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Louis Chevrolet Tour 2012: Nachbericht und Impressionen

40 Wagen Westwärts

Am letzten Samstag im Juli hallte das satte Geräusch starker Achtzylinder durch die Eifelwälder im Westen der Republik. Chevrolet feierte seinen 100. Geburtstag und lud auf die Burg Satzvey ein. Große und kleine Klassiker fuhren mit, doch die US-V8 gaben den Ton an

Von einer derart klaren Stimmenverteilung wie bei der ersten Louis Chevrolet Tour auf Burg Satzvey in der Eifel können unsere Politiker nur träumen: Die V8-Fraktion hielt eine klare Zweidrittelmehrheit und gab eindeutig den Ton an. Wo sonst am Wochenende helle Trompetenfanfaren und schnaubende Schlachtrösser von Ritterspielen künden, kamen am letzten Juli-Wochenende Pferdestärken anderer Art zum Einsatz. Durch die ehrwürdige Burganlage hallte schon am frühen Morgen das Grollen amerikanischer Achtzylinder, die sich zum Start im Hof formierten.

Louis Chevrolet Tour 2012: Klassiker unter sich

Die Gespräche der Teilnehmer zu verfolgen, setzte Kenntnis der einschlägigen Typencodes für US-Motoren voraus. Beispiel: "Ist das ein echter 61er 409?" "Nein, da steckt ein 348er unter der Haube." "Super Turbo-Thrust mit Triple-Rochester und Fourspeed Stick Shift?" "Nein, Vierfach-Edelbrock und Dreigang-Powerglide." Für Nichteingeweihte: Das Objekt der Begierde war in diesem Fall ein 250 PS starker Chevy Impala Baujahr 1960 mit 6,7-Liter-V8, Edelbrock-Vergaser und Automatikgetriebe.

Weil Chevrolet Deutschland die Ausfahrt anlässlich des 100. Geburtstags der Marke erdacht und organisiert hatte, dominierten zwangsläufig die Fahrzeuge aus dem General Motors Imperium. Corvette, Camaro, Chevelle, Impala – alle klangvollen Namen waren vertreten. Und auch einige entfernte Verwandte aus der weitläufigen GM-Sippschaft kamen zum Gratulieren vorbei: allen voran ein hellgrünes Buick Electra Coupé, dessen Beiname "225" ausnahmsweise nicht auf das Motorvolumen in Cubic Inch hinweist, sondern auf die schiere Länge des Fahrzeugs – 5,71 Meter, wovon gefühlt die Hälfte auf den Kofferraum entfallen.  Dabei gehört auch der 6,6-Liter- V8 im Buick-Bug zu den raumgreifenden Konstruktionen der GM-Ingenieure.

Dennoch wirkte der Buick im Kreis der Teilnehmer keineswegs überdimensioniert. Gardemaß besaßen auch der 1972 gebaute Ford Thunderbird und das bereits erwähnte Chevy Impala Cabriolet, dessen grellrotes Interieur selbst unter dem für sein nachhaltig tiefes Grau bekannten Eifelhimmel noch strahlenden Glanz und bei den Rallye-Teilnehmern ein wenig Hollywood-Stimmung verbreitete.

Tatsächlich waren auch zwei "Moviestars" mit von der Partie: Die aus diversen TV-Serien bekannten Schauspieler Valerie Niehaus und Kai Noll gaben im Chevrolet Chevelle Malibu und Corvette Stingray Cabrio eine ausgezeichnete Figur ab und bewarben sich damit nachdrücklich für eine noch zu konzipierende Mischfassung der Krimireihen "Mord mit Aussicht" und "Die Straßen von San Francisco".

Der Burgherr auf Satzvey, Graf Beissel von Gymnich, ließ sich von so viel Prominenz und Motorkraft nicht ins Bockshorn jagen, sondern mischte sich unter die Teilnehmer: Eigens für die Ausfahrt hatte seine Durchlaucht den vornehmsten Achtzylinder des über 700 Jahre alten Adelshauses anspannen lassen: Der fein gestriegelte Rolls-Royce Corniche schwebte lautlos und majestätisch zwischen den großspurigen Gästen aus der Neuen Welt zum Mittagsstopp am "Zinkhütter Hof" in Stolberg bei Aachen.

Als Denkmal der Frühindustrialisierung bildete die ehemalige Glasfabrik eine passende Kulisse für die rollenden Zeitzeugen aus der "Detroiter Phase" der Automobilgeschichte. Von Stolberg aus führte die Louis Chevrolet Tour am Nachmittag auf malerischen Straßen entlang der belgischen Grenze und vorbei am Rur-Stausee zurück zur Burg Satzvey, wo die Teilnehmer ein zünftiges Barbecue mit Steaks vom Grill und einer Dixieland-Combo zur Untermalung erwarteten. Auch die zur Streckensicherung und als Pannenhelfer eingesetzten Teams des Autoclubs ACV erlebten einen unaufgeregten Tag – technische Defekte blieben die Ausnahme. Die größte Herausforderung bestand für die Fahrer einiger trinkfester Straßenkreuzer darin, rechtzeitig eine Tankstelle zu finden.

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Damit hatten die "Gaststarter" europäischer Provenienz weniger Sorgen, auch wenn selbst unter ihnen die Fahrzeuge mit amerikanischem Akzent im Design durchaus die Mehrheit hielten. Neben diversen Opel-Modellen aus der Zeit, als Rüsselsheim und Detroit auf bilateraler Ebene noch beste Beziehungen pflegten, fuhren auch ein Renault Floride S, ein Datsun 280 ZXT und ein Mercedes 450 SL mit, letzterer selbstredend in der US-Version mit breiten Stoßfängern und Doppelscheinwerfern. Den glücklichen Mienen vieler Teilnehmer bei der Zielankunft nach zu urteilen, könnte die Chevrolet Tour zum 101. Geburtstag der Marke 2013 wiederholt werden.
Text: Karsten Rehmann