48-Volt-Hybrid Eco Drive von Continental: Neue Spritspar-Technik Conti bringt neue Hybrid-Technik

12.06.2015

Spannung rauf, Verbrauch runter: So will Continental normalen Hybriden wie dem Prius die Schau stehlen

Sie sind sparsamer aber teuer und so richtig Spaß machen sie auch nicht – kein Wunder, dass sich die konventionellen Hybriden vom Schlage des Toyota Prius zumindest bei uns nie so richtig durchsetzen konnten. Während insbesondere die deutschen Hersteller deshalb nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ zur Plug-In-Offensive blasen und so zwar die Kosten noch einmal in die Höhe treiben, dafür aber auch richtig Sprit sparen, eine sportliche Fahrweise ermöglichen und den Reiz des lautlosen E-Modus bieten, gehen Zulieferer wie Continental einen anderen Weg: Weil Plug-In-Hybride auf Dauer ein teures Vergnügen bleiben und deshalb nie hohe Stückzahlen erreichen werden, arbeiten sie unter dem Stichwort „48 Volt-Hybrid“ an einer bezahlbaren Lösung für die breite Masse: Viel sparsamer als eine konventionelle Start-Stopp-Automatik aber fünfmal billiger als ein über 100 Volt starkes Hybrid-System wie bei Prius & Co, soll sie schon im kommenden Jahr bei den ersten europäischen Herstellern in Serie gehen.

 

Eco-Drive: Sparsamer 48 Volt-Hybrid von Continental

Die Idee dahinter ist vergleichsweise simpel und kombiniert die Vorteile einer Start-Stopp-Automatik mit denen eines Hybriden. Denn genau wie beim Start-Stopp-System schaltet der von Continental zum „Eco Drive“ den Verbrenner immer dann ab, wenn er nicht gebraucht wird. Weil der so gennannte Riemenstarter-Generator mit seinen 20 PS aber deutlich mehr Kraft hat und den Motor schneller auf höhere Drehzahlen schleppen kann, funktioniert der Neustart nicht nur in der Hälfte der Zeit und mit wesentlich weniger Gestottert oder Geschüttel. Sondern vor allem funktioniert er auch bei höheren Geschwindigkeiten und ermöglicht so das so genannte Segeln, wenn selbst auf der Landstraße oder der Autobahn immer mal wieder der Motor ausgeht.

Sorge ums Klima oder gar um die Sicherheit muss man dabei nicht haben. Denn die elektrische Grundversorgung übernimmt in dieser Zeit die Zusatzbatterie im Kofferraum. Und selbst der Tempomat funktioniert beim Segeln: Für das bisschen Vortrieb, das man zum Halten der eingestellten Geschwindigkeit benötigt, reicht die Kraft des elektrischen Riementriebs meist aus, erläutert Continental-Manager Oliver Maiwald. Allerdings braucht der Riemengenerator für seinen Kraftakt auch ein bisschen mehr Energie als der normale Anlasser und lässt sich deshalb nicht mit dem bisherigen 12-Volt-Netz betreiben. Sondern damit das System funktioniert, braucht es an Bord einen zweiten Stromkreislauf mit 48 Volt, der dieser Technologie den Namen gegeben hat.
 
Während er das Motor-Management vom Start-Stopp-System kopiert, übernimmt der Eco Drive das Energie-Management vom Hybriden. Denn besser als jeder normale Startergenerator kann der Riementrieb auch Rekuperieren und so Bremsenergie in Strom umwandeln, bevor sie als Wärme in den Rädern verraucht.
 
Beide Effekte zusammen ergeben einen Effizienz-Gewinn, der die Fahrzeugherstellen auf dem Weg zu den geforderten 95 g/km CO2-Ausstoß einen großen Schritt weiter bringen könnte. Denn auf dem Prüfstand fährt ein Prototyp aus der Golf-Klasse mit dieser Technologie 13 Prozent sparsamer als das Referenzmodell ohne Eco Drive. Und bei Praxistests im Stadtverkehr haben die Conti-Entwickler sogar 20 Prozent und mehr Kraftstoff eingespart.
 
Natürlich gibt es den Eco Drive nicht zum Nulltarif, und die etwa 150 Euro Aufpreis für das Start-Stopp-System wird die neue Technik so schnell wohl kaum erreichen. Doch wo man für Hybriden laut Conti-Mann Maiwald intern mit 4.000 bis 5.000 Euro kalkuliert, komme man bei der 48-Volt-Technik mit einem „hohen dreistelligen Betrag“ aus. Kein Wunder, dass sich die Niedersachsen eine rosige Zukunft für die neue Technologie ausrechnen. Wenn nach aktuellen Studien in zehn Jahren etwa 25 Prozent aller Neuwagen mit einem wie auch immer gearteten Hybridsystem ausgerüstet sein werden, dann wird man darunter nur noch wenige konventionelle Teilzeitstromer finden. Sondern den Löwenanteil machen Plug-In-Hybriden aus. Und wer keinen Stecker hat, der fährt sparsam und preiswert mit 48 Volt, schätzen die Experten.
 
Zwar reichen die elektrische Energie im Akku und die Kraft des Riemenstarters allenfalls für ein paar hundert elektrische Meter zum Beispiel im Stau oder im Kriechgang zwischen zwei Ampelphasen, räumen die Entwickler ein. Doch auf den Genuss des absolut geräuschlosen Fahrens muss man deshalb nicht verzichten. Denn spätestens wenn man auf der Autobahn den Fuß vom Gas nimmt, sich die elektrische Kupplung öffnet und das Auto zu Segeln beginnt, herrscht auch beim Verbrenner absolute Ruhe unter der Haube. Thomas Geiger

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