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Lancia Delta HF Integrale: Kaufberatung Classic Cars

Abteilung Attacke

 

Der Check kann fortgesetzt werden. Da Sie aber gerade schon einmal hinter dem kleinen dreispeichigen Lederlenkrad sitzen, werden Sie schnell feststellen, dass die Fahrerposition stark an die in einem klassischen Autoscooter erinnert. Die Lenksäule steht steil, der Winkel des Lenkrades ist flach, und Sitz samt Pedalerie sind wie gemacht für Menschen bis 1,70 Meter Körpergröße. Alle anderen tun sich auf Dauer mit der Sitzposition schwer, die irgendwie nie richtig zu passen scheint.

Ein quietschendes Kupplungspedal ist nicht ganz einfach von seinen Misstönen abzuhalten, und schnarrende Lüftergitter oder Gebläsemotoren kann man ertragen, auch wenn diese Geräuschkulisse auf Dauer nervig wird. Sind im Interieur die schmucken Alcantara-Sitzbezüge verschlissen, gibt es kaum Aussicht auf Ersatz. Mit viel Glück findet man nach langer Suche ein passendes Gebrauchtteil.

Rost, Rost und nochmals Rost setzt den Blechen des kompakten Allradlers aus Turin mächtig zu. Neben den üblichen Schwachpunkten wie Schwellern, Radhäusern und Wagenheberaufnahmen verdienen einige fahrzeugtypische Stellen besondere Beachtung. Der vordere Scheibenrahmen verwandelt sich rundum gerne in ein Feuchtbiotop, das sich nur mit viel Aufwand wieder instand setzen lässt.

Der Gilb nagt heftig an der Dachkante

Ist vorne alles in Ordnung, wie bei unserem 1990er Fotomodell HF Integrale 16V in Nero Metallic, wandert der Magnet an die hintere obere Dachkante. Auch hier nagt der Gilb gerne an der Substanz des Rekord-Weltmeisterwagens, besonders wenn die Befestigungslöcher für nachträglich montierte Evo-Dachspoiler nicht korrekt versiegelt wurden.

Gleich darauf fällt der Blick des Fachmanns auf die untere Kante der geöffneten Heckklappe, die auch häufig von der braunen Pest befallen ist. Insider schauen sich aktuell nach Integrale-Reimporten aus Japan um, deren Blechsubstanz meist in einem wirklich guten Zustand ist. Meistens meiden sollte man dagegen Billigangebote aus Italien oder Spanien, die im Internet immer wieder auftauchen.

Sind schließlich die Radläufe in Ordnung, geht es in die Technikabteilung unter die Motorhaube. Der 2,0-Liter-Vierzylindermotor aus dem Fiat-Regal wird von einem großem Garrett-Lader zwangsbeatmet. Nach leichter Anfahrtsschwäche und Überwindung des klassischen Turboloches stürmt der Integrale nach vorn, als gäbe es kein Morgen.

Die Anzeige des Ladedrucks zuckt weit nach rechts, die daraus resultierende Beschleunigung ist phänomenal und wird nachhaltig durch die konsequent sportliche Auslegung des Fünfgang-Getriebes unterstützt. Langer erster und zweiter Gang und dann kurze, knappe und passende Gangwechsel. Auf kurvigen Landstraßen und Gebirgspässen vermittelt kaum ein anderer Youngtimer so viel Fahrspaß und Gaudi.

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Udo Freialdenhofen