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Reportage: 75 Jahre RUF Jubiläum

Porsche hoch zwei

Ich wurde flugs herausgezogen und meiner Mutter präsentiert. Das war sozusagen meine Taufe“, berichtet Alois Ruf von den Anfängen seiner Karriere. Von 1955 bis 1966 erweiterte man die Firma um ein separat geführtes Busunternehmen, und in den 1960er-Jahren folgten schließlich die ersten Erfahrungen im Warten und Instandsetzen von Porsche-Fahrzeugen. Das begann damit, dass 1963 – eher zufällig – der erste 356 ins Haus kam.

Alois Ruf erinnert sich: „Mein Vater fuhr in seinem Omnibus, nicht weit von Mindelheim, und wurde von einem Porsche 356 passiert. Beim Überholen kam der Porsche ins Schlingern, machte mehrere Schlenker, landete schließlich im Straßengraben und überschlug sich zweimal. Der Fahrer stieg aus, Gott sei Dank unverletzt, und mein Vater brachte ihn ins Krankenhaus.

‚Kümmern Sie sich nicht um Ihr Auto, das bringe ich in meine Werkstatt‘, sagte mein Vater. Eine Woche später hat er ihn dann gekauft. Wir fuhren den 356 ein Jahr, und eines Tages, als wir in München unterwegs waren, in der Leopoldstraße, kam ein junger Mann, klopfte ans Fenster und sagte, ‚Ich möchte Ihren Wagen kaufen.’

Eine Stunde später war er verkauft. Mein Vater konnte es nicht fassen. Er hatte das Auto ein Jahr gefahren, sogar noch was verdient dabei, und wir hatten Spaß. Das waren natürlich die besten Argumente, um meinen Vater gleich wieder für das nächste Auto zu motivieren.“

Das nächste sollte dann ein Porsche 911 werden. Doch zuvor spielte wieder einmal der Zufall Schicksal: „Mein Schlüsselerlebnis mit dem 911 war, als mein Vater und ich bei Augsburg auf der Autobahn überholt wurden, im Regen. Es war plötzlich eine Gischt von Wasser, ein Auto bretterte an uns vorbei, ein unheimliches Geräusch, und ich hab’ gerade noch das Stuttgarter Kennzeichen gesehen.

Es war ein dunkelblauer 911. Unser Auto hat regelrecht das Wackeln angefangen, so ist der Wagen an uns vorbeigezischt. Es war toll, ein Riesenerlebnis. Ich glaube, das werde ich nie vergessen. Es hat mir die Leidenschaft zum 911 gebracht“, beschreibt Ruf jenen Moment. Doch nicht nur der agile Straßen- 911 hatte es Alois Ruf Junior in jungen Jahren angetan. Auch der Rennsport übte eine ganz besondere Anziehung auf ihn aus.

Er erinnert sich: „Motorsport war etwas, was mich als Teenager total faszinierte. Ich durfte den 904 erleben, dann kam der 906 mit dem Sechszylinder-Sound. Natürlich bin ich nur zu Rennen gefahren, bei denen Porsche am Start waren. Der Höhepunkt war natürlich der 917, und ich hatte nur einen Wunsch, ich wollte in dieser Szene in irgendeiner Form dabei sein.“

Die Chance, nicht nur dabei, sondern gleich mittendrin zu sein, kam für Alois Ruf jedoch früher, als ihm lieb war. Über die enge Zusammenarbeit mit seinem Vater bereits von Kindesbeinen an mit der Materie vertraut, musste der 24-jährige Alois nach dem Tod seines Vaters Alois Ruf Senior 1974 die Firma übernehmen und lenkte die Geschicke des Unternehmens von da an schließlich in jene Richtung, die seither einen international anerkannten und respektierten Maßstab für Sportwagen bildet.

Dem Werk voraus: 5 Gänge im 911 turbo

Der Basis für den Erfolg blieb das Unternehmen dabei immer treu – dem Porsche 911, von dessen Qualitäten Ruf bis heute restlos überzeugt ist. Er sagt: „Unsere Basis ist der 911, der beste Sportwagen der Welt. Warum hier noch etwas verändern?

Die Antwort sind Menschen wie ich, die noch etwas Individuelleres suchen, etwas Sportlicheres, die einfach mehr suchen, die noch mehr Porsche wollen. Und das haben wir über die Jahre mit zahlreichen Modellen gezeigt.“ Modelle, die allesamt zu automobilen Highlights wurden.

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Jürgen Gassebner