17.02.2013
Test: Simca 1301, Audi 60 L VW 1600 TLE, Opel Olympia und Ford 15M
Alltagshelden
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Test: Untere Mittelklasse von 1970
Bei unserem Classic-Cars-Vergleich kamen ausschließlich Originale zum Einsatz: Alle fünf Wagen sind unrestauriert und tragen die Jahre mit Würde |
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Audi 60
Der kopflastige Audi 60 untersteuert gutmütig. Es ist ihm allerdings deutlich anzumerken, dass er als F102 für einen wesentlich leichteren Motor entwickelt worden ist |
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Audi 60
DKW-Styling am frühen Audi. Der Tankstutzen liegt im direkten Prallbereich |
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Audi 60
Der Drehzahlmesser ist ein seltenes Ausstattungsdetail, das sich wellende Holzimitat aus Kunststofffolie leider Standard im Audi. Die Lenkradschaltung verlangt ein wenig Übung |
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Audi 60
Schon der Vorbesitzer hat die Lammfelle über die Sitze gezogen. Der Audi bietet Kopfstützen - längst nicht üblich in den frühen 70er-Jahren |
Früher standen sie an jeder Ecke: Unsere fünf Kandidaten waren bezahlbar und boten Platz. Heute sind sie rar und jede Schrauberstunde wert
Es war eine spannende Zeit, eine Zeit des Umbruchs in der unteren Mittelklasse, damals 1970. Audi erfand sich gerade neu aus den Trümmern von DKW, Ford mühte sich, aus dem zu angelsächsisch geratenen P4 mit dem Nachfolger P6 eine Brücke zu bauen zu einem Fahrzeug, das wir wenig später als "Knudsen-Taunus“ kennen lernen würden. Opel versuchte mit dem Olympia A auf Kadett-Basis einen Fuß in der Tür zu behalten, denn der Ascona war noch weit davon entfernt, den Markt zu betreten. Und bei Volkswagen dämmerte es den Oberen, dass mit dem angejahrten VW 1600 kein Staat mehr zu machen war. Einzig die französische Marke Simca zog stur ihre Kreise mit dem 1301 und 1501.
BEI DEN HÄNDLERN TOBTE DER KONZEPTKAMPF
Wer also 1970 ins Autohaus ging, um aus Käfer & Co aufzusteigen in die nächsthöhere Wagenklasse, der hatte die Wahl zwischen Tradition und Moderne, zwischen Heck- und Fronttrieblern, Luft-und Wasserkühlung. Schauen wir also mal bei Audi vorbei. Dort im Angebot: Der Audi 60. Er profitierte von der modernen selbsttragenden Karosserie des DKW F102. Der war noch unter Mercedes-Benz-Führung entwickelt worden. Als 1965 Audi an Volkswagen weitergereicht wurde, verabschiedete man sich auch vom Zweitaktmotor und präsentierte mit Modellen wie dem "Super 90“ sportliche Autos. Der kleinere Audi 60 sah ihm im Rückspiegel zum Verwechseln ähnlich. Mit ihm konnte Papa auf der linken Spur Gas geben.
Doch ganz ungetrübt war die Freude nicht. Man merkt dem auf 55 PS gedrosselten Motor auch heute noch an, dass er mehr kann. Schon seinerzeit änderten findige Tuner Kleinigkeiten (z. B. Ansaugbrücke ohne Drosselung) und kamen so leicht auf über 60 PS. Dem Fahrwerk mit seinen längs liegenden Drehstäben attestierten die Tester damals gutmütige Fahreigenschaften. Das kann man auch heute noch so unterschreiben. Wichtig ist nur, dass die Drehstäbe eines Audi 60 noch in gutem Zustand sind. Das Fahrwerk des Ingolstädters spricht feinfühlig an. Dank des Frontantriebs geht er untersteuernd in die Kurve, die Starrachse mit Panhardstab läuft unauffällig mit. Allerdings ist der Audi erkennbar kopflastig. Wer unter die Haube schaut, sieht ein sehr weit vorn gelagertes Triebwerk in einem korsettartigen Motorraum. Hier hat mal ein kleinerer und leichterer Zweitakter gelebt. Erst in späteren Modellen schuf man mehr Platz und sorgte mit besserer Anordnung des Motors auch für mehr Kurvendynamik.
Innen gibt sich der Audi großzügig mit viel Beinfreiheit vorn, weil das Getriebe nicht unter einem Rahmentunnel steckt, sondern auf Höhe der Vorderachse. Auch hinten sitzt man recht bequem. Die Kopffreiheit geht in Ordnung. Der Sitz- und Bedienkomfort ist ausgesprochen gut. Schon in diesem frühen Modell, das wir im Test fuhren, stimmen Seitenhalt und Raumgefühl. Die Verbesserungen an Karosserie und Armaturenbrett im Herbst 1970 machten den Audi 60 fit für die Zukunft. Mit den "Mitteldruck“-Audis begann eine neue Zeit und der Aufstieg der Marke mit den vier Ringen zum Premium-Anbieter. Es war noch ein weiter Weg bis dahin, aber der Audi F103 legte den Grundstein.
DER LANGE SCHATTEN DES CARDINALS
Während bei Audi 1965 eine gewisse Aufbruchstimmung herrschte, schlug man sich bei den Ford- Werken mit einer Altlast herum. Der Ford 12M/15M P4, intern mit dem Codenamen „Cardinal“ bedacht, war ein ungeliebtes Kind. Man merkte dem Wagen zu deutlich amerikanische Züge an. Und die im Grunde fortschrittliche Antriebseinheit, die als ganzer Block aus Motor, Getriebe und Vorderachse samt Frontantrieb im Bug des Ford P4 steckte, entpuppte sich als Quelle nerviger Vibrationen, die sich über den ganzen Wagen ausbreiteten. Die Vorderachskonstruktion mit querliegenden Blattfedern wurde mehrfach überarbeitet. Im 1966 vorgestellten P6 rückte man ganz von den alten Prinzipien ab: Hochmoderne McPherson- Federbeine, eine Zahnstangen-Lenkung, neue homokinetische Gelenke für die Antriebswellen - all das führte zu einem deutlich neutraleren, besser beherrschbaren Fahrverhalten. Das spürt man auch heute noch deutlich. Der P6 hat gegenüber dem P4 eine direktere Lenkung und vermittelt so viel mehr Gefühl zur Fahrbahn.

















