist der Hammer.“ Mauers Vorbild ist so naheliegend wie ein Boxer im Heck des Elfer. „Robby Naish ist mein absolutes Surf-Idol. Er war gerade hier in Stuttgart, um sich einen GT3 und den neuen Panamera anzuschauen.“ Der 24-fache Windsurf-Weltmeister ist Porsche-Fan. „Es beeindruckt mich sehr, wenn jemand einen Sport mit solcher Leidenschaft betreibt wie er.“

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Andere prägende Persönlichkeiten – Mauer nennt sie Lebensabschnittsvorbilder – sind sein Vater, der Arzt ist, seine Mutter, die sich für ihn und den Sport eingesetzt hat. Auch der frühere Mercedes-Designpapst Bruno Sacco, Porsche-Boss Wendelin Wiedeking oder der indische Freiheitskämpfer Mahatma Ghandi haben Mauer beeindruckt. Es sind unterschiedlichste Menschen, die unbeirrbar ihr Ziel verfolgen.

Große Sympathie hegt Mauer für den bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt. „In einem Sketch geht es um die Inspiration. Polt sitzt im Wohnzimmer und trinkt eine Flasche Rotwein. Weil die Inspiration nicht sofort kommt, trinkt er noch drei weitere. Irgendwann kriecht sie dann hinter dem Gummibaum hervor. Herrlich.“ Diese Form der Ideenfi ndung mag Winzergenossenschaften entzücken. Zielführend ist sie genauso wenig wie das starre Festhalten an Fehlentwürfen. Mauer: „Man muss die Dinge reif werden lassen. Aber: So weh es auch tut, so viel es auch kostet – man muss auch den Mut haben, einen Entwurf in die Tonne zu treten. Den geraden Weg gibt es im Design nicht.“ Stefan Miete

VITA
Michael Mauer, 1962 in Rotenburg/Fulda geboren, studierte Transportation Design in Pforzheim. Im Jahr 1986 ging er als Exterieur-Designer zu Mercedes, wurde 1998 Studioleiter des Advanced Design Studios (Japan) und ein Jahr später Designchef von Smart. Von 2000 bis 2003 war Mauer Designchef von Saab. Seit 2004 ist er Porsche-Chefdesigner.


„ES WIRD ZU VIEL HERUMGEFUCHTELT“
Smart, jugendlich, locker. Das ist eine Seite des Michael Mauer. Es gibt noch eine andere. Der Chefkreative des weltweit erfolgreichsten Sportwagenherstellers ist zugleich Handwerker, Kritiker und Bewahrer der reinen Lehre: „Was will ich in der Zeit zeichnen, die mir bleibt?“, lautet eine typische Frage, die er sich stellt. „Natürlich träumt man als Designer immer davon, auch Trendsetter zu sein. Aber ich beschäftige mich viel intensiver mit dem Archetypus und der Proportion.“ Mauer kann den 911 nicht neu erfinden, sondern muss die Ikone in eine andere Zeit führen. „Es wird im Styling zu viel herumgefuchtelt“, kritisiert er die mangelnde Harmonie mancher Messe-Neuheiten. „Man muss sich nicht ständig neu erfinden, sondern an prägenden Merkmalen arbeiten, sie verstärken und knackiger machen.“

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