Datenschutz im Auto: Tracking und Speicherung von Informationen Daten-Krake Auto

28.05.2015

Schon heute sammeln und versenden Neuwagen viele Daten und Informationen - auch über ihre Fahrer. Wer kontrolliert den Transfer?

Der gläserne Autofahrer ist längst keine Zukunftsvision mehr. Bereits seit Jahren speichern unsere Autos zahlreiche Daten über sich selbst und ihre Nutzung. Einige Premiummodelle können diese Infos sogar schon an den Hersteller senden. Und spätestens mit der von der EU vorgeschriebenen Einführung des automatischen Notrufs eCall ab März 2018 verfügen alle neu auf den Markt kommenden Autos über die Technik für den Datentransfer.

 

Datensammlung im Auto: Kein Schutz vor Tracking

Allerdings geben diese Infos mehr über den Autofahrer preis, als ihm lieb ist. Die gleichen Systeme, die für ein Plus an Sicherheit, Komfort und Umweltverträglichkeit sorgen, haben böse Nebenwirkungen. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bewegungs- und Verhaltensprofile des Fahrers erstellen. Das fängt schon bei der Neuwagengarantie an – die Werkstatt kann anhand der Daten feststellen, ob sich der Defekt auf einen Fahrfehler zurückführen lässt – und hört vor Gericht auf: So kann der Richter nach einem Unfall die Herausgabe der Autodaten verlangen.

Daher ist die entscheidende Frage: Wer bekommt die Hoheit über die gesammelten Informationen? Die Autohersteller sind als erste am Drücker: Durch den Einbau der Systeme können sie sich leicht ein Datenmonopol verschaffen. Daher möchten sie möglichst wenig Regulierung. Doch andere Interessenten wie etwa Versicherungen, Automobilclubs und freie Werkstätten fürchten um den fairen Wettbewerb. Sie fordern eine offene Schnittstelle für den Zugriff auf die Daten.  Gegen einen unkontrollierten, freien Zugang führen die Autohersteller jedoch starke Sicherheitsbeden
ken an: Sie fürchten, dass Unbefugte die Infos abgreifen können.

Doch wo bleibt in der Diskussion der Autofahrer? Denn eigentlich sollte der Grundsatz gelten: mein Auto, meine Daten. Der Fahrer muss entscheiden dürfen. Daher mahnt der Rechtsanwalt und Wettbewerbs-Experte Thomas Funke: „Alle personenbezogenen Daten können erst nach einer entsprechenden Einverständniserklärung des Kunden genutzt werden.“ Doch Autokäufer, die ihre Einwilligung verweigern wollen, müssen die entsprechende Passage aus dem Kaufvertrag streichen oder dort Ausnahmen von den AGBs aufnehmen lassen – in der Praxis kaum durchführbar.

Daher fordern Datenschützer, dass der Gesetzgeber die Speicherung und Weitergabe der Informationen reguliert, am besten gleich auf europäischer Ebene. Aber die Zeit drängt. Und in der Vergangenheit hinkte der Gesetzgeber der technischen Entwicklung oft hilflos hinterher, wie etwa beim Google-Monopol. „Der Kunde muss jedoch im Detail erfahren, welche Wahlmöglichkeiten er hat und welche Daten von seinem Auto erhoben werden“, sagt Funke. Eine Aufklärungspflicht im Autohaus wäre 
dafür der erste Schritt.

Diese Informationen sammelt mein Auto:

Moderne Fahrzeuge sind randvoll mit elektronischen Mess- und Regelsystemen, die eine Vielzahl von Daten aufzeichnen. Einige Premiummodelle übertragen ausgewählte Infos sogar bereits an den Hersteller.

  1. So wird die Wartungshistorie gespeichert und an anstehende Inspektionen erinnert.
  2. Das Auto kann zudem eine Fahrzeugdiagnose durchführen.
  3. Verschleißteile, etwa der Zustand der Bremsbeläge, werden überwacht und Füllstände kontrolliert, z.B. der Reifendruck oder der Ölstand.
  4. Verfügt das Auto über eine Internetverbindung, lässt sich deren Nutzung dokumentieren.
  5. Zahlreiche Steuergeräte zeichnen das Fahrverhalten auf, etwa den Lenkeinschlag oder den Einsatz von ABS und ESP.
  6. Das Navigationsgerät speichert Ziele und Routen.
  7. Oft wird auch das persön-
liche Adressbuch vom Smartphone ins Auto gespiegelt, und
  8. die Telefondaten können gesammelt werden.
  9. Die Sitzsensoren wissen, wie viele Personen im Auto saßen. Außerdem lassen sich die Sitz- und Spiegeleinstellungen speichern.
  10. Das Auto zeichnet auch Verbrauchs- und Emissionswerte auf.

 

WER WILL DIE DATEN AUS MEINEM AUTO?

Autohersteller / Markenhändler
Diese können ihre Kunden durch datenbasierte 
neue Serviceleistungen enger an sich binden. Kündigt sich etwa ein technischer Defekt an, leitet das Auto den Fahrer in die nächste Markenwerkstatt und informiert diese vorab über das Problem.

Freie Werkstätten
Sie fürchten eine Wettbewerbsverzerrung durch den Datenaustausch zwischen Auto und Markenwerkstatt. Die unabhängigen Betriebe fordern daher einen offenen Zugang zu den Fahrzeuginformationen, auch für eine eventuelle Fernwartung.

Versicherungen / Automobilclubs
Die Assekuranzen könnten mit den Autodaten vom Fahrstil abhängige Tarife anbieten. Zudem ließe sich bei Unfällen die Schuldfrage genau ermitteln. Automobilclubs könnten mit übertragenen Daten viel schnellere und effektivere Pannenhilfe leisten.

Datenvermarkter
Natürlich wollen auch Google und Apple sowie Karten- und Wetterdienste die Fahrzeugdaten. Damit lassen sich etwa Stauinfos in Echtzeit erstellen oder Glatteiswarnungen für einzelne Kurven aussprechen. Die Werbeindustrie zeigt ebenfalls Interesse.

Staat / Prüforganisationen
Nicht nur die Polizei könnte die Daten gut verwenden. Auch das Finanzamt dürfte mit dem Fahrprofil einiges anfangen. Zudem sind Mautmodelle anhand der Daten denkbar. Und für eine Hauptuntersuchung müsste man noch nicht einmal in die Werkstatt.

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