Corvette ZR1 gegen Lamborghini Murciélago Corvette ZR1 und Lamborghini Murciélago LP640

04.08.2009

Mit 1287 PS kann man 20 Kleinwagen betreiben. Oder zwei fulminante Sportwagen-Träume leben: mit der Corvette ZR1 auf amerikanische Art, mit dem Lambo im Italo-Stil

Es gibt wenig, was Amerikaner und Italiener verbindet. Eines ist vielleicht die Ansicht, dass sich ein Supersportwagen nicht nur durch sein Karosseriekleid, sondern auch durch exotische Technik-Dessous darunter vom Rest der Automobilwelt abgrenzen sollte. Einig ist man sich außerdem dies- und jenseits des großen Teichs, dass deutlich über 600 PS eine angemessene Leistung darstellen.

Bei der brandneuen, in Handarbeit gefertigten Topversion des ur-amerikanischen Sportwagens schlechthin sind es exakt 647 Pferdestärken. Die Corvette ZR1 stellt damit alle ihre Vorgänger mühelos in den Schatten. Anzusehen ist der ZR1 ihre Vormachtstellung erst auf den zweiten Blick. Karbon-Spoilerlippe, Karbon-Struktur im Dach, Karbon- Keramik-Scheiben mit blau eingefärbten Bremssätteln hinter den Rädern, die vorn 19 und hinten 20 Zoll groß sind. Und natürlich Exakt geführter Schalthebel.

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Rechts daneben die Dämpferverstellung das Fenster in der langen Motorhaube, das den Blick auf das Gehäuse von Kompressor und Ladeluftkühler frei gibt. Wie bei allen Corvette vertraut man auch bei der ZR1 auf die Kombination aus klassischer Doppelquerlenker-Aufhängung mit je einer Querblattfeder aus Kunststoff vorn und hinten. Das Rückgrat des Autos bildet ein Stahlrohrrahmen, die meisten Karosserieteile sind aus leichten Faser-Verbundwerkstoffen.

Stahl und Karbon

Und da sind sie wieder, die seltenenGemeinsamkeiten zwischen Italienern und Amerikanern. Auch die im Grunde mittlerweile über acht Jahre alte Grundkonstruktion des Lamborghini Murciélago LP640 erhält ihre Steifi gkeit durch einen Gitterrohrrahmen aus Stahl, während die Außenhaut überwiegend aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen besteht. Das war’s dann aber schon mit den Ähnlichkeiten.

Denn obwohl man bereits der klassischen Corvette kein schüchternes Auftreten nachsagen kann, verblasst die ZR1 gegenüber dem spektakulären Showtalent eines Murciélago. So radikal flach, breit und messerscharf geradlinig – das einzig Runde an diesem Auto sind die Räder – tritt sonst keiner auf. Klare Sache: Wer Lambo fährt, steht im Mittelpunkt, jeden Tag, jede Nacht, auf dem Boulevard oder vor der Garage, wo man sich mehr oder minder elegant unter der nach oben schwenkenden Tür ins Auto schwingt.

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Doch wenden wir uns dem Schlichteren der beiden zu. Besonders der zum Teil etwas rustikal ausstaffierte Innenraum der ZR1 vermittelt jenen hemdsärmligen Charakter, den viele am Ami lieben, der aber wenig Exklusivität vermittelt. Dies gerät jedoch schnell zur Nebensächlichkeit, sobald man sich im bequemen, großzügigen Fahrersessel aus Leder einfindet und der grün glimmende Startknopf Betriebsbereitschaft signalisiert.

Auf Knopfdruck krallt sich das Anlasserritzel unter metallischem Klacken in den Zahnkranz der Schwungscheibe und müht sich, der 6,2-Liter-Maschine Leben einzuhauchen. Das klingt nicht nur nach Heavy-Metal, das ist es auch, obwohl die acht Kolben natürlich aus Aluminium sind. Bei einem Kolbendurchmesser von über zehn Zentimeter und in Anbetracht der zentralen Nockenwelle, die 16 Ventile per Stößelstangen und Kipphebel betätigt, geraten hier beträchtliche Massen in Bewegung. Das merkt man spätestens, wenn der V8 leise im Stand vor sich hin brabbelt, sein relativ unrunder Lauf jedoch in loser Folge sanfte Sitzbeben auslöst.

Die beeindruckenden technischen Daten (647 PS, maximal 819 Newtonmeter Drehmoment bereits bei 3800 Touren) noch im Hinterkopf, lässt man es in der ZR1 zur Eingewöhnung erst mal ruhig angehen. Der hoch positionierte Schalthebel gibt sich präzise, möchte dabei aber gern etwas härter angefasst werden.

Vortrieb mit Gebrüll

Auf den ersten Metern bei gezügeltem Gasfuß und lauer Drehzahl meldet sich der Kompressor-V8 nur verhalten zu Wort, schiebt die Vette aber bereits munter voran, obwohl noch nicht mal 3000 Touren anliegen. Doch dann raus auf die freie Autobahn und voller Selbstvertrauen der Druck aufs Pedal, der eine ganze Kette von Reaktionen und Emotionen auslöst.

Sozusagen als Weckruf öffnet ab etwa 3000 Umdrehungen im Auspuff die Klappe, worauf der V8 jegliche Zurückhaltung ablegt und munter drauflos trompetet, was in einem Umkreis von einem Kilometer niemandem verborgen bleibt. Spätestens jetzt sollte der Fahrer den Griff ums Lenkrad festigen und volle Konzentration walten lassen.

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Denn hart an der Traktionsgrenze arbeitend, mühen sich die hinteren 20-Zöller (325/25 ZR 20) sehr erfolgreich um atemberaubenden Vortrieb. Als Reaktion entlastet jedoch die Vorderachse so stark, dass der Vorderwagen ein wenig ins Tänzeln gerät, was nach stetigen feinen Lenkkorrekturen verlangt.

Man muss schon alle Sinne schärfen, um bei diesem Fahrerlebnis nicht in einen rauschartigen Zustand zu verfallen. Eben noch scheinbarer Fixpunkte am Horizont, wirkt der vorausfahrende Verkehr schlagartig sehr entgegenkommend. Das Unwirkliche dabei: Obwohl das Head-up-Display bereits 260 km/h meldet, hält der Vorwärtsdrang unvermindert an. Ohne Unterlass pumpt der Eaton-Kompressor mit maximal 0,72 bar Nachschub in die Brennräume. Oberhalb von 300 km/h lässt die ZR1 dann ein wenig nach, doch erst bei Tempo 330 ist Schluss.

Zumindest hier kann der maximal 340 km/h schnelle Lambo locker kontern. Im dunklen, knapp geschnittenen, aber wesentlich feiner verarbeiteten Innenraum wird konventionell per Zündschlüssel gestartet, worauf der Anlasser eher nach anlaufendem Schleuderprogramm klingt. Dabei wird er jedoch schnell vom Aufschrei des mächtigen 6,5-Liter-V12 übertönt, dem die Motorelektronik zum Start erst mal einen kräftigen Gasstoß verordnet – sehr zur Freude der Nachbarn.

Geschaltet wird sequenziell per Wippen am Lenkrad (e-gear, Aufpreis: 9520 Euro), wobei gerade beim Anfahren und Rangieren viel Gefühl im Gasfuß erforderlich ist, da die automatische Kupplung etwas ruppig agiert. Also lieber rauf auf die Bahn und durchbeschleunigen.

Das erledigt der Lambo unter nicht minderem Getöse, dafür aber gelassener als die Corvette. Obwohl der Allradantrieb eine betont hecklastige Kraftverteilung hat, bleiben Lenkung und Vorderwagen ruhiger als bei der ZR1. Allerdings geht bei jedem Schaltvorgang ein kräftiger Ruck durchs Fahrzeug. Die Gaswechsel sind über die vier phasenverstellbaren Nockenwellen und das Schaltsaugrohr so abgestimmt, dass der Lambo ab 5000 Touren mit gewaltigem Vorwärtsdrang bis knapp über 8500 Umdrehungen agiert.

ZR1 handlicher als Lambo

Dennoch ist es der frische und mit 135 990 Euro weniger als halb so teure Frontmittelmotor-Ami, der dem Mittelmotor-Italiener auf der Rundstrecke den Schneid abkauft. Auf hohem Grip-Niveau operieren zwar beide Supersportler, jedoch fühlt sich die ZR1 viel handlicher an, lenkt spontaner ein und lässt sich spielerisch mit dem Gas dirigieren, obgleich der Grad zwischen Querfahren und Kreiseln bei abgeschaltetem ESP schmal ist.

Wird es dem Murciélago am Kurveneingang zu bunt, untersteuert er stur, lässt sich aber auch mal zu Lastwechselreaktionen animieren, die von keinem ESP – es gibt keines –, sondern nur vom Fahrer pariert werden. Die schwergängige Lenkung vermittelt dagegen recht wenig Gefühl. Allerdings spielt der Italiener auf schlechten Straßen und bei Nässe die Vorteile seines Allradantriebs aus. Zum Schluss ein paar Takte zum Alltag: Wegen seiner variablen Dämpfer (Sport-/ Tour-Modus), dem großen Kofferraum und der übersichtlichen Karosserie ist die Corvette ein Auto für alle Tage. Mit dem sperrigen, unübersichtlichen Lamborghini wird dagegen jedes Parkmanöver zum Alptraum. Doch für City- Fahrten hat ein Murciélago-Eigner sicherlich geeignetere Gefährte im Fuhrpark.

Fazit

Den Traum vom Supersportwagen realisiert die neue Corvette ZR1 auf den ersten Blick eher unspektakulär, aus der Perspektive des Fahrers aber umso beeindruckender. Ein gnadenlos anschiebender Kompressor- V8, spielerisches Handling und das fein ausbalancierte Fahrwerk sind der Schlüssel dazu. Dennoch kann sich niemand dem Reiz des radikalen, höllisch schnellen und im Hochgeschwindigkeitsbereich absolut stabilen Lamborghini entziehen – einfach traumhaft.

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8-Zylinder, 2-Ventiler, Kompressor, Ladeluftkühlung
Hubraum6162
Leistung
kW/PS
1/Min

476/647
6500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
819
3800 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: gelochte Karbon-Keramikscheiben
h: gelochte Karbon-Keramikscheiben
Bereifungv: 285/30 ZR 19
h: 325/25 ZR 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1528
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)330
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch15l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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