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Vier Porsche 911 Turbo im Vergleich

Volle Ladung

911 Turbo 3.3 - nun mit Laudeluftkühlung

Kaum auf dem Markt, machten sich die Porsche-Ingenieure 1976 an die Weiterentwicklung des Turbo 3.0. Dessen Hubraum wurde über eine zwei Millimeter größere Zylinderbohrung (97 statt 95 mm) und eine neu konstruierte Kurbelwelle mit 74,4 statt bisher 70,4 Millimetern Hub von 2994 auf jetzt 3299 Kubik vergrößert. Außer neu entwickelten Kolben, Zylindern und Pleueln bekam der 930-Motor für mehr Standfestigkeit zudem eine Ölpumpe mit erhöhter Förderleistung spendiert, und der Turbolader von Kühnle, Kopp & Kausch erhielt ein größeres Verdichterrad. Erstmals bei einem Serien-Pkw-Motor überhaupt kam beim 911 Turbo 3.3 zudem einen Ladeluftkühler zum Einsatz. Die Grundverdichtung wurde von 6,5 auf 7,0 erhöht. Das Ergebnis: 300 PS bei 5500/min sowie ein maximales Drehmoment von 412 und, von 1983 an, gar 430 Newtonmeter bei 4000 Umdrehungen. Entsprechend entwickelten sich die Fahrleistungen. War der Ur- Turbo noch mit „über 250 km/h“ angegeben, brachte es der Turbo 3.3 auf 260 km/h. Mit 5,5 Sekunden von null auf 100 km/h erledigte er den Sprint eine Zehntelsekunde schneller als sein Vorgänger.

Wichtiger war indes die kultiviertere Motorcharakteristik, wie wir sie auch beim heutigen Vergleich erfahren dürfen. Mit mehr Drehmoment über den gesamten Drehzahlbereich gibt sich der Turbo 3.3 spürbar durchzugskräftiger und antrittsstärker als sein Vorgänger. Was ihn aber nach wie vor auszeichnet, ist der brachiale Drehmomentanstieg knapp unterhalb der 4000er-Marke. Ein weiteres fahrdynamisches Goodie des Turbo 3.3: Die gegenüber dem Vorgänger nochmals üppiger dimensionierte Bremsanlage mit nun Vier- anstelle von Zwei-Kolben-Festsätteln.

964 Turbo - der letzte Monoturbo

Die letzte Ausbaustufe des 3,3-Liter- Motors mit Mono-Turbolader zündete Porsche 1990 mit dem 964 Turbo. Er brachte es auf 320 PS bei 5750 Touren sowie ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmeter bei 4500 Umdrehungen. Damit rannte er 270 km/h schnell und katapultierte sich und seine Besatzung in glatten 5,0 Sekunden von null auf 100 km/h. Allerdings legte er auch beim Gewicht deutlich zu und geriet mit 1470 Kilogramm 135 Kilogramm schwerer als sein Vorgänger. Gegenüber dem Ur-Turbo waren es gar 330 Kilogramm, brachte der ganz zu Anfang doch lediglich 1140 Kilogramm auf die Waage. Im Fahrbetrieb fällt das höhere Gewicht jedoch nicht negativ auf. Im Gegenteil. Der 964 Turbo punktet mit dem im Vergleich zu den Vorgängern komplett neu konstruierten Fahrwerk, das vorne wie hinten über Schraubenfedern, an der Vorderachse über eine Mc- Pherson-Aufhängung mit Leichtmetall- Querlenkern und hinten über Schräglenker-Radführungen aus Leichtmetall verfügt.

Satt liegt der 964 Turbo auf der Bahn. Bodenwellen, Quer- oder Längsrillen lassen ihn nahezu unbeeindruckt. Was begeistert, ist die breitere Spreizung, die Porsche mit dem 964 Turbo fahrwerksseitig gelang. Auf Schlechtwegpassagen bietet er deutlich mehr Komfort als seine Vorgänger, und in betont sportlichem Betrieb begeistert er dennoch mit noch höheren möglichen Kurvengeschwindigkeiten. Kurzum: Der 964 Turbo kann fast alles besser als seine beiden Vorläufer. Der explosive Drehmomentanstieg knapp unterhalb der 4000er-Marke zeichnet auch ihn aus, wenngleich sein weiterentwickeltes 3,3-Liter-Triebwerk noch etwas mehr Kultur und Durchzugskraft bietet.

993 – Der letzte und beste Luftgekühlte

Bedeutete bereits der 964 Turbo fahrwerkstechnisch einen großen Sprung nach vorn, so stellte Porsche mit dem Nachfolger 993 Turbo 1995 die letzte und mit Abstand beste Version des gebläsegekühlten 911 Turbo auf die Räder, bevor die fl üssigkeitsgekühlten Sechszylinder-Boxer im 996 eingeführt wurden. Mit Biturbo-Technik ausgestattet, leistete der aufgeladene Elfer aus nun 3600 Kubikzentimetern gewaltige 408 PS bei 5750 Touren. Das maximale Drehmoment betrug satte 540 Newtonmeter bei 4500 Umdrehungen. Eine überarbeitete Karosserie mit jetzt abgefl achten vorderen Kotfl ügeln brachte zudem eine weitere Verbesserung der Aerodynamik sowie ein noch dynamischeres Erscheinungsbild. Als wesentliche Fahrwerksänderung kam die Mehrlenker- Hinterachse LSA (steht für Leichtbau, Stabilität und Agilität) zum Einsatz.

Außerdem wurden die Antriebsmomente nun über einen permanenten Allradantrieb und nicht mehr nur über die Hinterräder übertragen. Summiert man Biturbo-Technik, LSA-Hinterachse und Allradantrieb, so verwundert es nicht, dass der 993 Turbo in diesem Vergleich in einer völlig eigenen Liga spielt. In 4,5 Sekunden schießt er uns auf 100 Stundenkilometer, und erst bei strammen 290 km/h hat der Vortrieb ein Ende. Hinzu kommt, dass er dank der beiden im Vergleich zum Monoturbo kleineren Lader ein besseres Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen zeigt und sich auch aufgrund des vergrößerten Hubraums bereits knapp oberhalb von 3500 Touren kräftig ins Zeug legt. Auch wegen seines fast schon narrensicheren Fahrverhaltens gilt der 993 Turbo als einer der ganz großen Würfe von Porsche bei den luftgekühlten Elfern. Dem können wir uns nur anschließen.

Jürgen Gassebner