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Renault Clio 16V vs. VW Polo G40 Coupe: Vergleich

Rasende Zwerge

Die besten Tests aller Zeiten. Diesmal haben wir einen Vergleichstest aus der Auto Zeitung 14/1991. Renault Clio 16V gegen VW Polo G40 Coupé

Sie sind die Reinkarnation des GTI-Themas: Kleinwagen mit deutlich mehr als 100 PS, fähig zu Fahrleistungen, die vor wenig mehr als einem Jahrzehnt noch Sportwagen vorbehalten waren. Dazu gehören: Tempo 200, Beschleunigung auf 100 km/ h unter zehn Sekunden, sportlich-gnadenlos gestähltes Fahrwerk.

Begründer des Segments: der Golf 1 GTI. Sein Nachfolger zeigt sich deutlich gewachsen. Deshalb war die Zeit reif für einen neuen kleinen Wilden: den Polo G40, mit Kat 113 PS stark. Seit 1986 angekündigt, in alter Karosserie aber nur begrenzt als Sonderserie erhältlich und erst jetzt, nach dem Facelift der Polo-Baureihe, regulär bestellbar.

Sein Name verrät es bereits: Ein wegen seiner Schneckenform G-Lader genannter Kompressor verhilft ihm zu der für nur 1,3 Liter Hubraum beachtlichen Leistungsblü te. Diese Technik kennen wir schon aus Corrado, Golf und Passat: Ein per Doppelkeilriemen direkt von der Kurbelwelle angetriebener Lader drückt die Ansaugluft mit 0,68 bar Überdruck in die Brennräume, ein Ladeluftkühler sorgt vorher für eine optimalere Dichte.

Renault, traditionell Verfechter der Turbo-Technologie, verzichtet beim nagelneuen Spitzenmodell der Clio-Baureihe vorerst auf jede Aufladung und setzt lieber auf Vierventiltechnik und Hubraum: Der bereits aus dem R19 16V bekannte Grauguß-Vierzylinder leistet auch im kleinsten Renault 135 PS – Rekord unter Kleinwagen. So ohne weiteres wollte der 1,8-Liter jedoch nicht unter die Clio-Haube:

Der voluminöse Leichtmetall-Zylinderkopf mit in V-Form angeordneten Ventilen und integrierten, halbkugelförmigen Brennräumen forderte Tribut in Hutzenform. Zum ausführlichen Spoilersatz gesellen sich noch ausgestellte Kotflügel, vorn aus flexiblem Noryl-Kunststoff. Der Polo gibt sich weniger kriegerisch: Ohne BBS-Leichtmetallfelgen, G40-Embleme und die Dachantenne würde er auch als 75-PS-GT durchgehen.

KAROSSERIE UND INNENRAUM

Was die Platzverhältnisse innen betrifft, kann der Polo seinem modernen Widersacher nicht mehr das Wasser reichen. Der Clio bietet sieben Zentimeter mehr Innenbreite, drei Zentimeter mehr Kopffreiheit, und auch der 16 Zentimeter längere Innenraum schafft ein souveräneres Raumgefühl. Ähnlich empfinden die Fond-Passagiere:

Im Renault läßt es sich dank besserer Knie- und Ellenbogenfreiheit einen Hauch besser leben. VW ist berüchtigt für sparsame Serienausstattungen, der Polo macht da keine Ausnahme. So angenehme Goodies wie elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung oder Servolenkung – im Clio alles serienmäßig an Bord – gibt es für den G40 nicht einmal für extra Geld.

Zu der Gattung der Lastesel gehört keiner der beiden flotten Flitzer: Egal, ob 200 (Clio) oder 202 Liter (Polo) real nutzbares Kofferraumvolumen – mehr als das Gepäck für die Reise zu zweitfassen beide nicht. Dafür lassen sich die Rücksitze geteilt umklappen, asymmetrisch im Renault, nur fifty-fifty im VW.

Der Renault gewinnt das Kapitel „Karosserie und Innenraum“ überlegen. Sportliche Sitze sind in sportlichen Autos ein Muss – höhere Kurvengeschwindigkeiten verlangen eine entsprechend gute Seitenführung. Das straffe Gestühl beider Testkandidaten zeigt da kaum Schwächen. Die Schenkelauflagen passen, die Bedienung ist simpel.

Im Clio stören nur die nicht hoch genug einstellbaren Kopfstützen. Kämpfen Polo-Piloten beim Einparken mit der schwergängigen Lenkung, können Clio-Chauffeure nur grinsen: Dank Servounterstützung rinnt bei ihnen kein Schweiß. Dafür müssen sie wegen des 1,3 Meter größeren Wendekreises mehr kurbeln.

Auf der Autobahn lassen beide Federungen keine Bodenwelle unerwähnt, ohne aber auf das Niveau steinharter Tuning-Fahrwerke zu sinken. Deutlicher poltern sie bei langsamer Fahrt über Unebenheiten, der Polo noch unangenehmer als der Renault. Genug, um dem Clio auch das zweite Kapitel als Gewinner zu überlassen.

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Klaus-Achim Peitzmeier