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Opel Diplomat V8 Coupe vs. Pontiac GTO: Vergleich

Bluts-Brüder

Pontiac-Boss John Zachary DeLorean stellte mit der GTO-Version des Pontiac Tempest Le Mans 1964 ein sportliches Coupé vor, das anschließend als eigenständiges Modell die Pontiac-Palette bereicherte. Motorisiert war der GTO stets mit dem größten V8 aus der GM-Midsize-Palette, der im jeweiligen Jahr gerade verfügbar war.

Anfangs waren das 389 Kubikinch oder 6379 Kubikzentimeter Hubraum und 325 respektive 348 PS Leistung, 1967 schließlich 400 Kubikinch (6554 Kubikzentimeter) und Leistungen von 255 in der Sparvariante sowie 335 und 360 PS.

PONTIAC GTO LIEBER MIT SCHALTUNG

Gerne wurde der Pontiac GTO von seinen Kunden aber nicht in der Automatik-Version, sondern mit dem Muncie-Viergang- Schaltgetriebe geordert. Immerhin versprach der GTO Power und Sportlichkeit – da passte ein Schaltgetriebe dann doch viel besser, so wie auch bei unserem Testfahrzeug, das uns freundlicherweise von Oldschool Custom Works, einem auf Restaurierung und Service von US-Cars spezialisierten Fachbetrieb in Weinstadt bei Stuttgart, zur Verfügung gestellt wurde.

So verschieden der Pontiac GTO und das Opel Diplomat A V8 Coupé allein schon in puncto Konzeption sind, so unterschiedlich sind denn auch die Fahrimpressionen, die wir mit ihnen auf der Schwäbischen Alb sammelten. Absolute Wohlfühlatmosphäre verströmt der Opel mit seiner gediegenen, luxuriösen Ausstattung und Sitzen, die in Sachen Komfort jedem britischen Clubsessel das Wasser reichen können.

Und dann ist da noch sein V8-Triebwerk, das in Sachen Laufkultur zum Besten zählt, was wir an fossilen Treibsätzen aus jenen Tagen je pilotieren durften - mit tollem Ansprechverhalten, absolut ausreichendem Bums und einem wohlerzogenen, sehr dezenten V8-Wummern. Mit diesem Wagen nach Sizilien zum Baden fahren? Kein Problem. Fahrkomfort, Geräuschniveau und Sitzposition sind so, wie wir es von einem luxuriösen Langstreckenauto erwarten. Hinzu kommen ein bemerkenswert präzises Lenkgefühl und Bremsen, die ihre Wirkung nicht schuldig bleiben.

Von gänzlich anderem Geblüt ist dagegen der Pontiac GTO. Allein der Startvorgang beweist, dass wir es mit einem brachialen US-Sportgerät zu tun haben. Mit voller Wucht schmeißt sich das Starterritzel ins Zeug, und Sekundenbruchteile später bebt die Erde. Dabei erfüllen kurze Gasstöße den Innenraum mit einem unvergleichlichen Ansauggeräusch, gerade so, als schlürfe jemand mit schneller Zunge einen Suppenteller leer. Beim GTO bekommt das Wort Gemischaufbereitung eine hörbare Qualität, und auch Passanten in der näheren Umgebung des GTO dürfen am furiosen V8-Konzert teilhaben – dafür sorgen die beiden dezent unter die Chromstoßstange geführten Endrohre.

Fahrdynamisch betrachtet ist beim Umgang mit dem amerikanischen Heavy Metal indes ein gewisser Respekt geboten. Einmal eingekuppelt und beherzt aufs Gas getreten, schnalzen die gut 1,6 Tonnen nämlich sehr beherzt voran und fordern nur wenig später den zweiten Gang, der sich im durchaus präzise zu schaltenden Viergang-Getriebe mühelos einlegen lässt.

Auch im Zweiten wird das Drehmomentgebirge abgeritten, dass es eine wahre Freude ist, und die Tachonadel des GTO eilt flugs über die Skala. Einen Drehzahlmesser gibt es nicht.
Weniger gefällig ist die leidlich präzise Lenkung, die wie bei vielen US-Cars ordentlich Spiel aufweist und eine gewisse Eingewöhnung braucht. Gleiches gilt für die Bremsen, die den Pontiac vergleichsweise mäßig verzögern und eine vorausschauende Fahrweise einfordern. Aber so diplomatisch sind wir beim GTO ohnehin.

>>Fazit, technische Daten & Marktlage

Jürgen Gassebner